Fluch der Technik Frau begeht Fahrerflucht – Notrufsystem ihres Autos ruft die Polizei

Ein Prototyp des künftigen Auto-Notrufsystems „eCall“, das in der EU ab 2018 Pflicht werden soll. Auf einem mobilen Computer wird der Standort eines Autofahrers mit einem simulierten Herzinfarkt gezeigt. Das Gerät alarmiert auf Knopfdruck oder im Fall eines Unfalls auch automatisch die nächste Rettungsleitstelle, so dass sofort Sanitäter und Notärzte losgeschickt werden können. Foto: Armin Weigel/ dpaEin Prototyp des künftigen Auto-Notrufsystems „eCall“, das in der EU ab 2018 Pflicht werden soll. Auf einem mobilen Computer wird der Standort eines Autofahrers mit einem simulierten Herzinfarkt gezeigt. Das Gerät alarmiert auf Knopfdruck oder im Fall eines Unfalls auch automatisch die nächste Rettungsleitstelle, so dass sofort Sanitäter und Notärzte losgeschickt werden können. Foto: Armin Weigel/ dpa

Osnabrück. Ein vernetztes Auto hat in Florida seine eigene Fahrerin nach einem Unfall mit Fahrerflucht bei der Polizei verraten: Die 57-jährige Lenkerin war in einen LKW und in einen Van gekracht. Sie fuhr aber einfach weiter. Ihr Ford registrierte allerdings den Aufprall – und informierte die Behörden.

Das Notrufsystem des Wagens informierte automatisch unter der US-Notrufnummer 911 die Notrufzentrale. Die Frau mit Namen Cathy Bernstein wurde festgenommen. Sie und ein weiterer Beteiligter sollen bei dem Unfall leichte Verletzungen davon getragen haben, hieß es in einem Bericht des Interportals „Der Standard“. Eigentlich sei das Ford-Notrufsystem ja dazu da, bei einem Unfall mit Bewusstlosigkeit Rettungsmaßnahmen zu initiieren, schrieb die Redaktion weiter. Der Vorfall zeige aber, dass sich das System auch gegen den eigenen Besitzer wenden könne. Die Unfallfahrerin hatte sich nämlich davon gemacht und nicht damit gerechnet, dass ihr Auto quasi hinter ihrem Rücken die Polizei benachrichtigen würde.

Das Ford-System verfügt über ein angeschlossenes Mobiltelefon, um die Notdienste mit den wichtigsten Angaben über den Standort des Wagens zu versorgen, wenn der Fahrer sich zum Beispiel nicht selbst helfen kann. Die Möglichkeit, dass er Fahrerflucht begehen könnte, ist in dem System offenbar nicht vorgesehen.

Wie der US- Nachrichtensender abc7chicago berichtet, erhielt Bernstein nach dem automatisch abgesetzten Notruf einen Rückruf von der Notfallzentrale. Das Gespräch sei folgendermaßen abgelaufen, hieß es:

Bernstein: „Es gibt kein Problem, alles ist in Ordnung.“

Notrufzentrale: „Ok, aber Ihr Auto hat angerufen und bekannt gegeben, dass Sie in einen Unfall verwickelt waren. Es macht das nicht ohne Grund. Haben Sie Fahrerflucht begangen?“

Bernstein: „Nein, das würde ich niemals machen.“

Ab 2018 soll auch jedes neue in der EU verkaufte Auto mit einem ähnlichen System ausgestattet sein. Das System wählt bei eingebauter SIM-Karte automatisch einen 112-Notruf an, sobald im Auto ein Airbag auslöst. Dann meldet sich per Lautsprecher eine Notrufzentrale beim Unfallopfer oder sendet automatisch an den per GPS lokalisierten Unfallort, falls Insassen nicht mehr sprechen können. Viele Experten kritisieren aber die verpflichtende Einführung des sogenannten europäischen Notrufsystems eCall. Der Osnabrücker Experte für Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht Volker Lüdemann warnt vor allem vor den Gefahren, die aus der Internetfähigkeit der Geräte resultieren könnten. Das gesetzliche Notrufsystem halte auch er zwar für datenschutzrechtlich sauber, nicht aber das, was in seinem Inneren lauere.


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