Winterzeit 2015 Gegner der Zeitumstellung: Riesenaufwand für nichts

Meine Nachrichten

Um das Thema Gut zu wissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Am kommenden Sonntagmorgen um drei Uhr werden die Uhren um eine Stunde zurückgedreht und die Winterzeit oder Normalzeit beginnt. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, Herbert Reul, fordert seit Jahren die Abschaffung des Uhrensprungs, den er für „idiotisch“ hält. Bislang zwar ohne vorzeigbaren Erfolg, doch Reul sieht einen Silberstreifen am Horizont.

Sie verlangen bereits seit dem Jahr 2005, dass Schluss sein soll mit der halbjährlichen Zeitumstellung. Was sind Ihre Hauptargumente gegen den Uhrensprung?

Die Zeitumstellung macht einfach keinen Sinn. Mittlerweile weiß jeder, dass das ursprüngliche Ziel, Energie einzusparen, dadurch nicht erreicht wird. Wir betreiben einen Riesenaufwand für etwas, das keine Vorteile bringt.

Weiterlesen: Wer stellt all die Uhren um? - Das Ende der Sommerzeit

Andererseits wäre es inzwischen natürlich auch sehr aufwendig, die Zeitumstellung wieder rückgängig zu machen…

Dieses Argument ist ein typisches Beispiel dafür, dass in der Politik manchmal etwas beschlossen wird, das man auch dann noch beibehält, wenn sich längst gezeigt hat, dass die Maßnahme unsinnig ist. Das finde ich offen gesagt idiotisch. Hinzu kommt, dass die Zeitumstellung bei vielen Menschen erwiesenermaßen gesundheitliche Probleme auslöst. Außerdem bin ich der Ansicht, dass nicht ich begründen muss, warum ich für die Abschaffung der Zeitumstellung bin, sondern diejenigen, die für ihre Beibehaltung sind, vernünftige Argumente liefern müssen.

Lesen Sie hier: Merksätze für die Umstellung auf die Winterzeit

In diesem Jahr haben verschiedene Ausschüsse des EU-Parlaments in einer Anhörung Wissenschaftler zu dem Thema befragt. Gibt es irgendwelche Ergebnisse?

Am eindrucksvollsten fand ich die Stellungnahme der Schlafforscher, die darauf hingewiesen haben, dass die gesundheitlichen Schädigungen und Beschwernisse durch die Zeitumstellung ernst zu nehmen seien. Dafür gebe es wissenschaftliche Belege. Für die Problematik „Autounfälle und Verkehrsprobleme“ liegen keine gesicherten Daten vor. Aber unumstritten ist wohl, dass in der Folge der Zeitumstellung die Zahl der Wildunfälle steigt. Derzeit werden im Bundestag weitere wissenschaftliche Berichte zum Thema bearbeitet, auch das muss man mal abwarten.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich möchte zunächst klarstellen, dass das Problem der Zeitumstellung sicher nicht das wichtigste Thema ist, mit dem sich die Politik derzeit befassen muss. Tatsache ist aber auch, dass immer mehr Leute sich dagegen äußern. Es gibt bereits Petitionen an das EU-Parlament und den Bundestag. Allein an den Bundestag haben 50000 Bürger geschrieben und sich für die Abschaffung der Zeitumstellung eingesetzt. Auch die Politiker, die das Anliegen der Gegner bisher nicht so ernst genommen haben, begreifen langsam, dass sie sich wohl damit befassen müssen. Wir sind im Moment also noch immer in der Phase, Druck zu erzeugen, damit die Politik Entscheidungen trifft. Im Übrigen kann die Zeitumstellung ja auch nur abgeschafft werden, wenn das alle EU-Staaten gemeinsam machen.

Weiterlesen: Winterzeit: Wann werden 2015 die Uhren umgestellt?

Und wie sieht es in Brüssel aus?

Noch schiebt jeder die Verantwortung auf den anderen. Die Kommission sagt, die Mitgliedstaaten seien zuständig. Das stimmt formal auch. Und die Mitgliedsstaaten sagen, das sei eine europäische Angelegenheit. Auch das ist irgendwie richtig. Am Ende macht es aber nur Sinn, wenn alle zusammenarbeiten. Aber irgendjemand muss ja mal anfangen. Im Europaparlament wird deshalb darüber nachgedacht, wie man die EU-Kommission dazu bewegen kann, initiativ zu werden.

Glauben Sie denn wirklich noch an einen Erfolg Ihrer Initiative ?

Das kann man natürlich nie so ganz genau wissen. Aber ich kenne viele Themen, bei denen es sehr lange gedauert hat, bis die Politik reagiert hat. Es würde mich deshalb nicht wundern, wenn das auch bei diesem Thema eines Tages so wäre. Außerhalb Europas gibt es ja bereits Staaten, wie zum Beispiel Russland, die für sich die Entscheidung schon getroffen haben.

Was soll denn Ihrer Ansicht bleiben? Die Sommer- oder die Winterzeit?

Ich bin für die Beibehaltung der Normalzeit, bei der die Zeitumstellung komplett entfällt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN