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iPhone 6S kaufen? Test: iPhone 6S gegen iPhone 6 im Duell

Von Mark Otten


Osnabrück. iPhone 6S gegen iPhone 6 im Test – dieses Duell hat einen klaren Punktsieger. Gut für Apple-Interessenten: Die B-Note sorgt am Ende trotzdem für Spannung.

Optik und Haptik – Sieger: iPhone 6S

Ja, iPhone 6 und iPhone 6S sind äußerlich quasi identisch. Bis auf ein „S“ auf der Rückseite oder der neuen Farbe Roségold sind die Smartphones nicht zu unterscheiden. Wer beide iPhones in die Hand nimmt, merkt jedoch feine Unterschiede. Zum einen ist das iPhone 6S etwas schwerer als der Vorgänger – und das fühlt sich gut an, irgendwie wertiger. Für das Extragewicht ist vor allem die neue Bildschirmtechnolgie verantwortlich, die nun auch Druck erkennt. Außerdem besteht das iPhone 6S aus Apples 7000er Aluminium, das auch schon bei der Apple Watch  verbaut wird. Dadurch ist das Gehäuse robuster gegen Schäden durch Verbiegen und weniger rutschig. Leider ragt die Kameralinse auch beim iPhone 6S noch aus dem Gehäuse. Das wird Apple frühestens beim iPhone 7 ändern. Trotzdem: Der erste Punkt geht an den Neuling, 1:0 für das iPhone 6S.

Die Innereien – Sieger: iPhone 6S

Apples neues Betriebssystem iOS 9 läuft auf dem iPhone 6S spürbar flüssiger als auf dem iPhone 6. Kein Wunder, immerhin arbeiten im neuen Flaggschiff der neue A9-Prozessor und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher. Im 6er ist nur ein Gigabyte (GB) verbaut. Das macht sich zum Beispiel beim Nachladen von Fenstern im Internetbrowser oder beim App-Wechsel bemerkbar. Neu- und App-Starts erledigt das iPhone 6S allerdings nur minimal schneller als der Vorgänger.  (Weiterlesen: Das iPhone 6 im Test)

Die zweite Generation von Apples Fingerabdrucksensor „Touch ID“ geht seiner Arbeit deutlich zügiger und auch zuverlässiger nach, als die erste Version im iPhone 5S und iPhone 6. Vor allem die höhere Geschwindigkeit stört mitunter: Beinahe jeder Druck auf den Homebutton entsperrt das iPhone, auch wenn man nur kurz die Uhrzeit sehen wollte. Hier wäre ein Tick mehr Verzögerung wünschenswert. Dass das iPhone 6S nun bis zu 300 statt 150 Mbit/s LTE unterstützt, ist eher ein Wert für die Statistik. Der Unterschied der tatsächlichen erreichten Geschwindigkeiten ist vergleichbar mit einem Rennen zwischen Ferrari gegen Porsche. Mit beiden kommt man bei freier Bahn schnell ans Ziel. In Summe trotzdem das 2:0 das iPhone 6S.

Die Kamera – Sieger: iPhone 6S

Keine Frage, die Kamera im iPhone 6 ist wirklich gut – aber die des iPhone 6S ist noch besser. Statt acht gibt es nun zwölf Megapixel. Das allein heißt natürlich noch nichts, aber die Bilder überzeugen durch Schärfe, Kontrast und noch mehr Details. Gute Nachricht für alle Selfie-Fans: Selbiges gilt auch für die Frontkamera, die Apple deutlich von 1,2 auf fünf Megapixel aufgewertet hat. Das iPhone 6S nimmt Videos in 4K-Auflösung auf. Allerdings müssen Nutzer das hochauflösende Format erst unter Einstellungen > Fotos & Kamera einschalten. Doch Vorsicht: 4K-Videos brauchen viel Speicherplatz (375 Megabyte pro Minute). Vor allem Besitzer von Geräten mit nur 16 GB verbautem Speicher werden da schnell an die Grenzen stoßen. Dann heißt es entweder löschen oder weiteren Cloud-Speicher kaufen. Es bleibt dabei: Das iPhone 6 macht gute Fotos und Videos aber das iPhone 6S kann beides besser – 3:0 für das iPhone 6S.

Software-Funktionen – Sieger: iPhone 6S

Das Aushängeschild des iPhone 6S ist der druckempfindliche Bildschirm. Nur das iPhone 6S kann, gemeinsam mit iOS 9, das sogenannte „3D Touch“, eine Art Rechtsklick für das iPhone. Dabei reagiert das iPhone 6S auf unterschiedlichen Druck bei der Eingabe. Im Grunde geht es um Abkürzungen: Im Mail-Posteingang öffnet festeres Drücken und Halten eine Mail als Vorschau, noch festeres Drücken öffnet die Mail bildschirmfüllend. In einer E-Mail zeigt festes Drücken und Halten auf einem Link die Vorschau der Webseite an, auf dem Startbildschirm öffnet die Aktion auf das Kamerasymbol ein Menü mit häufig verwendeten Funktionen, darunter zum Beispiel „Selfie aufnehmen“.

