Fragen zum Studium Arbeiterkind.de hilft erstem Studenten der Familie

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Viele junge Menschen, die als erste aus ihrer Familie studieren, haben Schwierigkeiten, zurechtzukommen. Die Initiative Arbeiterkind.de will ihnen helfen. Foto: dpaViele junge Menschen, die als erste aus ihrer Familie studieren, haben Schwierigkeiten, zurechtzukommen. Die Initiative Arbeiterkind.de will ihnen helfen. Foto: dpa

Osnabrück. Was kommt im Studium auf mich zu und ich finanziere ich es? Das sind nur zwei von vielen Fragen, die sich vor allem Studienanfänger stellen, die die ersten in ihrer Familie sind, die studieren. Die Initiative Arbeiterkind.de will ihnen helfen.

„Jeder Mensch braucht jemanden, der an einen glaubt“, findet Anika Werner. Für junge Menschen, die als erste aus ihrer Familie studieren, könnte das ein Vertreter der Initiative „Arbeiterkind.de“ übernehmen. Sie ist Regionalkoordinatorin des gemeinnützigen Projektes in Niedersachsen. Gegründet wurde Arbeiterkind.de 2008 in Gießen von der damaligen Doktorandin Katja Urbatsch, ihrem Bruder Marc Urbatsch und ihrem Partner Wolf Dermann sowie zwei Kolleginnen aus ihrem Gießener Graduiertenzentrums. Mittlerweile arbeiten etwa 20 hauptamtliche Mitarbeiter, darunter Anika Werner, sowie insgesamt fast 7000 Ehrenamtliche für Arbeiterkind.de. „Unser wichtigstes Ziel ist, Schülerinnen und Schülern klar zu machen, dass sie studieren können, wenn sie es wollen“, erklärt Werner. „Nur weil meine Eltern vielleicht nicht helfen können, heißt es nicht, dass es mir nicht gelingen kann, ein Studium abzuschließen.“

Möglichkeiten aufzeigen

Immer noch würden 77 von 100 Akademikerkinder studieren, aber nur 23 von 100 Nicht-Akademikerkindern. Deswegen liege auch ein Schwerpunkt der Initiative darin, in Schulen über die verschiedenen Möglichkeiten ein Studium aufzunehmen zu informieren. Wichtig sei es der Initiative außerdem, junge Menschen in ländlichen Regionen zu erreichen. Die würden sich nämlich vergleichsweise selten für ein Studium entscheiden, auch wenn sie Abitur hätten. Laut Werner liegt das auch daran, dass sich Jugendliche ihre Vorbilder häufig im näheren Umfeld suchen würden. Wenn dort niemand studiert habe, sei es wahrscheinlicher, dass die jungen Leute eine Ausbildung machen, weil sie oft gar nicht auf die Idee kommen, zu studieren. „Wir wollen damit nicht sagen, dass eine Ausbildung schlecht ist, sondern nur darauf aufmerksam machen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt“, betont die Regionalkoordinatorin. Anika Werner selbst ist auch die Erste in ihrer Familie, die sich entschlossen hat, zu studieren: „Das ist aber keine Voraussetzung dafür, Hilfe von uns zu bekommen. Mit der Umstellung auf das Bachelor- und Master-System können auch viele Eltern nicht weiterhelfen, obwohl sie selbst studiert haben“, erklärt sie.

Finanzierung

Mittlerweile gibt es in fast jeder Stadt mit einer Universität oder Hochschule eine lokale Arbeiterkind-Gruppe . In Osnabrück gibt es mit dem Projekt „HoPe“ zudem ein Beratungsangebot , das sich speziell an Arbeiterkinder mit Migrationshintergrund richtet. Sie kooperieren mit der lokalen Arbeiterkind-Gruppe in Osnabrück. Gefragt ist laut Werner vor allem Beratung zur Finanzierung eines Studiums sowie zum Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten, aber auch zur Organisation des Studiums selbst, zum Beispiel beim Erstellen des Stundenplans. Die Mentoren der lokalen Arbeiterkind-Gruppen helfen aber auch beim Ausfüllen des Bafög-Antrags oder verweisen an die Studienberatung, wenn sie selbst nicht weiter wissen. „Es ist nicht schlimm, wenn ein Mentor nicht jede Frage beantworten kann“, so Anika Werner. Sie weist zudem daraufhin, dass ehrenamtliche Helfer bei der Initiative immer gesucht werden: „Freiwillige müssen dafür aber nicht unbedingt selbst Arbeiterkind sein. Es reicht, wenn sie helfen wollen.“ Finanziert wird die Initiative Arbeiterkind.de vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, den Wissenschaftsministerien in Niedersachsen, Hessen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sowie verschiedenen Stiftungen. Außerdem kann jeder für die Initiative spenden. ( Weiterlesen: Wie finanziere ich mein Studium?)


Lokale Gruppen der Initiative Arbeiterkind.de gibt es an fast jedem Hochschulstandort. Zum Beispiel in:

Osnabrück: Treffen am 1. Oktober um 19.30 Uhr im Haus der Jugend, Große Gildewart 6 (Raum 13)

Bremen: Treffen am 19. Oktober zwischen 18 und 19.30 Uhr, Mediencoop Bremen e. V. (3. Etage im Kulturzentrum Lagerhaus), Schildstraße 12-19

Münster: Treffen jeden zweiten Mittwoch, 18.30 bis 20 Uhr, AStA der Uni Münster (Raum der Sozialberatung, Nr. 109), Schlossplatz 1 - linkes Torhäuschen vor dem Schloss

Emden: Treffen am 30. September um 17.30 Uhr im Grand Café, Am Stadtgarten 7-11

Weitere Treffpunkte in anderen Städte sowie mehr Infos unter www.arbeiterkind.de und www.hope.uni-osnabrueck.de

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