Womit verbringen Bundesbürger Zeit? Studie zur Zeit bestätigt so manches Geschlechter-Klischee

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Die Studie bestätigt: Männer sind weiterhin Jäger und Sammler, während Frauen sich um das Zuhause und den Nachwuchs kümmern. Archivfoto: DierksDie Studie bestätigt: Männer sind weiterhin Jäger und Sammler, während Frauen sich um das Zuhause und den Nachwuchs kümmern. Archivfoto: Dierks

Osnabrück. Männer sind Jäger und Sammler, und Frauen verbringen viel mehr Zeit im Bad als Männer: Eine neue Studie des Statistischen Bundesamtes zeigt, wie die Bundesbürger ihre Zeit verbringen – und bestätigt dabei so manches Klischee.

Ein bestätigtes Klischee: Frauen verbringen mehr Zeit mit dem Haushalt sowie mit der Betreuung der Familie als Männer. In der Summe arbeiten sie pro Woche mehr – allerdings viel häufiger unbezahlt. Das ist ein Ergebnis der Zeitverwendungserhebung 2012/13 des Statistischen Bundesamtes. In der Summe sind Frauen durchschnittlich rund 45,5 Stunden mit Familienbetreuung, Haushalt, Job und Ehrenamt in der Woche beschäftigt – eine Stunde mehr als ein durchschnittlicher Mann. „Dabei leisten Frauen zwei Drittel ihrer Arbeit unbezahlt, Männer weniger als die Hälfte“, teilte das Statistische Bundesamt am Montag.

Persönlicher Bereich

Die meiste Zeit verbringen die Bundesbürger buchstäblich im Schlaf. Frauen schlafen mit durchschnittlich 8:32 Stunden etwas mehr als Männer (8:26). Mit Essen und Trinken verbringen Frauen und Männer weitgehend gleich viel Zeit (Ø 1:41 Std.). Die Studie bestätigt ferner: Frauen verbringen mehr Zeit mit Körperpflege und Anziehen (0:51) als Männer (0:43).

Soziale Kontakte

Mag es daran liegen, dass Frauen sich häufiger und mehr dem Bereich des Soziallebens und der eigenen Unterhaltung widmen? Das sei dahingestellt. Fest steht hingegen: Mehr Frauen als Männer pflegen soziale Kontakte, und sie wenden ferner mehr Zeit für sie auf. Mit 27 Minuten verwenden Frauen etwas mehr Zeit für Gespräche als Männer mit 25 Minuten. Mit 13 Minuten telefonieren Frauen durchschnittlich zudem mehr als doppelt so lange wie Männer mit 6 Minuten.

Mediennutzung

Einen beträchtlichen Anteil nimmt die Mediennutzung ein. Durchschnittlich 3:03 Stunden verbringen die Bundesbürger mit Buch, PC und Smartphone. Die meiste Zeit geht vor dem Fernseher drauf: Acht von zehn Männern und Frauen sitzen täglich vor der Glotze. Männer schauen 2:43 Stunden fern (inkl. DVD), Frauen 2:28 Stunden. Nimmt man auch die Nicht-Fernsehgucker hinzu, beträgt der Durchschnitt bei den Männern 2:10 und bei den Frauen 1:58 Stunden. Lesen bringt es immerhin noch auf 31 Minuten bei den Männern und 34 Minuten bei den Frauen. Mit Computer und Smartphone beschäftigen sich die Männer durchschnittlich 29 Minuten am Tag und die Frauen 16 Minuten. Betrachtet man aber nur die Nutzer dieser Geräte, summiert sich die Zeit auf 1:15 bei den Männern und 1:03 Stunden bei den Frauen.

Sport und Hobby

Dass Männer weniger intensiv ihre sozialen Kontakte pflegen, mag daran liegen, dass sie weniger Zeit dafür haben. Denn Männer widmen sich zwar nur etwas häufiger Sport und Hobbys – dafür aber wesentlich länger. Durchschnittlich 1:08 Stunden verbringen alle Männer mit Aktivitäten wie Sport (29 Minuten) und Spielen (24 Min.). Frauen widmen diesem Bereich insgesamt nur 51 Minuten.

