400000 Krebsfälle verhindert? Studie: Antibabypille schützt langfristig vor Gebärmutterkrebs

Meine Nachrichten

Um das Thema Gut zu wissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Das bekannteste Verhütungsmittel für Frauen ist die Antibabypille. Foto:dpaDas bekannteste Verhütungsmittel für Frauen ist die Antibabypille. Foto:dpa

Osnabrück. Frauen, die die Antibabypille nehmen, haben offenbar langfristig ein sehr viel geringeres Risiko, an Gebärmutterkrebs zu erkranken. Ein internationales Forscherteam kommt nach der Auswertung von Daten aus 36 Studien zu dem Schluss, dass in den Industrienationen durch die Pille in den vergangenen 50 Jahren etwa 400000 Fälle von Gebärmutterkrebs bei Frauen unter 75 Jahren verhindert wurden. Etwa die Hälfte davon im vergangenen Jahrzehnt.

Frauen, die in ihren Zwanzigern die Pille genommen hätten, würden noch mit 50 Jahren und auch danach von der Schutzwirkung profitieren, wenn diese Krebsform häufiger auftrete, sagt Valerie Beral von der britischen Oxford University, eine der Leiterinnen der Studie , dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Man hatte die Sorge, dass die Pille Krebs auslöst, aber langfristig verringert sie das Risiko.“

Nicht überrascht

Der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte Christian Albring zeigte sich von den Ergebnissen der Studie nicht überrascht. In einem Gespräch mit unserer Redaktion bezeichnete er die Studie als „weiteren Beleg für Erkenntnisse, die schon immer bei der Erwägungen des Für und Wider in den Praxen der Frauenärzte vor der Rezeptur der Antibabypille diskutiert werden.“ Amerikanische Forscher diskutierten sogar bereits die Idee, die Antibabypille auch Frauen zu geben, die keinen Geschlechtsverkehr haben, um sie an diesem Vorteil teilhaben zu lassen,so Albring.

Nebenwirkung

Allerdings hat die Antibabypille auch unerwünschte Nebenwirkungen. So steigt unter anderem das Risiko einer Thrombose, bei der ein Blutgerinnsel ein Gefäß verengt oder komplett verstopft. Aber auch ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs wird mit der Pille in Verbindung gebracht.

Wie Albring erläutert, werden mögliche Risiken der Einnahme durch ein gründliches Gespräch mit der Patientin vor der Verschreibung der Pille deutlich reduziert: „Im Fall eines Risikos wird von der Rezeptur dann natürlich Abstand genommen“, betonte er. Stattdessen würden dann die sogenannte Minipille, die Dreimonatsspritze oder die Spirale verschrieben.

Schutzeffekt bleibt

Albring machte aber auch deutlich, dass sich die aktuell veröffentlichten Studienergebnisse auf den Krebs des Gebärmutterkörpers und nicht auf den Krebs des Gebärmutterhalses beziehen. Während der weitverbreitete Gebärmutterhalskrebs in fast 100 Prozent der Fälle durch das sogenannte HPV Humane Papilloma Virus ausgelöst werde, sei der des Gebärmutterkörpers auf eine Entartung der Schleimhaut zurückzuführen,

Weil die Antibabypille für ein geringeres Wachstum der Schleimhaut des Gebärmutterkörpers und für eine regelmäßige Abblutung während der Regelblutung sorge, entstünden dort bei regelmäßiger Einnahme dann seltener Wucherungen, beschrieb Albring die Wirkung der Pilleneinnahme auf diese Krebsart. Und obwohl neuere Pillen deutlich geringere Mengen Östrogen enthalten als die der ersten Generation, habe sich der Schutzeffekt nicht verringert, heißt es in dem Bericht des „Spiegel“.

Ruhiggestellt

Ein ähnlicher Effekt sei auch für den Eierstockkrebs nachgewiesen, ergänzt der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Die Eierstöcke würden durch die Einnahme der Pille ruhiggestellt. „Und durch diese Ruhigstellung entwickeln sich im Eierstock dann auch keine fehlerhaften Zellen, die krebsig entarten könnten“, erläutert Albring.

Internationales Forscherteam

Das internationale Forscherteam hat für seine Datenanalyse Informationen von rund 27000 Frauen, die an dem Krebs erkrankt waren, sowie von rund 115000 Frauen, denen dieses Schicksal erspart blieb, ausgewertet. Sie kamen aus Nordamerika, Europa, Asien, Australien und Südafrika. Finanziert wurde die Studie vom britischen Medical Research Council, einer staatlichen Institution.

Laut Studie haben seit Einführung der Pille in den Sechzigern etwa 400 Millionen Frauen in Industrienationen das Verhütungsmittel genutzt. Gebärmutterkrebs ist die vierthäufigste Krebsform. Allein in Deutschland erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts jährlich etwa 11500 Frauen an Gebärmutterkrebs, etwa 2400 von ihnen sterben .

Lesen Sie hier: Kassen fordern neuen Test auf Gebärmutterhalskrebs


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN