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01.08.2015, 23:14 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOLUMNE

Sonne oder Vitamin D? Fluor oder nicht? Was braucht das Kind?

Von Daniel Benedict

Sonne oder Vitamin D? Mit Fluor oder ohne? Was ist richtig fürs Kind? Illustration: Lilith BenedictSonne oder Vitamin D? Mit Fluor oder ohne? Was ist richtig fürs Kind? Illustration: Lilith Benedict

Berlin. Schadet Vitamin D Kindern? Sind die Tabletten noch gefährlicher als Sonne? Und wenn nein: Was ist vom Fluor-Zusatz zu halten? Alles über den Irrsinn des medizinischen Kontrollzwangs von Eltern.

In der vergangenen Woche hat Corinna Berghahn unseren Kolumnisten gefragt: „Mir wurde von einer Bekannten ein Pamphlet gegen Vitamin D und Fluor für Babys zugesendet. Habt ihr eurem Kind Vitamin D Tabletten gegeben – oder habt ihr allein auf die Kraft des Stillens und der Sonne gesetzt? Dies ist die Antwort:

Liebe Corinna!

Die Frage ist leicht zu beantworten! Ich gebe Vitamin D nicht nur dem Kind, sondern sogar mir selbst. Gerade im ersten Jahr war das ein schönes Ritual, das mich jeden Tag ein bisschen mehr glauben ließ: An meiner bleiernen Müdigkeit ist der Vitaminhaushalt schuld, aber nicht mein geliebtes Kind.

Ich wusste nicht, dass Vitamin D umstritten ist. Wenn am Sandkasten über Impfsolidarität oder Pekip gezankt wird, hole ich immer Kuchen für mich und die Kinder. („Kuchen? Weizenmehl? Zucker? Bist du irre?“)

Bei Mummy Wars kenne ich mich generell nicht aus; sie heißen sicher nicht ohne Grund so. Als Vater fühle ich mich aus Prinzip nicht angesprochen, auch wenn ich mir ab und an einen Spaß daraus mache, absichtlich ein besonders tabuisiertes Tabu zu brechen. Ein gut gewählter Satz reicht aus, um eine vollzählige Waldorf-Kita von der Praktikantin bis zum Hausmeister mit Adrenalin vollzupumpen. („Jedes Kind kann schlafen lernen.“)

Vitamin D eignet sich natürlich auch dafür. Wir selbst waren mal in heller Aufregung, weil ich zwei Tage lang dem Kind mein eigenes Präparat gegeben habe. Doppelte Dosis. So ist das Familienleben: Wo man es besonders gut machen will, bringt man die Seinen in Lebensgefahr. Der Vitaminschub hat meinem Sohn nicht geschadet, aber mich hat die Panne in einer Grundüberzeugung berzeugung bestätigt: Man kann nichts kontrollieren, im Leben nicht und auch nicht in der Erziehung.

Einer der vielen Woody-Allen-Witze, die sich mir eingebrannt haben, geht so: „Alles, was unsere Eltern für gut für uns hielten, ist schlecht: Sonne, Milch, rotes Fleisch, College.“ Stimmt genau: Meine Mutter war stolz, wenn ich im März schon nahtlos braun war; ich selbst tunke mein Kind in Lichtschutzfaktor-50-Cremes.

Jetzt sagst du: Heute sind wir eben klüger. Aber das glaube ich nicht. Die Widersprüche von guten Erziehungsratschlägen sind ja nicht nur historisch, sondern auch regional. In Deutschland hat meine Schwester ihren Kindern fluorarme Zahncreme gekauft. Jetzt wohnt sie in Schweden, wo das Fluor schon im Trinkwasser ist und den Kinder zweimal im Halbjahr eine Schulärztin den Mund mit Fluor ausspült. Du fragst mich auch, ob unsere Vitamintabletten mit oder ohne Fluor sind. Ohne, glaube ich. Aber es ist mir egal. (Ein bisschen klüger sind wir heute natürlich doch: Das regelmäßige „Persil-Bad“, das ein Elternratgeber der 70er Jahre bei Säuglingen empfiehlt, halte ich für bedenklich.)

Liebe Grüße!

Daniel,

geschrieben unter Einfluss gefährlicher Sonneneinstrahlung.

PS Wie war Dänemark? Haben deine Tipps für eine entspannte Reise funktioniert?

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