Weltkatzentag am 8. August 2015 Was hat die Katze, was ein Hund nicht hat?

Von Waltraud Messmann

Miau und Wuff! Während die Katze sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und aus dem Fenster schaut, wendet sich der Hund dem Fotografen zu. Foto:colourbox.deMiau und Wuff! Während die Katze sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und aus dem Fenster schaut, wendet sich der Hund dem Fotografen zu. Foto:colourbox.de

Osnabrück. Die Katze ist das führende Haustier der Welt: In den zehn westlichen Ländern, deren Bürger weltweit mit den meisten Katzen leben, gibt es 204 Millionen Garfields, Toms und Minkas und wie sie alle heißen mögen. Die zehn beliebtesten Hunde-Nationen bringen es dagegen nur auf 173 Millionen Exemplare. Anlässlich des Internationalen Weltkatzentages am 8. August drängt sich die Frage auf, was haben Katzen eigentlich, was Hunde nicht haben? Im Interview mit dem ehemaligen Leiter des Zoologischen Museums Hamburg Harald Schliemann suchen wir Antworten auf diese Frage.

Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, die Frage nach Hund oder Katze teile die Menschheit. Was haben Katzen, was Hunde nicht haben und umgekehrt?

Es gibt in der Tat Hundeliebhaber, die kaum etwas für Katzen übrig haben, und natürlich auch umgekehrt. Hunde sind Rudeltiere, schließen sich dem Menschen sehr eng an. Katzen tun das sehr viel weniger. Sie sind insgesamt unabhängiger als Hunde. Kurz gesagt: Der Hund ist ohne den Menschen nicht denkbar. Die Katze schon sehr viel eher.

Worauf sind diese unterschiedlichen Verhaltensweisen zurückzuführen?

Hunde sind Abkömmlinge des Grauwolfes, die eine ausgeprägte Sozialordnung und -bindung untereinander haben. Wölfe jagen in einem gemeinschaftlichen Rudel. Der Mensch wird dann quasi in diese Rudelgemeinschaft einbezogen. Die Katze dagegen ist primär ein einzeln lebendes Tier. Angehörige der Katzenfamilie haben bei der Jagd – bis auf wenige Ausnahmen – keine Kooperation mit Artgenossen.

Mit welchem Tier teilen Sie Ihr Haus?

Im Moment leider mit überhaupt keinem. Als ich jünger war mit Hunden: Irische Terrier, die wir sehr geliebt haben. Dann ist mir und meiner Frau eine Katze zugelaufen, die uns adoptiert hat.

Wie hieß sie denn?

Sie war ein er. Moritz, eine ganz normale Hauskatze, die wir erst gar nicht reinlassen wollten. Aber sie harrte an unserer Terrassentür aus. Dann haben wir uns erbarmt und sie erst draußen gefüttert. Nachdem wir uns dann einmal entschlossen hatten, sie auch drinnen zu füttern, war es natürlich um uns geschehen. Moritz hat dann 17 Jahre bei uns als Familienmitglied gelebt, bevor er leider vor zwei Jahren gestorben ist.

Katzenbesitzer sollen ja angeblich intelligenter als Hundehalter...

Das ist schlicht Blödsinn.

Und wie ist es um die Intelligenz der Tiere bestellt? Stimmt es, dass man einem Hund mehr beibringen kann als einer Katze?

Also die Frage nach der Intelligenz der Tiere ist äußerst schwierig zu beantworten. Man kann die mentale Leistungsfähigkeit von Tieren eigentlich nur mit Blick auf ihr biologisches Umfeld beurteilen. Alle Tiere leben in speziellen Lebensräumen mit engen Anpassungen an ihre jeweilige Umgebung. Das verstellt uns oft den Blick dafür, was oder welche Leistungsfähigkeit die Gehirne dieser Tiere haben. Das gilt auch für Hunde und Katzen. Der Hund kann sich aber sehr gut auf den Menschen einstellen, auf seine Signale achten, auf ihn eingehen und mit ihm kooperieren. Das hat er sogar dem Wolf voraus.

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…und die Katze?

Im Gegensatz dazu sind Katzen ja vergleichsweise wenig auffällig. Sie können sie kaum erziehen. Wenn Sie das möchten, bedarf das großer Überredungskünste. Katzen müssen sie immer wieder ermahnen. Es braucht sehr viel Geduld, bis – wenn überhaupt- kleine Erziehungserfolge zu sehen sind.

Die Tatsache, dass sie sich nicht erziehen lässt, kann ja durchaus ein Zeichen von Intelligenz sein…

Ja, natürlich. Der Begriff der tierischen Intelligenz ist ja sowieso dehnbar, da er aus der Humanbiologie stammt und auf Tiere so nicht anzuwenden ist. Wir versuchen in der Zoologie, einen gewissen Maßstab für die Leistungsfähigkeit von tierischen Gehirnen zu finden, indem wir sie im Verhältnis zur Körpergröße betrachten. Je größer ein Gehirn im Verhältnis zu einer bestimmten Körpergröße ist, desto leistungsfähiger ist es. Das hat im wesentlichen mit der Menge der Verschaltungselemente, der Neuronen und ihrer Verbindungen, zu tun.

