Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Urlaub mit Kind: Je mehr Kinder, desto besser

Von Corinna Berghahn

Urlaub mit nur einem Kind mag idyllisch wirken, doch erholsam wird es für die Eltern erst, wenn ein Rudel Kinder sich miteinander beschäftigen kann. Foto: BerghahnUrlaub mit nur einem Kind mag idyllisch wirken, doch erholsam wird es für die Eltern erst, wenn ein Rudel Kinder sich miteinander beschäftigen kann. Foto: Berghahn

Osnabrück. Mit Kind zu verreisen, kann Eltern schnell auf den Boden der Tatsachen holen. Denn nicht alles, was man selbst mag, findet Gefallen beim Kind. Eine Erfahrung, die auch unsere Kolumnistin machen musste ...

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict unsere Kolumnistin gefragt:  Wie war der Urlaub mit Kind in Dänemark? Dies ist die Antwort:

Lieber Daniel!

Mit Erwartungen bezüglich einer Unternehmung mit Kind ist das so eine Sache: Ich habe quasi jeden Urlaub meiner frühesten Kindheit auf einem Campingplatz in Cuxhaven verbracht, liebe seitdem die Nordsee und kann mir kein perfekteres Familienziel vorstellen. Es gibt gute Luft, man ist abends angenehm müde, es ist nichts los, und selbst wenn es regnet, hat die See einen besonderen Charme. Unser Kind, gerade zwei Jahre geworden, würde es also auch lieben. Dachte ich. Und erzählte ihm schon vorher von den vielen Möwen und dem Wind.

Möwen sind keine Löwen

Dann fuhren wir im Spätherbst eine Woche dorthin. Es regnete auf der Hinfahrt, es stürmte bei der Ankunft. Das Kind hatte Angst. Vor dem Wind, vor den Wellen, vor den Geräuschen im sehr leeren Appartementhaus. Und das Kind war enttäuscht: Die MÖWEN, von denen ich erzählt hatte, waren ja nur Vögel. Es hatte gedacht, es wären LÖWEN. Daher Tränen, als wir sie ihm zeigten. Tränen, als es stürmte. Tränen, als wir zum Meer gehen wollten. Tränen, weil das Spaßbad geschlossen war.

Ich war enttäuscht, weil ich von meinen Erwartungen ausgegangen war: Erwachsene haben andere Vorstellungen von einem perfekten Familienurlaub (Ruhe, Lesen, etwas Angucken, viel Kuscheln, gut Essen) als ein kleines Kind. Das will spielen, möglichst mit anderen Kindern, ihm reichen Pommes oder Nudeln, und der Charme einer malerisch stürmischen Nordsee im Spätherbst erschließt sich ihm nicht. Ebenso wenig wie eine ungewohnte Umgebung mit neuen Geräuschen.

Eigentlich logisch! Als Kind hat man sich ja auch gelangweilt, wenn die Erwachsenen bei Familientreffen stundenlang gegessen, geredet und Kaffee getrunken haben. Doch irgendwann vergisst man das und weiß es erst wieder, wenn einen das Kind daran erinnert. Und was ich vergessen hatte: Mit drei Geschwistern wurde es mir im Urlaub natürlich nie langweilig.

Kind sticht Fernweh

Dieses Jahr ging es trotzdem wieder ans Meer, doch dieses Mal im Sommer – und mit einer befreundeten Familie. Unser Plan war: Je mehr die Kinder zusammen spielen, desto mehr können wir Erwachsenen stundenlang essen, uns unterhalten und Kaffee trinken.

Und der Plan ging auf: Zwar regnete es quasi die gesamte Zeit, aber Kinder gepaart mit etwa gleichaltrigen Kindern ist eine sichere Bank: Unser Kind spielte, meckerte seltener, durfte im Kollektiv Kinderfilme gucken und verputzte sein Essen mit doppelten Appetit (Stichwort Futterneid). 

Mehr Kinder, mehr Ruhe

Es mag für kinderlose Menschen seltsam klingen, aber je mehr Kinder zusammen hocken, desto weniger anstrengend wird es für Erwachsene ... Mathematiker können daraus sicher eine Gleichung erstellen: x-Kinder an y-Orten = zzzzz (entspannte Eltern) oder so.

Zudem ist es dann egal, wo man den Urlaub verbringt, denn für Kinder zählt erst einmal die Begleitung. Nächstes Jahr deshalb wieder: Urlaub im Familienkollektiv. Damit wir auch einmal Ruhe haben. 

Deine Corinna

P.S.: Großstadt oder Land: Wo wachsen Kinder am besten auf?

Vater, Mutter, Kind: Über die Elternkolumne

Im deutschen Kinderzimmer herrscht Verunsicherung. Eltern aus unserer Redaktion schaffen Abhilfe! Corinna Berghahn ist seit mehr als drei Jahren Mutter, Daniel Benedict vor zwei Jahren Vater geworden. Im wöchentlichen Wechsel widerlegen sie hier Mythen und Legenden der Elternschaft.

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