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Wer ist von Hitzefrei ausgeschlossen? Ab wann gibt es Hitzefrei an Schulen in Niedersachsen?

Die Schule entscheidet, ob sie ihren Klassen Hitzefrei gibt. Symbolfoto: dpaDie Schule entscheidet, ob sie ihren Klassen Hitzefrei gibt. Symbolfoto: dpa

sen/leb Osnabrück. Die Hitze hat Deutschland bereits im Mai fest im Griff. Doch was bedeutet das für Schüler? Dürfen sie auf Hitzefrei hoffen?

Eis essen, schwimmen und in der Sonne entspannen – kaum steigen die Temperaturen, zieht es die Menschen nach draußen und Schüler rutschen ungeduldig auf ihren Stühlen herum. Denn sobald es draußen heiß wird, hoffen sie auf Hitzefrei. Doch wer entscheidet eigentlich, wann es Hitzeferien gibt?

Schulen entscheiden individuell über Hitzefrei

Nach einem Erlass des Niedersächsischen Kultusministeriums ist es jeder Schule individuell überlassen, ob sie ihre Schüler bei zu großer Hitze nach Hause schickt. Voraussetzungen sind erhöhte Temperaturen in den Klassenräumen und, dass eine andere Form des Unterrichts nicht mehr möglich ist.

Der Erlass aus dem Bereich „Unterrichtsorganisation“ gilt zudem nur für Grundschulklassen und Schüler der Sekundarstufe 1 (bei Gesamtschulen bis Jahrgangsstufe zehn, bei Gymnasien bis Jahrgangsstufe neun). Trotzdem sind die Schulen weiter in der Aufsichtspflicht. So sieht der Erlass vor, dass die Schüler auch bei einer vorzeitigen Beendigung des Unterrichts bis zum Verlassen der Schule zu beaufsichtigen sind.

Sekundarstufe 2 von Hitzefrei ausgeschlossen

Klassen der Sekundarstufe 2 (Oberstufe) sind vom Hitzefrei ausgeschlossen. Das Kultusministerium begründet diese Regelung damit, dass Oberstufenschüler anders belastbar als Kinder und Jugendliche seien. „Sie können auch stärker eigenständig darauf achten, ob sie aufgrund von Hitze mehr Flüssigkeit zu sich nehmen müssen oder können besser einschätzen, wie lange sie sich in der Sonne aufhalten sollten“, sagt eine Pressesprecherin des verantwortlichen Ministeriums.

Dennoch weist die Sprecherin darauf hin, dass auf die gesundheitliche Verfassung der Schüler zu achten sei und diese sich bei Beeinträchtigungen aufgrund der hohen Temperaturen vom Unterricht befreien lassen könnten.

Unterricht im kühlen Kellerraum

Sollte es den älteren Schülern trotz ausreichender Flüssigkeit und schattigen Pausen im Klassenraum zu heiß werden, bleibt es den Lehrern überlassen, ihren Unterricht unter anderen Bedingungen angenehmer zu gestalten.

„Eine Unterrichtsstunde kann beispielsweise auch im schattigen Hof, kühleren Kellerräumen oder in einem nahegelegenen Waldstück stattfinden“, so die Sprecherin. Darüber hinaus sollten Lehrer und Schulleitung darauf achten, Prüfungen, Klausuren oder sportliche Aktivitäten nicht während großer Hitze durchzuführen.

Verantwortungsbewusst reagieren

Auch in den anderen Bundesländern entscheidet die Schulleitung, ob sie ihren Schülern Hitzeferien gibt. In Hessen werden Schüler dann beispielsweise nach der fünften Stunde entlassen.

In Nordrhein-Westfalen gilt eine Raumtemperatur von 27 Grad als Richtwert. In Niedersachsen gibt es, um Einzelfallgerechtigkeit zu gewährleisten, keine Richtlinien für die Temperaturen. Hier gilt das persönliche Ermessen der Schulleitung. „ Wenn eine Schule beispielsweise große Glasfronten hat, kann es unter Umständen schon bei 24 Grad zu heiß sein, während in anderen Schulgebäuden aufgrund entsprechender Dämmung noch bei 28 Grad ein erträgliches Raumklima herrschen kann,“ sagt die Pressesprecherin.

Sorgen, dass die Lehrer ihre Klassen trotz unerträglicher Hitze lernen lassen, sollten sich die Schüler nicht machen. Nach Erfahrungen des Kultusministeriums seien niedersächsische Schulen in der Vergangenheit sehr verantwortungsbewusst mit der ansteigenden Hitze umgegangen und

Den Erlass zur Unterrichtsorganisation des Niedersächsischen Kultusministeriums finden Sie hier zum Nachlese n.


Auszug aus dem Erlass „Unterrichtsorganisation“:

4.5 Für einzelne oder alle Klassen von Schulen des Primarbereichs und des Sekundarbereichs I kann durch die Schulleiterin oder den Schulleiter Hitzefrei gegeben werden, wenn der Unterricht durch hohe Temperaturen in den Schulräumen erheblich beeinträchtigt wird und andere Formen der Unterrichtsgestaltung nicht sinnvoll erscheinen.

4.6 Über eine vorzeitige Beendigung des Unterrichts ist der Träger der Schülerbeförderung unverzüglich in Kenntnis zu setzen.

4.7 Erziehungsberechtigte sowie Schülerinnen und Schüler sind in geeigneter Weise über das Verfahren zu unterrichten.

4.8 Es ist sicherzustellen, dass gegenüber Schülerinnen und Schülern, die trotz des angeordneten Unterrichtsausfalls zur Schule gekommen sind, Aufsichtspflichten erfüllt werden. Auch bei einer vorzeitigen Beendigung des Unterrichts sind Schülerinnen und Schüler bis zum Verlassen der Schule zu beaufsichtigen. Im Primarbereich dürfen Schülerinnen und Schüler nur nach vorheriger Zustimmung der Erziehungsberechtigten nach Hause entlassen werden.

4.10 Unterrichtsstunden, die wegen des angeordneten Unterrichtsausfalls nicht erteilt werden können, sind als Minderzeiten im Sinne des § 4 Abs. 2 der Bezugsverordnung zu c) zu berücksichtigen. Dies gilt nicht, soweit die jeweilige Lehrkraft während der ausfallenden Unterrichtsstunden auf Weisung der Schulleitung andere dienstliche Aufgaben (u. a. Aufsichts- und Betreuungsaufgaben im Rahmen der Verlässlichen Grundschule) wahrnimmt.