Klonende Seesterne Forscher sind dem Rätsel der ewigen Jugend auf der Spur

Seesterne sind nicht nur ein beliebtes Mitbringsel aus dem Urlaub, sondern können vielleicht auch das Rätsel um die ewige Jugend lüften. Foto: imago/Westend61Seesterne sind nicht nur ein beliebtes Mitbringsel aus dem Urlaub, sondern können vielleicht auch das Rätsel um die ewige Jugend lüften. Foto: imago/Westend61

Stockholm. Schwedische Wissenschaftler haben entdeckt, dass sich klonende Seesterne langsamer altern als diejenigen, die sich sexuell reproduzieren. Ein Teil der DNA soll beim Klonen gar zur Verjüngung führen. Die Erkenntnis könnte irgendwann auch einmal Menschen helfen.

Wissenschaftler der westschwedischen Universität Göteborg sind der Lösung des Rätsels um die ewige Jugend zumindest einen kleinen Schritt näher gekommen. Sie untersuchten verschiedene Arten von Seesternen. Solche die sich klonal, also durch das Klonen, und solche die sich sexuell fortpflanzen. Einige Seesterne klonen sich, indem sie sich im erwachsenen Alter in zwei oder mehr Teile aufspalten. Dann wächst der fehlende Rest an jedem einzelnen Teil wieder nach.

Klonen hält jung

Die schwedischen Forscher wollten herausfinden, ob Seesterne, die sich klonen, gesünder sind und Zeichen von verlangsamten Altern aufweisen. Dies im Vergleich zu Seesternen, die sich sexuell reproduzieren. Weil Seesterne sich im Gegensatz zum Menschen auf sowohl klonale wie sexuelle Weise reproduzieren, bilden sie die idealen Vergleichsobjekte.

Sowohl im Mittelmeer als auch im Atlantik wurden dazu Populationen des Seesterns Coscinasterias tenuispina untersucht. Im Mittelmehr klonten sich diese Seesterne vermehrt. Im Atlantik war die sexuelle Reproduktion verbreiteter. Die kürzlich im renommierten Fachmagazin „Heredity“ veröffentlichten Resultate bestätigten, dass sich klonende Seesterne langsamer altern als diejenigen, die sich sexuell fortpflanzen. (Weiterlesen: Herrchen kann Klon seines Hundes bestellen)

Ergebnisse werden bestätigt

Den Grund dafür machen die Forscher in der Länge der sogenannten Telomere aus. Das sind DNA-Bestandteile, die sich am Ende der Chromosomen befinden. Ihre Aufgabe ist es, genetische Daten zu schützen und die Zellteilung zu ermöglichen. Zudem sollen sie mit bislang ungeklärten Mechanismen das biologische Altern, auch bei Menschen, und mit ihm die Entwicklung von Krankheiten wie Krebs beeinflussen. Jedes Mal, wenn sich eine Zelle teilt, verlieren die Telomere ein kleines Stück ihrer Länge. „Je kürzer die Telomere werden, desto älter werden wir“, erklärt Studienmitarbeiterin Helen Nilsson Sköld von der Universität Göteborg dieser Zeitung. „Wie genau sie das Altern beeinflussen, weiß die Wissenschaft heute leider noch nicht“, sagt die Forscherin. „Wir haben aber in der Studie einen deutlichen positiven Zusammenhang zwischen der Länge der Telomere und der Üblichkeit, sich zu klonen, statt sich sexuell fortzupflanzen, gefunden“, sagt Sköld. Zudem waren die Telomere im neuen heranwachsenden Teil des sich klonenden Seesterns sogar etwas länger als in dessen alten Gewebeteil. „Da hat also eine Verjüngung auf Telomer-Niveau stattgefunden“, sagt sie. Das sei vermutlich eine Erklärung für den besseren Gesundheitszustand von Seesternen, die sich klonen und nicht sexuell reproduzieren. Bereits zuvor hatten andere Forscher ähnliche Prinzipien anhand von Plattwürmern festgestellt. „Wir haben nun deren Resultate in einer ganz anderen Tiergruppe bestätigt“, sagt Sköld. (Weiterlesen: Politiker fordern Verbot von Klonfleisch in der EU)

Menschen können hoffen

Letztlich zeige die Studie der Seesterne, dass Lebewesen, die sich sexuell reproduzieren, danach einfach altern. Die Jugend lebt in den Nachkommen fort. Beim Klonen von Seesternen im Erwachsenenalter verbleibt diese Verjüngung, grob vereinfacht gesagt, im gleichen Lebewesen. Zwar könne man Menschen nicht durch Klonen verjüngen, aber wenn die Forschung irgendwann die genauen Funktionsweisen der Telomere versteht, könnte da ein Mechanismus liegen, den man zur Verjüngung von Menschen adaptieren könnte, so Sköld. Aber das liege noch in weiter Zukunft, erklärt die Wissenschaftlerin.


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