„Flatmate“ Gegen Mitbewohner-Zoff: Studenten entwickeln WG-App

Von dpa

Die App gegen den WG-Stress: Niklas Priddat (von links), Patrick Schramowski und Andreas Helget haben „Flatmate“ entwickelt. Foto: dpaDie App gegen den WG-Stress: Niklas Priddat (von links), Patrick Schramowski und Andreas Helget haben „Flatmate“ entwickelt. Foto: dpa

Witten. Wer ist der Schnorrer? Wer kauft ständig ein? Die gerechte Aufteilung der WG-Kosten hat schon oft unter Mitbewohnern zum Streit geführt. Wird mit der neuen App „Flatmate“ tatsächlich alles besser?

Im Bad fehlen Putzschwämme, in der Küche türmen sich leere Bierkästen und in der Toilette hängt seit Tagen eine leere Papprolle. Wenn der Einkauf gefühlt nur an Einem hängen bleibt, hängt in vielen Wohngemeinschaften der Haussegen schief. Dabei gehts auch ums Geld: Wer mehrmals hintereinander den Vorrat an Nudeln, Kaffee oder Gewürzen auffüllt, kann sich ausgenutzt fühlen. Und wer hebt schon jedes Mal den Kassenbon auf oder führt penibel eine Haushaltskasse? (Nachrichten aus der Studentenwelt unter www.noz.de/campus)

Digitaler Rechenschieber für WGs

Niklas Priddat will sich mit den „kleinen nervigen und extrem aufwendigen Problemen“ nicht mehr herumschlagen müssen. Der 22-Jährige meint, eine Lösung gefunden zu haben: eine eigene App. Gemeinsam mit einer Handvoll anderer Studenten erfand er das kostenlose Programm „Flatmate“ – eine Art digitaler Rechenschieber für das Smartphone.

Die Funktionen des Programms seien bewusst schlicht gehalten: Man bestimmt die Mitbewohnerzahl, trägt die Kosten für die Allgemeinheit ein. Am Ende des Monats zeigt die App auf den Cent genau an, wer wem in der Wohngemeinschaft wie viel Geld schuldet. „Man kann die Kosten damit schneller aufteilen, als mit dem Taschenrechner“, meint Priddat.

Aus Urlaubsidee wird Firma

Die Idee dazu kam beim Urlaub mit Freunden. Umgesetzt wurde sie im Bürotrakt des Wittener Forschungs- und Entwicklungszentrums: Ein kleiner Raum, Tische, Monitore, ein altes Sofa, Espresso-Maschine, Fanta- und Colakisten und eine bekritzelte Wand mit Edding-Zeichnungen. Wirtschaftswissenschaftler der Universität Witten/Herdecke legen die Strategie fest, Studenten von der TU Dortmund sind fürs Programmieren zuständig. Aus der Urlaubsidee wurde ein Team, aus dem Team eine kleine Firma: „Mateapps“ heißt die GmbH – „Apps für Mitbewohner“.

Bald soll es optionale Zusatzkäufe geben: Nutzer müssten dann für eine detaillierte Auswertung oder E-Mail-Benachrichtigungen extra zahlen. Erst vor wenigen Monaten fand ein Geldgeber Gefallen an dem Startup und investierte einen mittleren fünfstelligen Betrag.

Deutsche Gründer wenig risikofreudig

An Ideen mangelt es vielen Startups nicht. Am nötigen Startkapitel dagegen schon. Viele deutsche Startups stünden bei der Finanzierung vor großen Schwierigkeiten, erklärt Lucie Volquartz, Startup-Referentin beim IT-Branchenverband Bitkom. Viele Investoren schreckt demnach die Vorstellung ab, auf einen Schlag alles zu verlieren. Im Gegensatz zu den USA, Großbritannien oder Israel könnten deutsche Gründer mit deutlich weniger Risikokapital rechnen.

Startups in Berlin benötigten in den kommenden zwei Jahren durchschnittlich 3,3 Millionen Euro. In NRW liegt der Bedarf mehr als eine Million Euro darunter. „Ein Grund dafür ist sicherlich, dass Startups in Berlin stark international geprägt und häufig auch stärker auf internationale Märkte ausgerichtet sind“, erklärt die Bitkom-Sprecherin.

Startups haben es schwer

„Mateapps“ baut nicht auf die finanzielle Hilfe der Geldinstitute. Tausende Nutzer hin, Geld vom Investor her, der Jungunternehmer Priddat bleibt realistisch: Gerade in der IT-Branche würden nur wenige Startups erfolgreich. Da fiele es als junger Gründer schwer, mit einem Kredit das Risiko einer Privatinsolvenz in Kauf zu nehmen.