Wegen Walfang TUI will Kreuzfahrt -Stopps auf den Färöer -Inseln überprüfen

Von Waltraud Messmann

Aktivisten der Tierschutzorganisation Sea Shepherd protestieren vor der dänischen Botschaft in London gegen das Töten von Walen auf den Faröer Inseln. Foto: Imago/MatrixAktivisten der Tierschutzorganisation Sea Shepherd protestieren vor der dänischen Botschaft in London gegen das Töten von Walen auf den Faröer Inseln. Foto: Imago/Matrix

Osnabrück. Die Kreuzfahrtreederei TUI Cruises wehrt sich gegen einen Boykottaufruf des Deutschen Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF). Die Tierschützer hatten dazu aufgerufen, TUI Cruises zu boykottieren, weil Schiffe des Unternehmens trotz des dort stattfindenden Walfangs weiterhin die Färöer-Inseln anliefen. Die Darstellung des WDSF entspreche nicht ganz den Tatsachen, wies TUI-Cruises Sprecher Torben Knye die die Kritik der Tierschützer im Gespräch mit unserer Redaktion zurück: „Wir haben – ebenso wie Hapag Lloyd Kreuzfahrten – gegenüber dem WDSF erklärt, die geplanten Anläufe auf den Färöer zu überprüfen.“

Die Bewohner der zu Dänemark gehörenden Inselgruppe im Nordatlantik halten trotz internationaler Proteste am Walfang fest. Seit Juni sind Einheimische und auch Besucher durch eine Gesetzesverschärfung sogar verpflichtet, den Behörden zu melden, wenn sie Wale entdecken, damit diese gejagt werden können. Erfolgt keine Meldung, drohen Geldstrafen bis hin zu Haftstrafen von bis zu zwei Jahren. Erst vor wenigen waren fünf Tierschützer und die Tierschutz- Organisation Sea Shepherd Global zu Geldstrafen zwischen 670 und 10.050 Euro Strafe oder 14 Tagen Haft verurteilt worden, weil sie das neue Gesetz angeblich gebrochen hatten.Seit Anfang Juni sind auf den Färöer-Inseln bereits mehr als 400 Grindwale geschlachtet worden. Während der Jagd, die zur Tradition der Inselbevölkerung gehört, werden ganze Wal- und Delfinschulen an Land getrieben und dann getötet. Das Meerwasser färbt sich dann blutrot.

Artenschutz

Nach Intervention des WDSF hatte die Kreuzfahrtreederei AIDA Cruises jüngst angekündigt, bis auf weiteres die Färöer-Inseln nicht mehr anzulaufen. In einem Schreiben der AIDA-Umweltdirektorin Monika Griefahn, das den WDSF am 7. August erreichte, hieß es: „Aus Verantwortung gegenüber unserer Crew und unseren Gästen sowie aus Gründen des Artenschutzes hat sich AIDA Cruises dazu entschieden, die Färöer-Inseln bis auf weiteres nicht mehr anzulaufen.“

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Kritischer Dialog

Griefahn hatte bereits nach den ersten WDSF-Protesten im Jahr 2013 gegenüber dem Färöer-Premierminister Kaj Leo Johannes die „Missbilligung des Walfangs zum Ausdruck“ gebracht. In ihrem Schreiben, an den WSDF stellt sie nun fest: „Trotz der Beteuerungen des Premierministers, sich für den Walschutz einsetzen zu wollen, gibt es in dieser Hinsicht keine Fortschritte – im Gegenteil.“

Auch die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten hat die Inselgruppe wegen der Waljagd weitgehend aus ihren Reiseplänen gestrichen. In einem Schreiben an den WDSF kündigte die Reederei an, sie werde den kritischen Dialog mit den Verantwortlichen vor Ort suchen. Die Zahl der Anläufe auf den Färöer-Inseln sei bereits reduziert worden und derzeit würden mögliche Alternativen für die geplante Routenführung im nächsten Jahr geprüft.

Suche nach Alternativrouten

Auch TUI-Cruises evaluiert nach Angaben ihres Sprechers Knye derzeit für die Kreuzfahrten des Unternehmens ab 2017 grundsätzlich Alternativrouten. „Wie wir mit dem für 2016 geplanten Anlauf umgehen, bedarf aber einer konkreten Überprüfung, da es Auswirkungen auf unseren Fahrplan hat“, sagte er. Zu gegebener Zeit werde das Unternehmen betroffene Gäste über eine mögliche Fahrplanänderung informieren.

In einem Brief hatte sich das Unternehmen nach Angaben des WSDF gegen den von den Tierschützern geforderten Anlandungsstopp auf den Faröer-Inseln ausgesprochen. „Die Problematik auf den Färöer-Inseln ist uns selbstverständlich bekannt und wir verurteilen die Ausübung des Walfangs scharf. Einen Boykott halten wir in diesem Zusammenhang jedoch grundsätzlich nicht für einen konstruktiven Ansatz“, soll es in dem Schreiben geheißen haben. Stattdessen wolle man lieber die „Gäste an Bord über die Situation aufklären, um ein Bewusstsein für die Vorkommnisse in den Regionen zu schaffen“.

„Ein Armutzeugnis“

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller hatte die Stellungnahme als „ein Armutzeugnis“ bezeichnet und zum Boykott des Kreuzfahrtanbieters aufgerufen. Die Entscheidung von AIDA und Hapag Lloyd bezeichnete er dagegen als vorbildlich: „Sie wird weltweit für positive Aufmerksamkeit sorgen“, sagte Ortmüller.

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