Datensicherheit im Netz Falsche Freunde: Wie Betrüger bei Facebook Daten erschleichen

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Mit gefälschten Facebook-Profilen erschleichen sich Betrüger vertrauliche Daten wie Handynummern. Symbolfoto: Jens Wolf/dpaMit gefälschten Facebook-Profilen erschleichen sich Betrüger vertrauliche Daten wie Handynummern. Symbolfoto: Jens Wolf/dpa

Osnabrück. Betrüger, die sich mit gefälschten Facebook-Profilen Daten erschleichen – dieses Problem ist bekannt. Doch was tun, wenn man selbst Opfer einer solchen Attacke wird? Ein Erfahrungsbericht.

Freitagabend, 21 Uhr. „Bist du gehackt worden?“ Ein Freund schickt mir bei Facebook eine Nachricht mit einem Screenshot: Ich habe ihm eine Freundschaftsanfrage geschickt – obwohl wir seit fünf Jahren bei Facebook verbunden sind. Kurz darauf weitere PNs, Anrufe, SMS von Freunden, die diese ominöse Anfrage bekommen haben. Ich bin Opfer von Betrügern geworden.

Warnung an die Freunde

Um meine Freunde zu warnen, poste ich sofort, dass mein Profil kopiert wurde und man diese neuen Freundschaftsanfragen ignorieren und vor allem bei Facebook das gefälschte Profil melden möge – was ich auch selbst tue. Außerdem erstelle ich ein neues Passwort für meinen Facebook Log In und ändere meine Privatsphäreeinstellungen im Netzwerk (Anleitung siehe unten): Meine Freundesliste ist fortan nur noch für mich sichtbar. Und: Ich tausche mein Profil- und Titelbild aus und weise in meiner Timeline darauf hin, dass wirklich ich mich hinter dieser neuen Optik verberge.

Denn das ist das Perfide dieser Betrügermasche: Das gefälschte Profil ist auf den ersten Blick kaum vom Original zu unterscheiden. Nur wer aufmerksam hinschaut, bemerkt die Unterschiede: Ich habe demnach nur vier Freunde (in Wirklichkeit sind es mehr als 300), meine Timeline ist leer, es gibt keine Posts und keine Fotos. Und ich bin angeblich am 26. April 1985 geboren – 30 bin ich aber schon seit 15 Jahren nicht mehr. Einem besonders aufmerksamen Freund fällt zudem auf, dass beim Buchstaben i in meinem Nachnamen der Punkt fehlt – solche Schreibfehler sind typisch für gefälschte Profile.

SMS von PayPal

All das entgeht leider einem meiner Facebook-Freunde. Er akzeptiert nicht nur „meine“ Freundschaftsanfrage, sondern antwortet dummerweise auch auf eine PN. Darin schreibe „ich“ ihm, ich hätte seine Handynummer verloren, er möge sie mir bitte noch einmal schicken. Was er auch tut – und kurz darauf eine SMS vom Internetbezahldienst PayPal bekommt: Um eine Rechnung von 29,99 Euro zu begleichen, erhält er eine TAN-Nummer. Da dämmert auch meinem Freund, dass es sich um einen Betrug handeln muss; er ignoriert die SMS und blockiert den Absender. Gut so: Als nächstes nämlich wäre per SMS die Anfrage gekommen, er möge die TAN weitergeben – der falsche Facebook-Freund hätte damit dann die PayPal-Rechnung beglichen, bezahlt hätte sie indes mein Freund über seine Handyrechnung.

Beinahe täglich Anzeigen

Leider tun viele Menschen, die bei Facebook auf einen solchen Betrug hereinfallen, genau das. Fast täglich werden solche Fälle angezeigt, heißt es bei der Polizei Osnabrück. Anzeige erstatten, das sollte man tatsächlich tun – sowohl als derjenige, dessen Facebook-Profil gefälscht wurde, als auch als Empfänger einer SMS von einem Betrüger, dem man die TAN-Nummer übermittelt hat. Allerdings: „Eine Anzeige bringt das Geld nicht zurück“, sagt Anke Hamker, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Osnabrück. Ob ein Geschädigter das missbräuchlich abgebuchte Geld zurückbekomme, liege im Ermessen des jeweiligen Providers. Helfen kann nur Vorsicht – und die Grundregel, im Netz private Daten nur zögerlich preiszugeben.

Was tun, wenn man bei Facebook Opfer von Betrügern wird? Einige Tipps:

  • Seien Sie misstrauisch, wenn Sie von Menschen, mit denen Sie bei Facebook befreundet sind, eine Freundschaftsanfrage bekommen. Reagieren Sie auf keine persönlichen Nachrichten und geben Sie keine Daten wie Ihre Handynummer heraus. Im Zweifel kontaktieren Sie Ihren Freund auf anderem Weg, per Telefon oder E-Mail kurz an, ob diese neue Freundschaftsanfrage wirklich von ihm kommt.
  • Geben Sie diesem Freund schnell Bescheid, dass sein Profil vermutlich kopiert wurde. Und melden Sie es bei Facebook: auf das Profil gehen -> Klick auf die drei Punkte -> „Melden“ -> Grund auswählen („Das ist ein gefälschtes Konto“ oder „Diese Chronik täuscht vor, ich oder jemand, den ich kenne, zu sein“)
  • Betrüger wählen gerne die Profile, auf denen die Freunde öffentlich sichtbar sind. Verbergen Sie deshalb Ihre Freundesliste: Auf „Freunde“ klicken -> Bleistiftsymbol oben rechts -> Privatsphäre bearbeiten -> Freundesliste -> „Nur ich“. Alternativ könne Sie auch die Einstellung „Nur Freunde“ wählen.
  • Wenn Ihr Konto von Betrügern kopiert wurde, warnen Sie Ihre Facebook-Kontakte vor möglichen neuen Freundschaftsanfragen. Und weisen Sie darauf hin, dass Ihre Freunde nicht Ihre Handynummer herausgeben oder gar eine TAN-Nummer weitergeben sollten.
  • Machen Sie wenn möglich Screenshots von Profilseite, Chat und SMS. Und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. – wenn Ihr Facebook-Profil kopiert wurde ebenso, wie wenn Sie auf eine SMS vermeintlicher Betrüger reagiert haben. Bei der Polizei Osnabrück können Sie Ihre Anzeige auch im Internet aufgeben .
  • Weitere Informationen und Tipps, was man als Opfer der Betrugsmasche tun kann, finden Sie im Ratgeber Internetkriminalität der Polizei .


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