Wer „3D Touch“ nicht kennt, muss es nicht herbeisehnen. Doch wer sich an „3D Touch“ gewöhnt hat, wird wahrscheinlich kaum darauf verzichten wollen. Die Funktion spart oft ein paar Sekunden sowie einige Wischer und Tipps mit dem Finger. Noch unterstützen nur Apples Apps „3D Touch“, und auch davon nicht alle (wie der Appstore, iTunes oder Wetter). „3D Touch“ ist eine bequeme neue Eingabemethode, die noch hilfreicher wird, wenn andere Entwickler ihre Apps dafür anpassen.

Die von Apple stark angepriesenen „Live Photos“ sind eine nette Spielerei, mehr nicht. Bei dieser Art Foto nimmt das iPhone 6S 1,5 Sekunden vor und nach dem eigentlichen Bild auf. Unterm Strich handelt es sich bei „Live Photos“ um kurze, etwas ruckelige Videos. Beim Betrachten des Fotos sorgt festes Drücken und Halten dafür, dass das erst statische Foto lebendig wird, fast wie bei Harry Potter. Gut und nötig: Apple arbeitet bereits an einem Software-Update mit dem das iPhone 6S merkt, wenn der Nutzer das Gerät senkt, damit die Aufnahme stoppt. Entgegen den Erwartungen vor dem Test: „3D Touch“ sorgt für das 4:0 für das iPhone 6S.

iPhone Akku – Unentschieden

Die Akkuleistung des iPhone 6S ist identisch mit dem des iPhone 6 – obwohl die neue Bildschirmtechnologie mehr Platz im Gehäuse einnimmt. Das ist auf der einen Seite gut, auf der anderen Seite sind längere Akkulaufzeiten immer willkommen. Die gerne geäußerte Kritik, dass Apple nur auf dünne Geräte statt auf starke Akkus setzen würde, ist übrigens unberechtigt: Der Akku des iPhone 6 hält im Betrieb spürbar länger als der des iPhone 5S – obwohl das 6er dünner ist und einen deutlich größeren Bildschirm hat. Beim Akku-Unentschieden holt das iPhone 6 den ersten Punkt - es steht 5:1 für das iPhone 6S.

Zubehör – Unentschieden

Bis Apple dem iPhone ein paar Beats-Kopfhörer dazulegt, müssen sich Käufer noch gedulden. In der Verpackung liegen Kopfhörer mit Mikrofon, Netzteil, Ladekabel, das berühmte „Sim-Karten-Entfernungs-Tool“ und ein kleines Heftchen – das gibt es genauso beim iPhone 6. Unentschieden. 6:2 für das iPhone 6S.

Preis – Sieger: iPhone 6

Das iPhone 6S ist teurer als das iPhone 6 beim Start vor einem Jahr. Das iPhone 6S mit den kaum zu empfehlenden 16 GB Speicher kostet 739 Euro. Für diesen Preis gibt es auch das immer noch sehr gute iPhone 6 mit 64 Gigabyte. Die kosten beim iPhone 6S 849 Euro, für 959 Euro sind 128 Gigabyte verbaut. Trotz der neuen Funktionen des iPhone 6S geht der Preispunkt an das iPhone 6. Endstand: 6:3 für das iPhone 6S.

Fazit: Abwägen ist angesagt

Das iPhone 6S ist ein erstklassiges Smartphone - das ist keine echte Überraschung. Die Neuerungen fallen – wie so oft bei einem S-iPhone – moderat aus, sorgen aber für mehr Bedienkomfort. Dank mehr Arbeitsspeicher und schnellerem Prozessor läuft der Alltagsbetrieb flüssiger, die Kamera ist nochmals verbessert und „3D Touch“ ist überraschend gut. Im Duell mit dem Vorgänger gibt es ein klares 6:3 – doch nun kommt die B-Note: Wer ein iPhone 6 hat, kann das iPhone 6S ruhigen Gewissens überspringen. Schließlich ist das iPhone 6 ist auch nach einem Jahr noch schnell und macht weiterhin sehr gute Fotos und Videos. Die neuen „Live Photos“ sind belanglos und wer „3D Touch“ nicht kennt, vermisst es nicht. Benutzer älterer iPhones oder Umsteiger müssen abwägen, ob ihnen die neuen Funktionen den Aufpreis zum iPhone 6 wert sind.  (Weiterlesen: iOS 9 - das Gute und das Nervige)