„Kinderspiel des Jahres 2015“ Kinderspiel „Spinderella“: In den Fängen der Spinne

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Nicht alles Gute kommt von oben für die Ameisen im Kinderspiel „Spinderella“ von Roberto Fraga. Foto: Michael GründelNicht alles Gute kommt von oben für die Ameisen im Kinderspiel „Spinderella“ von Roberto Fraga. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Optik ist eines der wichtigsten Argumente beim Kauf von Spielen, vielleicht das wichtigste. Das gilt für Kinderspiele im Besonderen. Doch was bombastisch aussieht, kann sich spielerisch noch immer ein Rohrkrepierer entpuppen. Schön, dass das bei „Spinderella“ aus dem Hause Zoch nicht so ist.

So geht‘s: Wir befinden uns im Wald. Während die Ameisen unten am Boden einen Zickzackkurs zurücklegen müssen, lauern oben in den Bäumen die Spinnen auf der Suche nach sechsbeiniger Nahrung. Wer als Erstes seine Ameisenfiguren durchgebracht hat, gewinnt.

Wer dran ist, würfelt mit drei Sechsseitern. Der wichtigste ist der grüne. Er zeigt an, ob die Ameisen (brauner Würfel) bewegt werden dürfen oder eine Etage höher die Spinnenkumpel Roberto und Klaus (weißer Würfel). Denn – nicht ganz korrespondierend mit der Natur: Bei „Spinderella“ sind die Spinnen Teamworker. Je nachdem, wo sich Roberto und Klaus befinden, schwingt ihre über einen Faden mit ihnen verbundene Freundin „Spinderella“ nämlich mal ungefährlich hoch oder bedrohlich tief über dem Waldboden. Hängt sie direkt über einer Ameise, gibt es für diese aufgrund der magnetischen Anziehungskraft der Spinne kein Entrinnen mehr – und sie muss zurück zum Start.

Für weitere Turbulenzen sorgt die Borke, die die Spieler manchmal – abhängig vom Würfelwurf – versetzen müssen. Sie kann bis zu zwei übereinander gestapelte Ameisen (ja, das gibt es auch) unter sich begraben und macht sie so lange zugunfähig, bis sie erneut versetzt wird.

Spielwert: Der dreidimensionale Aufbau übt selbst auf Kinder, die Spinnen eher reserviert gegenüberstehen, eine Anziehungskraft aus, wie die titelgebende „Spinderella“ auf die Ameisen. Das Material, vor allem die fast niedlichen Spinnen, ist toll, mit ein bisschen Übung sollten es sogar Fünfjährige hinbekommen, das Szenario unfallfrei aufzubauen. Auch die magnetischen Effekte stimmen – nicht zu stark und nicht zu schwach. An die Zugmöglichkeiten im Netzgeflecht auf der oberen Ebene muss man sich zwar erst gewöhnen, aber das ist reine Übungssache.

„Spinderella“ stärkt nicht nur die 3-D-Wahrnehmung, es bietet sogar eine moderate taktische Spieltiefe. Wohin und in welcher Reihenfolge muss ich Roberto und Klaus bewegen, damit Spinderella direkt über der Ameise meines Mitspielers zum Schweben kommt? Welche meiner Ameisen soll ich bewegen? Gibt es vielleicht die Möglichkeit, durch Stapelei aus meinen Steinen eine wertvolle Huckepack-Gemeinschaft zu machen? Oder soll ich meine Ameise gar im Stile einer Zecke auf der eines Mitspielers platzieren, um mich zum Ziel tragen zu lassen? Gerade bei diesen etwas komplexeren Fragen sind die Strategen im Vorteil. Kleinere Kinder neigen dazu, wenn es geht, immer nur die vordere Ameise zu ziehen, Spinne hin oder her.

Sei’s drum: Für eine Spielzeit von durchschnittlich 15 bis 20 Minuten bietet „Spinderella“ erstaunlich viel von allem – trotz überwältigender Optik.

Würfelnote: 5 (stark)

Spinderella (Zoch) von Roberto Fraga ist für 2 bis 4 Spieler ab sechs Jahren und kostet etwa 25 bis 30 Euro. Hier die Anleitung als pdf. Das Spiel ist Kinderspiel des Jahres 2015. Nominiert waren außerdem „Push-a-Monster“ (Queen) und „Schatz-Rabatz“ (Noris) von der Osnabrücker Autorin Karin Hetling .

(Legende der Würfelnoten: 1 = schwach 2 = mittelmäßig 3 = ordentlich 4 = gut 5 = stark 6 = genial)


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