Legespiel „Isle of Skye“ von Lookout Mit Whisky und Schafen die Königswürde erlangen

Von Karsten Grosser


Osnabrück. Beim empfehlenswerten Legespiel „Isle of Skye“ (Lookout Spiele) konkurrieren die Spieler als Häuptlinge darum, das mächtigste Clangebiet auf der schottischen Insel Skye zu besitzen. Wer hat so viel Geld in der Schatulle, um den Gegnern die besten Stücke Land abzukaufen? Nur nicht geizig sein!

So geht’s: Rau ist das Klima an der schottischen Westküste. Doch wer König der Insel Skye werden möchte, lässt sich nicht schrecken. Ausgehend von der eigenen Burg erweitern die Häuptlinge jeweils ihr eigenes Clangebiet, indem sie neue Plättchen anlegen und damit eine Landschaft aus Wiesen, Gebirgen und Wasser erschaffen. Eine Aufgabe, die noch recht gewöhnlich klingt. Spannend ist jedoch der Marktmechanismus, um an die Plättchen heranzukommen.

Zu Beginn einer Runde zieht jeder Spieler drei Landschaftsplättchen und legt sie offen vor seinen Sichtschirm. Dahinter – verdeckt vom Sichtschirm – muss er nun zwei Plättchen einen Geldbetrag zuordnen, der den Preis vorgibt. Wer in der Kaufphase eines dieser Plättchen haben möchte, muss den entsprechenden Preis aus der Barkasse löhnen. Dem jeweils dritten Plättchen wird eine Axt zugewiesen – damit muss es wieder in den Sack zu den noch übrigen Plättchen zurück.

Spiel des Jahres 2015: Zur Spielkritik von „Colt Express“

Reihum darf nun jeder Spieler genau ein Plättchen bei der Konkurrenz kaufen. Hinzukommen die Plättchen, die noch in der eigenen Auslage liegen geblieben sind. Das Geld wandert in diesen Fällen in den allgemeinen Vorrat. Pro Runde stehen einem Spieler damit null bis drei Plättchen in der Bauphase zur Verfügung.

Worauf beim Legen der Plättchen geachtet werden sollte, ist in jeder Partei anders. Denn die Kriterien für die Punktvergabe sind variabel und beziehen sich oft auf Details, die auf den Plättchen zu sehen sind. Etwa Rinder, Leuchttürme oder Bauernhöfe. Mal zählt die Zahl der Schafe im eigenen Clangebiet, mal die Zahl der abgeschlossenen Wiesen, Gebirge oder Wasserflächen, mal die Form der Landschaft. Und manchmal auch einfach nur die Höhe des aktuell vorhandenen Bargelds. Von 16 möglichen Wertungen sind immer nur vier von Bedeutung. Und von diesen wiederum wird nach Ende einer Runde nur ein Teil betrachtet. Anfangs wird nur ein Kriterium gewertet, dann zwei, am Ende drei. Insgesamt wird jedes Kriterium jeweils dreimal abgerechnet. Als Belohnung gibt es jeweils Siegpunkte.

Whisky-Fässer erhöhen das Einkommen

Damit niemand blank in eine neue Runde gehen muss, gibt es ein regelmäßiges Einkommen. Das ist umso höher, je mehr Whisky-Fässer auf dem mit der eigenen Burg verbundenem Weg sichtbar sind. Außerdem gibt es in den späteren Runden quasi Almosen für zurückliegende Spieler, sodass für diese ein Aufholen noch möglich ist. Ungerecht? Vielleicht. Aber diese Regel hält die Spannung aufrecht und ermöglicht auch ein Taktieren. Wer letztlich am besten mit dem Geld wirtschaftet und so sein Clangebiet den jeweils aktuellen Anforderungen anpasst, darf sich am Ende King of Skye nennen.

Spielerlebnis: Manche Plättchen sind begehrter als andere. Einfach deshalb, weil auf ihnen zum Beispiel Schafe zu sehen sind. Und Schafe eben noch dreimal gewertet werden. Was soll ich da mit Rindern anfangen? Aber auch die Konkurrenz ist scharf auf dieses Plättchen. Welche Summe gebe ich also für den Preis vor? Brauche ich es wirklich unbedingt und lege einen Preis fest, der über die Schmerzgrenze der Mitspieler liegt? Oder locke ich einem Gegner das Geld aus der Tasche, um damit selbst wieder so flüssig zu sein, um beim rechten Nachbarn mein absolutes Wunschplättchen zu ergattern? Wenn es gleich noch daliegt und nicht der Axt zum Opfer gefallen ist…

Das richtige Gefühl für das Geldmanagement

Überlegungen wie diese ziehen sich durch die komplette Partie. Hinzu kommt die Frage, auf welche Wertungen konzentriere ich mich? Auf alle? Ignoriere ich die ersten kleineren Wertungen, um dann später richtig abzusahnen? Oder sind die Mitspieler dann schon zu weit entfernt auf der Punkteleiste? Wie im richtigen Leben wird nicht unbedingt sofort ersichtlich, ob sich eine Investition lohnt. Das richtige Geldmanagement muss man einfach im Gefühl haben. Wer sich verzockt, steht im entscheidenden Moment ohne die nötige Kohle da. Einschränkungen gibt es nur im Spiel zu zweit, weil dann nämlich der Marktmechanismus nicht zu voller Entfaltung kommt.

Lobenswert in dem gehobenen Familienspiel „Isle of Skye“ ist die Integration von Sonderwertungen, die durch bestimmte Landschaftsplättchen am Spielende ausgelöst werden und plötzlich anfangs unwichtig erscheinende Tierarten, Gebäude oder Schiffe auf den Plättchen zu siegbringenden Details werden lassen. Insgesamt überzeugt das Legespiel durch einen intuitiv verständlichen Spielablauf, bei dem die Teilnehmer viele Aktionen gleichzeitig ausführen, sodass kaum Wartezeiten auflaufen. Nach „Broom Service“ (alea/Ravensburger) erneut ein starkes Werk des österreichischen Autorenduos Alexander Pfister und Andreas Pelikan!

Würfelwert: 5 (stark)

Isle of Skye (Lookout Spiele) von Alexander Pfister und Andreas Pelikan ist für 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahren. Dauer: etwa 60 Minuten. Preis: ca. 30 Euro. Hier geht es zur Spielregel.

Weitere Spielekritiken finden Sie auf der Spielekenner-Themenseite.


Legende der Würfelnoten:

1 = schwach

2 = mittelmäßig

3 = ordentlich

4 = gut

5 = stark

6 = genial