Anbau von Palmöl in Kritik Französische Umweltministerin ruft zum Nutella-Boykott auf

Von Olga Zudilin


Osnabrück. Die französische Umweltministerin Ségolène Royal hat in einem Fernsehinterview zu einem Nutella-Boykott aufgerufen, da die Streichcreme Palmöl enthält. Dessen Anbau gilt als umweltschädlich, da dafür vor allem in Südostasien Regenwaldflächen gerodet werden. Greenpeace spricht sich für die Verwendung von zertifiziertem Palmöl aus.

In dem Interview des Senders Canal Plus sagte Royal: „Man muss aufhören, Nutella zu essen“. Dies richte erhebliche Schäden an, weswegen der Nutella-Hersteller Ferrero andere Rohstoffe verwenden sollte, sagte die Ministerin. Bereits in kurzester Zeit entwickelte sich daraufhin der Hashtag #Nutella zu einem Twittertrend.

Auf Anfrage unserer Redaktion wollte Ferrero das Statement der Ministerin nicht direkt kommentieren. In einer offiziellen Stellungnahme erklärt das Unternehmen allerdings, dass es sich seit 2005 aktiv an der Initiative „Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl“ beteiligt, die sich für Umweltschutz und Menschenrechte auf Ölpalmen-Plantagen einsetzt.

Warum gilt Palmöl als umweltschädlich?

Das rot-bräunliche Öl wird aus Ölpalmen gewonnen und ist in Lebensmitteln, Kosmetika, Reinigungsmitteln und Biodiesel enthalten. Vor allem in Indonesien und Malaysia wird die Ölpalme angebaut. „Der Anbau ist deswegen problematisch, weil dafür Regenwaldflächen gerodet und Torfmoore zerstört werden. Auf diesen Flächen entstehen Monokulturen von Ölpalmen“, erklärt die Greenpeace-Sprecherin, Gesche Jürgens. Auf diese Weise verlieren bedrohte Tierarten wie Sumatra-Tiger und Orang Utans ihren Lebensraum. Neben dem Tierschutz beanstandet Greenpeace außerdem die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen. Nach Greenpeace-Angaben ist die Pflanze sehr ertragsreich und sei in jedem zweiten Produkt enthalten. „Würde man die gleiche Menge Öl mit anderen Ölpflanzen wie Raps oder Sonnenblumen ersetzen, bräuchte man viel größere Flächen und würde das Problem nur in andere Regionen verlagern“, sagt Jürgens. Aus diesem Grund fordert Greenpeace auch nicht, die Produktion von Palmöl zu stoppen, sondern einen besseren und nachhaltigen Palmölanbau. Eine Alternative sei beispielsweise zertifiziertes Biopalmöl, welches nicht mit Regenwaldzerstörung in Verbindung steht.

Was können Verbraucher tun?

Mit ihrem Vorschlag Nutella zu boykottieren, hat Royal zwar auf die Palmöl-Problematik aufmerksam gemacht. Allerdings ist der Verzicht auf Palmöl für Verbraucher schwierig. „In etwa jedem zweiten Supermarkt-Produkt ist Palmöl enthalten“, sagt die Greenpeace-Sprecherin. So würden jährlich circa 1,5 Millionen Tonnen Palmöl importiert. China und Indien seien allerdings die Hauptabnehmer. Neben Schokoaufstrichen ist das Pflanzenfett auch in Keksen, Pizzateig, Duschgel, Bodylotion und eben auch in Biokraftstoff enthalten. Vor allem der günstige Preis sowie die Schmelzeigenschaften des Öls machen es so beliebt für Hersteller.

Für Verbraucher ist es leicht zu erkennen, ob in einem Produkt Palmöl enthalten ist oder nicht. Seit Dezember 2014 gilt die EU-Lebensmittelinformationsverordnung, die vorschreibt, dass auf Produkten nicht mehr nur pflanzliches Öl, sondern Rapsöl, Sojaöl oder eben Palmöl draufstehen muss. „Letztendlich liegt die Verantwortung aber bei den Herstellern“, sagt Jürgens. Verbrauchern rät sie dazu, sich direkt an Firmen zu wenden und nachzufragen, aus welchem Anbau das verwendete Palmöl stammt.