Gifte im Naglellack? Kosmetik in der Schwangerschaft – was ist verboten?

Von Corinna Berghahn


Osnabrück. Ist es schädlich, sich während der Schwangerschaft die Haare zu färben? Und wie steht es mit Nagellack oder einer Gesichtsbehandlung? Wir erklären, was in den neun Monaten erlaubt ist – und worauf Frauen besser verzichten.

Haare färben in der Schwangerschaft

Bei vielen Frauen wachsen die Haare in der Schwangerschaft schneller und wirken dichter. So fällt ein nachwachsender Ansatz auch zeitiger auf. Doch ob das Haarefärben ein ungeborenes Kind schädigen kann, ist nicht eindeutig geklärt, da es kaum Untersuchungen gibt. Ammoniakhaltige Colorationen besitzen jedoch intensive Pigmente, die in die Kopfhaut eindringen können. Daher empfehlen viele Hebammen und Frauenärzte, in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft komplett auf das Färben zu verzichten. Später sollte nur wenig Farbe mir der Kopfhaut in Kontakt kommen und diese auch nur kurz einwirken. Wer gar nicht verzichten mag: Strähnchen oder Naturhaarfarben können eine Alternative sein. (Weiterlesen: Essen in der Schwangerschaft – warum Sellerie und Sushi ungesund sind)

Haare waschen in der Schwangerschaft

Auf Schuppenshampoos mit dem Zusatzstoff Salicylsäure oder Shampoos mit Teerzusatz sollten Schwangere verzichten. (Weiterlesen: Sport in der Schwangerschaft – was ist verboten?)

Haare entfernen in der Schwangerschaft

Glatte Achseln und Beine sollten Schwangere nur mit Rasierer, Epiliergerät oder Wachs erzeugen, da Haarentfernungscremes chemische Wirkstoffe enthalten, die direkt auf die Haut aufgetragen werden. Mit wachsender Körpermitte gestaltet sich die Entfernung der Haare unterhalb der Gürtellinie jedoch immer schwieriger. Eine Patentlösung für dieses Problem gibt es nicht: Entweder man fragt um Hilfe oder lässt die Haare wachsen.

Nägel lackieren in der Schwangerschaft

Auch hier gibt es keine eindeutige Empfehlung: Viele Nagellacke und Nagellackentferner enthalten giftige Stoffe, wie Lösungsmittel oder Weichmacher, die frucht- und entwicklungsschädigend sein können. Allerdings finden sich in den Lacken nur geringe Mengen, so dass keine schädigende Wirkung auf den Fötus zu erwarten ist. „Generell abraten würde ich Schwangeren vom Lackieren ihrer Nägel nicht“, sagt auch Hebamme Christina Kunde. Wer sicher gehen will, verzichtet in den ersten drei Monaten komplett auf Nagellack und achtet später darauf, die Dämpfe nicht einzuatmen und Nagellackentferner ohne Aceton zu benutzen. Darüber hinaus gibt es mehrere Anbieter, die – zumeist online - Nagellack und -Entferner ohne Toxine vertreiben, wie Priti NYC, Scotch Naturals oder Butter London.

Gesichtsbehandlung in der Schwangerschaft

Die Haut spielt bei einigen Schwangeren aufgrund der Hormone verrückt. Eine professionelle Reinigung bei einer Kosmetikerin ist für Schwangere erlaubt, allerdings sollte auf Peelings mit Fruchtsäure oder Behandlungen mit elektrischen Feinströmen (wie der galvanischen Therapie) verzichtet werden. Zudem sollten Frauen ab der 17. Schwangerschaftswoche nicht mehr auf dem Rücken liegen, weil sonst die größere Gebärmutter auf die untere Hohlvene und die Beckenvenen drückt. Am besten, man spricht schon bei der Terminvereinbarung mit der Kosmetikerin über all diese Punkte. (Schwangerschaft: Was passiert im ersten Monat?)

Braun werden in der Schwangerschaft

Bräunungscremes gelten in der Regel als ungefährlich, da sie nur in der oberen Hautschicht wirken. Verzichtet werden sollte jedoch auf Produkte mit Psoralenen. Diese stehen im Verdacht, Krebs zu erregen – die Warnung vor ihnen gilt also nicht nur für Schwangere. Generell sollten Schwangere beim Sonnenbaden jedoch vorsichtig sein: Einige neigen zu Pigmentstörungen, den sogenannten „Mutterflecken“, und bekommen braune Stellen auf der Haut, die sich durch die Sonne noch verstärken. Also immer gut eincremen, und statt direkt in die Sonne sich lieber in den Schatten setzen, rät Christina Kunde..

Massagen in der Schwangerschaft

Es zwickt im Nacken, es schmerzt die Hüfte, doch Massagen gestalten sich für Schwangere allein schon wegen ihrer Figur anders: Einfach auf den Bauch legen sollten sie sich schon ab dem ersten Monat nicht mehr. Wichtig ist zudem, dass der Masseur oder Physiotherapeut über die Schwangerschaft unterrichtet ist und sich zudem mit schwangeren Kundinnen und ihren Bedürfnissen in den jeweiligen Monaten auskennt. Ist dies der Fall, spricht nichts gegen eine Massage, sagt Hebamme Kunde. Mit einer Ausnahme: Von einer Fußreflexzonenmassage sollte Abstand genommen werden, da sie bei einigen Frauen frühzeitige Wehen auslösen kann.

Zahnpflege in der Schwangerschaft

Bei schwangeren Frauen ist das Zahnfleisch besonders gefährdet, zudem leiden einige unter Übelkeit und Erbrechen, sodass der Schmelz ebenfalls beansprucht wird. Ein Kind kostet einen Zahn, hieß es deshalb früher. Doch das muss nicht sein: Daher sollten Schwangere ihre Zähne besonders gründlich putzen und auch auf Zahnseide nicht verzichten, selbst wenn es aufgrund der Hormone verstärkt zu Zahnfleischbluten kommt. Verzichten sollten sie jedoch auf das Zahnaufhellen per Bleaching, da es das eh schon gereizte Zahnfleisch noch mehr angreift.


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