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Appsichern: Spontane Versicherung Verbraucherzentrale kritisiert Kurzzeitversicherungen

Zu Ausflügen oder Aktivitäten, beispielsweise Busreisen, werden 14 verschiedene Last-Minute-Versicherungen vorgeschlagen. Foto: dpaZu Ausflügen oder Aktivitäten, beispielsweise Busreisen, werden 14 verschiedene Last-Minute-Versicherungen vorgeschlagen. Foto: dpa

Osnabrück. Für Kurzentschlossene bietet das Portal Appsichern einen spontanen Versicherungsschutz, dessen Laufzeit Kunden selbst bestimmen können. Doch das Angebot hat seinen Preis.

Gefahren lauern an jeder Ecke und in jeder Situation. Ob im Urlaub, während eines Ausflugs oder im Auto – der Mensch will auf der sicheren Seite sein. Dafür schließt er Versicherungen ab. Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen gehören dazu. Zudem lassen sich Hausrat, Zähne und Auto versichern. Der Markt ist groß, die Angebote vielfältig und vor allem langfristig. Doch auch für Kurzentschlossene gibt es Last-Minute-Versicherungen.

Spontan-Versicherung über Appsichern

Seit Ende 2012 bietet ein Start-up aus Düsseldorf Kurzzeitversicherungen an. Auf der Plattform Appsichern können Reisende über die SituatiVe GmbH spontan eine Versicherung abschließen und deren Laufzeit selbst wählen. Hinter den Angeboten stehen unterschiedliche Versicherer, unter anderem die Bayrische, die Würzburger Versicherung oder der britische Versicherer Kiln. Zu Ausflügen oder Aktivitäten werden 14 verschiedene Last-Minute-Versicherungen vorgeschlagen, die SituatiVe dann weiterleitet. So können Eltern beispielsweise einen KitAusflugsSchutz, Sportler einen GolferSchutz oder Fußballfans einen StadionSchutz über ihr Smartphone buchen. Doch das Angebot hat seinen Preis.

Angebot spielt mit Ängsten

So kostet beispielsweise der Schutz für den Ausflug mit der Kindergartengruppe 1,49 Euro pro Tag. Der Stadionschutz ist zehn Cent teurer, während ein Tag versichertes Golfspielen 2,49 Euro kostet. Auf den ersten Blick erscheint das Angebot günstig. Lennart Wulff, Gründer und Geschäftsführer von SituatiVe, bezeichnet sein Konzept als einen mobilen und zeitlich flexiblen Versicherungsschutz. Die Kunden von Appsichern würden allein und autark entscheiden, welchen Versicherungsschutz sie aktuell brauchen. Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg nennt dies jedoch „ein Angebot, das mit den Ängsten der Menschen spielt.“

Produkte vergleichen

Das Start-up treffe mit seinen Kurzzeitversicherungen den Nerv der Zeit, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Aber in der Regel sind diese zu kurzsichtig und zu teuer“, erklärt die Expertin. Hierzu müssten Interessierte nur den GolferSchutz mit einer regulären Haftpflichtversicherung vergleichen. Letztere liegt zwischen fünf und sechs Euro im Monat, während der 24-stündige Schutz von Appsichern bereits die Hälfte des Monatspreises koste.

60 Prozent der Kunden kommen zurück

Für seine Zielgruppe rechne sich das Modell, setzt Lennart Wulff dagegen. „Wir fahren einen komplett anderen Ansatz. Unsere Kostenstruktur ist variabler. Der Kunde nutzt den Versicherungsschutz nur, wenn er ihn wirklich braucht.“ Aktuell würden die Abschlüsse der Kurzzeitversicherungen von Appsichern knapp unter dem fünfstelligen Bereich liegen. „Zudem kommen 60 Prozent unserer Nutzer wieder. Sie haben kein Problem mit dem Angebot“, sagt der Gründer. Das bestlaufendste Produkt sei der DrittfahrerSchutz, der StadionSchutz werde seltener gebucht.

Verbraucherschützer raten zur Langfristigkeit

Auch wenn Appsichern den spontanen Schutz bietet, rät Versicherungsexpertin Becker-Eiselen zu Langzeitangebote. Damit seien Reisende nicht nur langfristiger, sondern meist umfassender geschützt. Am Ende liegt die Entscheidung jedoch beim Nutzer, der am besten weiß, wie er sich am sichersten fühlt.


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