Wie schneiden denn Katzen bzw. Hunde bei so einem Vergleich ab?

Vergleiche über Artgrenzen hinweg sind unglaublich schwierig. Aber nehmen wir mal das Problemlösungsverhalten, das man auch mit Tieren experimentell prüfen kann. Da könnte ich mir schon vorstellen, dass die größere Zugewandtheit und Verbindung Mensch/Hund bei Hunden zu besseren Leistungen führt.

Was haben Sie denn Ihrem Kater beibringen können?

Ehrlich gesagt, wir haben bis zum Schluss aufpassen müssen, dass er hinter unserem Rücken nicht etwas tut, was wir nicht wollten. Aber er war wirklich ein sehr liebevoller Kater. Tatsächlich schließen sich Katzen, obwohl sie von Natur aus ja Einzelgänger sind, in einem Hausstand doch ganz erheblich dem Menschen an.

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Hunde haben Herrchen und Katzen haben Personal, soll der Schriftsteller Kurt Tucholsky dazu gesagt haben…

Ja, auch wenn das überspitzt ist, hat Tucholsky wohl recht. Es gibt ja nicht umsonst das Wort, dass ihr Herrchen für eine Katze nur der „Dosenöffner“ ist. Katzen bewahren eine gewisse Unabhängigkeit, aber eben nur eine gewisse. Wir haben es zum Beispiel sehr häufig erlebt, dass uns unser Kater, wenn wir mal einen ganzen Tag nicht zu Hause waren, offenbar vermisst hat. Er saß dann vor dem Eingang und hat auf uns gewartet.

Und Sie sind ganz sicher, dass er dann nicht nur auf seinen „Dosenöffner“ gewartet hat?

Ausschließen kann man das natürlich nicht. Aber da gibt es schon eine gewisse Form des Zusammenlebens, das Suchen nach Körperkontakt, die Schmuserei, das Wohlgefühl, das sie zeigen, wenn man ihr Fell pflegt, und ähnliche Dinge. Oder wenn sie einen freundlich angucken. Wenn dann noch das Schnurren hinzukommt, die Augen verträumt und halb geschlossen – das ist wirklich ein Zeichen von Zuneigung.

Aber Katzen schnurren doch auch, wenn es ihnen nicht gut geht…

Ja, das stimmt. Katzen, die zum Beispiel Schmerzen haben, schnurren tatsächlich. Das dient dann vermutlich der Selbstberuhigung.

Forscher haben festgestellt, dass Katzenvideos Menschen helfen, Stress abzubauen…

Das gilt aber nicht nur für Katzen, das gilt auch für Hunde. Wir wissen schon lange, dass Tierhaltung einer ganzen Reihe von Beschwerden beim Menschen vorbeugt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die ruhigen, ausgeglichenen Bewegungen einer Katze, beruhigend auf Menschen wirken.

Was halten Sie eigentlich davon, wenn Katzen und auch Hunde mit aufs Sofa oder mit ins Bett dürfen?

Wenn Hunde das probieren, kann man ihnen das ja abgewöhnen. Bei Katzen ist das außerordentlich schwierig. Auch unser Kater hat immer am Fußende im Bett bei meiner Frau gelegen, nie bei mir. Immer nur bei ihr. Auch das ist übrigens ein Beispiel dafür, dass auch Katzen durchaus bindungsfähig sind. Auch wenn sie sich das nicht anmerken lassen – vorhanden ist die Bindung doch.

Denken Sie daran, sich ein neues Haustier zuzulegen? Das ist noch völlig offen. Wir sind viel unterwegs, und ich arbeite sehr viel. Im Augenblick haben wir eine gewisse Scheu, diese Unabhängigkeit zugunsten einer Verpflichtung, die wir dann doch sehr stark fühlen würden, aufzugeben. Und es kommt noch etwas hinzu, wir sind keine ganz jungen Menschen mehr. Wenn wir uns also heute eine Katze, die ja leicht 17, 18, 19 oder 20 Jahre alt werden kann, zulegen, dann würde sie uns am Ende wahrscheinlich überleben und wir wüssten gar nicht, was dann aus ihr werden würde. Aber wir vermissen sowohl Hund als auch Katze sehr.

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Unser Interviewpartner Harald Schliemann ist Kurator des renommierten Zoologischen Instituts der Uni Hamburg. Zuvor hatte er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001 das Zoologische Museum der Hansestadt geleitet. Bereits im Jahr 1987 hatte Schliemann die wissenschaftliche Beratung der Redaktion der von Bernhard Grzimek begründeten Zeitschrift „Das Tier“ übernommen. Später wurde er deren Herausgeber. Der Zoologe ist auch Mitherausgeber des Handbuches der Zoologie und der Zeitschrift für Säugetierkunde. wam