Von Osnabrücker Autorin Kinderspiel „Schatz-Rabatz“: Das Unförmige muss ins Eckige

In „Schatz-Rabatz“ müssen die Kinder möglichst viele Schätze in ihrer Schatzkiste unterbringen. Foto: Michael GründelIn „Schatz-Rabatz“ müssen die Kinder möglichst viele Schätze in ihrer Schatzkiste unterbringen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Mit dem Kinderspiel „Schatz-Rabatz“ (Noris) hat die Osnabrücker Autorin Karin Hetling schon jetzt einen ihren größten Erfolge errungen. Es wurde nominiert für das Kinderspiel des Jahres. Zu Recht? Eine Spielkritik.

So geht‘s: Die Spieler in „Schatz-Rabatz“ wollen den amtsmüden Piratenkapitän Raffzahn beerben. Dafür müssen sie ihm so viele Schätze wie möglich auf die Schatzinsel bringen. Die Schwierigkeit ist nicht, die Kostbarkeiten zu finden, denn die liegen in Form von Holzsteinen in der Tischmitte aus – in jedweder Größe, Farbe und Form. Problem 1 ist stattdessen, diese in der eigenen eckigen Truhe unterzubringen. Denn die ist chronisch zu klein für den ganzen Reichtum. Und am Ende muss sie sich auch noch schließen lassen. Die schönsten Schätze (Pokale, Schwerter oder Kronen) sind deshalb nicht die begehrtesten. Stattdessen stürzen sich alle zunächst auf kleine Sechsecke oder Kreise. Stürzen? Ja, stürzen, denn Problem 2 ist: Alle spielen gleichzeitig, und die Sachen müssen (aber bitte nur Stück für Stück!) gepackt sein, wenn nach 30 Sekunden der Sand durch die entsprechende Uhr gerieselt ist.

Problem 3 ist Juwelen-Jack. Der und sein Boot stehen nämlich noch zwischen den hoffnungsvollen Kapitänsanwärtern und ihrem Noch-Chef Raffzahn. Juwelen-Jack verlangt in jeder Runde eine Bezahlung für die Überfahrt zur Schatzinsel. Seine – manchmal unverschämte – Bestellliste enthüllt er im Grundspiel erst, wenn die Piraten ihre Truhen schon gefüllt haben. Da kann es einen schon ganz schön hart treffen, wenn von dem ganzen Reichtum nur die Hälfte übrig bleibt, weil Jack ausgerechnet das grüne Sechseck wünscht und dazu noch den roten Halbmond, den gelben Kreis und die blaue Amphore. Erst wenn alle Juwelen-Jack bezahlt haben, wird geschaut, wer mehr Schätze hat. Dieser (bei Gleichstand auch mehrere) erhält eine Piratenschiffkarte seiner Farbe zur Belohnung. Wer als erstes alle vier Karten gesammelt hat, gewinnt.

Spielwert: Man fühlt sich an das Packen auf den letzten Drücker nach einem längeren Auslandsaufenthalt erinnert: Was vor dem Urlaub noch akkurat in die letzte Ritze geplant wurde, segelt kurz vor der Abreise zusammengeknüllt in den Koffer. Das macht den Reiz von „Schatz-Rabatz“ aus: Unter Zeitdruck so ruhig zu bleiben, dass man die Schätze trotzdem noch vernünftig stapelt, um viel Raum in der Truhe zu nutzen.

Das Spiel ist schnell erklärt und die Taktik eigentlich vorgezeichnet: Auf die insgesamt 15 kleinen Teile sind alle scharf, erst wenn die aus der Mitte verschwunden sind, wird mit den sperrigen Schätzen aufgefüllt. Selbst wenn Juwelen-Jack den Spielern in der Regel überproportional viele von den kleinen Schätzen in Rechnung stellt, bleiben sie im Vergleich zu den größeren doch aufgrund ihres geringen Volumens wertvoller. Den ganz Kleinen („Schatz-Rabatz“ ist nach meiner Ansicht sogar schon ab vier möglich) macht das nicht viel aus. Die Größeren werden sich aber über kurz oder lang der Variante zuwenden. Da darf vor der Schatz-Hatz geguckt werden, was Juwelen-Jack verlangt. Das gibt dem ordentlichen Reaktions- und Glücksspiel eine spürbare planerische Note, die es nachhaltig interessant macht.

Würfelnote: 4 (Legende der Würfelnoten: 1 = schwach 2 = mittelmäßig 3 = ordentlich 4 = gut 5 = stark 6 = genial)

„Schatz-Rabatz“ (Noris) von Karin Hetling ist für 2 bis 4 Spieler ab 4 (laut Packung 5) Jahren und kostet etwa 20 Euro. Das Spiel ist nominiert für das Kinderspiel des Jahres. Es tritt an gegen „Push-a-Monster“ (Queen) und Spinderella (Zoch) .


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