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Badeunfälle im Sommer 2015 Fünf tödliche Irrtümer über das Ertrinken

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Nein, Schwimmflügel bieten keinen ausreichenden Schutz vor dem Ertrinken. Foto: ColourboxNein, Schwimmflügel bieten keinen ausreichenden Schutz vor dem Ertrinken. Foto: Colourbox

Osnabrück. Ertrinkende gestikulieren wild und Schwimmflügel bieten einen sicheren Schutz? Stimmt alles nicht. Wir stellen fünf Irrtümer über das Ertrinken richtig.

Irrtum 1: Ertrinkende gestikulieren und rufen um Hilfe

Im Gegenteil: Ertrinken ist zumeist ein leiser Tod. Der Mund befindet sich unter der Wasseroberfläche, kann also gar nicht rufen. Winken ist nicht möglich, weil die Arme instinktiv seitlich ausgetreckt werden. Eine Schutzfunktion, die den Körper an der Wasseroberfläche halten soll. Anders gesagt: Ertrinken sieht nicht so aus, wie man sich Ertrinken vorstellt, denn diese Vorstellungen basieren oftmals auf Filmen, nicht aus der Realität. Stattdessen ist der Körper damit beschäftigt, die lebenswichtigen Organe mit Sauerstoff zu versorgen.

Irrtum 2: Schwimmflügel und -ringe bieten ausreichend Schutz

Ein fataler Irrtum: Schwimmflügel und andere Vorrichtungen sind nicht mehr als Hilfsmittel. Der Glaube, dass sie für ein sicheres Schwimmvergnügen sorgen, kann böse enden: Wenn Eltern weniger auf ihre Kinder achten, weil sie denken, dass ihnen ja nichts passieren kann. Gleiches gilt für Luftmatratze, Autoschlauch und Gummitiere. (Weiterlesen: Was kann man tun, damit Kinder nicht ertrinken?)

Irrtum 3: Kinder ertrinken fast nur in Freibädern

Das stimmt so nicht, denn jedes Alter hat seine eigenen Gefahren. Sehr kleine Kinder ertrinken oftmals in der Badewanne, Kinder zwischen einem und vier Jahren meistens beim Spielen am Wasser. Für ältere Kinder im Grundschulalter werden das Schwimmbad oder Badeseen gefährlich. Daher müssen Eltern sich immer wieder neu einstellen: Von Anfang an die Kinder nie alleine in Wassernähe lassen – und auch nicht mit einem größeren Geschwisterkind in der Badewanne. Später dann zudem dafür sorgen, dass das Kind schwimmen lernt und die DLRG-Baderegeln kennt.

Irrtum 4: Kinder mit Seepferdchen sind sichere Schwimmer

Leider nein, auch wenn ein Seepferdchen einen tollen Schritt für die Seetüchtigkeit des Kindes bedeutet. Offiziell heißt es „Frühschwimmer“ — und das Wort zeigt schon, dass es hier erst einmal nur um eine rudimentäre Schwimmfertigkeit geht. Aber Schwimmen in einem gesicherten Gewässer ist nicht dasselbe wie im Meer oder einem Fluss, wo es zu Strömungen, Wellen und anderen Dingen kommen kann. Und auch in Freibädern kann es zu Unwohlsein und Unfällen kommen. Seepferdchen hin oder her: Eltern müssen immer aufmerksam sein, wenn sie mit Kindern schwimmen gehen.

Irrtum 5: Wasser geht aus der Lunge, wenn man ein Kind kopfüber hält

Totaler Quatsch. Und sogar gefährlich, weil so wertvolle Zeit vertan wird, die man mit sinnvoller Reanimation verbracht hätte. Wird ein Kind bewusstlos aus dem Wasser gezogen, sofort die Atmung überprüfen. Atmet es, wird es in die stabile Seitenlage gelegt.

Atmet es nicht, sollte es sofort auf den Rücken gelegt werden. Dann — und nicht in der stabilen Seitenlage, wie uns Rettungsschwimmer Christof Cech sagt — kann mit der Mund-zu-Mund-Beatmung (oder wenn dies nicht möglich ist, mit der Mund-zu-Nase-Beatmung) und einer Herzdruckmassage begonnen werden. Das gleich gilt natürlich auch für Erwachsene. (Weitere Tipps zur Notfallhilfe für Kinder finden Sie hier)


Wichtige Regeln für Schwimmer, Eltern und Kinder

Eltern dürfen Kinder nie unbeaufsichtigt in der Nähe von Wasser lassen

Kinder sollten so früh wie möglich schwimmen lernen

Eltern sollten ihr Erste-Hilfe-Wissen auffrischen

Kinder sollten spätestens im Kindergartenalter die Baderegeln des DLRG kennen, unter anderem:

-Nie mit vollem oder leeren Magen schwimmen gehen oder wenn man sich nicht wohl fühlt

-Immer abkühlen, bevor man ins Wasser geht

-Luftmatratze, Autoschlauch und Gummitiere bieten keine Sicherheit

-Als Nichtschwimmer nur bis zum Bauch ins Wasser gehen

-Wer friert sollte sofort raus aus dem Wasser

-Nur in Gewässern schwimmen gehen, die beaufsichtigt werden

-Nicht die eigenen Kräfte überschätzen

-Nur ins Wasser springen, wenn man weiß, dass es tief genug ist

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