Gesundheitsschäden der Überlebenden Ebolaimpfstoff wurde bereits vor zehn Jahren entdeckt

Von Anne Gonschorek

Endlich haben Wissenschaftler einen Impfstoff für Ebola gefunden, der schon nach zehn Tagen eine erstaunliche Schutzwirkung aufzeigt. Foto: dpaEndlich haben Wissenschaftler einen Impfstoff für Ebola gefunden, der schon nach zehn Tagen eine erstaunliche Schutzwirkung aufzeigt. Foto: dpa

Kapstadt. Endlich haben Wissenschaftler einen Impfstoff für Ebola gefunden, der schon nach zehn Tagen eine erstaunliche Schutzwirkung aufzeigt. Bekannt ist der Impfstoff bereits seit zehn Jahren. Die Entwicklung von wirksamen Mitteln ist kompliziert.

Der Durchbruch ist dringend erwartet worden. „Wir glauben, dass die Welt kurz vor einem wirksamen Ebolaimpfstoff steht“, kündigte die Impfstoffexpertin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Marie Paule Kieny, in einer Pressekonferenz in Genf an. Eben dieser neu gefundene Impfstoff könnte nun dafür genutzt werden, den schlimmsten Ebolaausbruch in der Menschheitsgeschichte zu beenden.

Schon vor zehn Jahren entdeckt

Die Krise in Westafrika hat in den vergangenen 20 Monaten mehr als 11000 Menschen das Leben gekostet. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan bestätigte, dass die online im medizinischen Journal The Lancet veröffentlichten Studienergebnisse „die Handhabung des derzeitigen Ebolaausbruches und zukünftiger Ausbrüche“ verändern würde.

Trotz der hoffnungsvollen Stimmung weisen allerdings Experten auf den Wermutstropfen inmitten dieser guten Neuigkeiten hin: Wissenschaftler hatten den Impfstoff bereits vor zehn Jahren erfolgreich an Affen getestet, doch er geriet in Vergessenheit. Das heißt, dass es bereits vor zwei bis drei Jahren ein wirksames Mittel gegen den Ebolavirus hätte geben können oder sogar müssen. Allerdings wurden experimentelle Ebolaimpfstoffe erst wieder in Testreihen aufgenommen, nachdem die Krise in den westafrikanischen Ländern außer Kontrolle geriet. Als endlich positive Ergebnisse vorgewiesen wurden, flaute der Ausbruch schon wieder ab. (Weiterlesen: Ärzte: Weltgemeinschaft hat bei Ebola-Epidemie versagt)

Entwicklung ist langwierig

Dabei liegt das Problem im System der modernen Medizin selbst. Um einen Impfstoff herzustellen, testen Wissenschaftler zunächst experimentelle Wirkstoffe an Zellen und Tieren. Diese Versuche allein kosten um die 25 Millionen Dollar (22,7 Millionen Euro). Um die Dosierung und Nebenwirkungen bestimmen zu können, müssen zusätzlich Hunderte von Millionen aufgebracht werden. Erst dann schreiten große Pharmakonzerne ein, um den Impfstoff weiter zu entwickeln und das auch nur, wenn er finanzielle Erträge verspricht.

Bleibende Gesundheitsschäden der Überlebenden

Allerdings hat Westafrika jetzt noch ein ganz anderes Problem: Mehr als 13000 Menschen überlebten den Virus und leiden unter bleibenden Gesundheitsschäden, darunter Gelenkschmerzen, psychologischen Problemen wie Depressionen und posttraumatischem Stresssyndrom. „Die Welt hat noch nie eine so hohe Anzahl an Überlebenden nach einem Ebolaausbruch gehabt“, sagt Anders Nordstrom, ein WHO-Sprecher in Sierra Leone. (Weiterlesen: Erstes Land hat Kampf gegen die Seuche gewonnen)

Verlust des Sehvermögens

„Ich wurde letzten Oktober von Ebola geheilt, aber leide seitdem unter extremen Gelenkschmerzen“, erzählt etwa der 45-jährige Kebeh Jomah aus Monrovia dem humanitären Netzwerk IRIN. „Manchmal ist es so schlimm, dass ich nicht einmal laufen kann. Meine Freunde besuche ich kaum noch. Ich sitze den ganzen Tag zu Hause und weine.“ Etwa ein Viertel aller Erkrankten leiden zudem unter einem Verlust ihres Sehvermögens oder sogar kompletter Blindheit, weil der Virus das Augeninnere befallen und dort auch nach der Erholung von der Krankheit monatelang weiter ausharren kann. Der 18-jährige Chris Tuan in Liberia erzählt: „Ich kann kaum noch Dinge erkennen, die weiter weg sind und verliere mein Sehvermögen immer mehr.“

Streit über Blutproben

In der Zwischenzeit gilt es, das Schicksal der gesammelten Blutproben der Ebolapatienten zu bestimmen. Experten schätzen, dass über die Vereinigten Staaten, Europa und Kanada verteilt, Zehntausende von gefrorenen Proben in Laboratorien lagern. Während viele Wissenschaftler die Blutproben gern für Studien der Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten behalten würden, erkennen internationale Gruppen an, dass sie zu den Patienten und ihren Ländern gehören. Schlussendlich obliegt es also deren Regierungen, was denn nun mit den gesammelten Proben geschehen soll –ein langwieriger Prozess.