Klischee des Jägers und Sammlers

Übrigens: Unter den Hunderten der aufgelisteten Aktivitäten gibt es lediglich eine Kategorie, mit der sich von allen Befragten ausschließlich Männer beschäftigen: Jagen, Fischen und Sammeln. Zwar betrifft das nur 0,4 Prozent der Männer; die hingegen beschäftigen sich durchschnittlich 2,23 Stunden mit diesem Hobby, während sich ja die Frauen um Haushalt und Kinder kümmern. Das Steinzeitmodell scheint folglich noch nicht aus der Mode gekommen zu sein ...


Die Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes gehört zu den umfassendsten Studien zur Zeitverwendung in Deutschland. Sie findet unregelmäßig statt. Nach den bisherigen Zeitbudgeterhebungen 1991/1992 und 2001/2002 ist die Zeitverwendungserhebung 2012/2013 die dritte repräsentative Befragung dieser Art, die das Statistische Bundesamt in Zusammenarbeit mit den Statistischen Ämtern der Länder durchgeführt hat. Rechtsgrundlage ist § 7 Absatz 1 des Bundesstatistikgesetzes. Die Auskunftserteilung ist freiwillig. Die Durchführung wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell gefördert und damit erst ermöglicht. Die Erhebungsgesamtheit der Zeitverwendungserhebung 2012/2013 umfasst alle Privathaushalte am Ort ihrer Hauptwohnung. Um die teilnehmenden Haushalte zu bestimmen, wurde eine Quotenstichprobe gezogen. Dadurch wurde gewährleistet, dass die absolute Teilnehmerzahl besonders interessierender Bevölkerungsgruppen groß genug ist, um sie trotz des insgesamt relativ kleinen Stichprobenumfangs bei Ergebnissen separat ausweisen zu können. Um saisonale Verzerrungen zu vermeiden, erstreckte sich die Erhebung kontinuierlich über den Zeitraum August 2012 bis Juli 2013. In den ausgewählten Haushalten wurde jeweils ein Haushaltsfragebogen ausgefüllt. Alle Personen ab 10 Jahren wurden darüber hinaus mittels Tagebuch und Personenfragebogen befragt. Jede Person ab 10 Jahren wurde gebeten, an zwei Tagen zwischen Montag und Freitag und einem Tag am Wochenende ihren Tagesablauf in 10-Minuten-Intervallen in einem Tagebuch zu dokumentieren. Neben der Haupttätigkeit, der die Person jeweils nachging, wurden weitere Teilaspekte der Zeitverwendung abgefragt, etwa welche weiteren Personen bei dieser Tätigkeit beteiligt waren. Gegebenenfalls konnte eine gleichzeitig ausgeführte Nebenaktivität und bei Wegstrecken das genutzte Fortbewegungsmittel festgehalten werden. Haushalts- und Personenfragebogen bieten darüber hinaus soziodemografische Informationen und vertiefte Angaben zur Zeitverwendung und zum subjektiven Zeitempfinden.

Nach Abschluss der Aufbereitung umfassen die Daten Informationen von 5 040 Haushalten und 33 842 Tagebuchtagen von Personen ab 10 Jahren. Diese wurden auf die im Mikrozensus nachgewiesenen privaten Haushalte am Ort ihrer Hauptwohnung hochgerechnet. Um eine statistische Auswertung der vielfältigen frei eingetragenen Haupt- und Nebenaktivitäten zu ermöglichen, wurden diese anhand eines Aktivitätenverzeichnisses vereinheitlicht und zusammengefasst. Die Aktivitäten sind in einer hierarchisch gegliederten Liste angeordnet, die aus 9 einstelligen Hauptkategorien, 48 zweistelligen Unterkategorien und 165 dreistelligen Aktivitätscodes besteht. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

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