Selbsterfüllende Prophezeiung Vorurteile und Klischees können Leistung schmälern

Von Eva Voß

Matheaufgaben können knifflig sein – besonders dann, wenn man mit Vorurteilen konfrontiert ist. Foto: imago/bikyMatheaufgaben können knifflig sein – besonders dann, wenn man mit Vorurteilen konfrontiert ist. Foto: imago/biky

Osnabrück. Häufig werden schon Mädchen mit dem Vorurteil konfrontiert, dass sie nun einmal schlechter in Fächern wie Mathematik, Physik oder Chemie sind als Jungen. Das kann fatale Folgen haben, wie Psychologen der Indiana University Bloomington in den USA herausgefunden haben.

Werden nämlich Frauen oder Mädchen mit diesem Klischee konfrontiert, erfüllen sie das Vorurteil prompt. Es wird also zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Das schreibt die Indiana University in einer Pressemitteilung.

Kathrin Boucher, Psychologin an der Indiana University, und ihre Kollegen wollten herausfinden, welche Auswirkungen Vorurteile auf die mathematischen Leistungen von Frauen haben und ob sie sich dessen bewusst sind. Dazu luden sie 150 Frauen und Männer zu verschiedenen Tests ein.

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Im ersten Test sollten die Probanden sieben schwere Matheaufgaben innerhalb von zehn Minuten lösen. Vor dem Test erklärten die Forscher den Teilnehmern, dass sie versuchen, herauszufinden, warum Frauen schlechter in Mathematik sind. Sie vermittelten ihnen also, dass es eine Tatsache ist, dass Frauen schlechter in Mathe sind. Die Hälfte der Teilnehmer sollte darüber hinaus ihr eigenes Abschneiden im Test einschätzen. Die andere Hälfte der Gruppe musste den Test nicht selbst absolvieren, sondern nur einschätzen, wie gut Frauen die Aufgaben erledigen würden.

Das Ergebnis: Die Frauen schnitten im Test schlechter ab, wenn ihnen vorher gesagt wurde, dass sie ohnehin schlechter sind. Zudem schätzten sie ihre Fähigkeiten geringer ein.

Es zeigte sich nach Angaben der Universität außerdem, dass sowohl die männlichen als auch die weiblichen Teilnehmer der Ansicht waren, dass sich Frauen von den Vorurteilen emotional beeinflussen lassen, sie aber trotzdem gut abschneiden könnten. Das heißt, die Probanden haben die Tragweite der negativen Auswirkungen von Vorurteilen unterschätzt. Die Forscher glauben, dass ihre Erkenntnisse eine große Bedeutung für Frauen in typischen Männerdomänen wie etwa in naturwissenschaftlichen Berufen haben könnten. „Wenn die Vorgesetzten nicht verstehen, wie die Vorurteile die Leistung der Frauen beeinträchtigen, dann ist das ein ernstes Problem. Das ist einer der Gründe, warum Frauen in Wissenschaft, Technik und Mathematik unterrepräsentiert sind“, wird Mary C. Murphy, Assistenz-Professorin am Institut für Psychologie und Hirnforschung der Indiana University zitiert. Sie hat die Studie überwacht. „Das Problem zu kennen, ist der erste Schritt, um es zu lösen“, ist Psychologin Boucher überzeugt.