Partner, Job, Geld Die häufigsten Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit

Etwa sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Der häufigste Grund dafür: Es fehlt der passende Partner. Foto: dpaEtwa sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Der häufigste Grund dafür: Es fehlt der passende Partner. Foto: dpa

Osnabrück. Etwa sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Dafür gibt es medizinische Ursachen – der häufigste Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch ist jedoch ein ganz anderer.

Laut einer Studie des Allensbach-Instituts im Auftrag des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung aus dem Jahr 2007 spielt das Fehlen des richtigen Partners bei unerfülltem Kinderwunsch die wichtigste Rolle. Fast jeder zweite 25- bis 59-jährige Kinderlose, der gerne Kinder gehabt hätte, gab bei der Befragung an, dass er nicht den passenden Partner (gehabt) habe.

Doch selbst wenn der passende Partner da ist, schieben viele Paare das Kinderkriegen auf später, wie die Studie ergab. „In Deutschland herrscht gelegentlich die Auffassung, man müsse erst einmal die Ausbildung abschließen, dann im Erwerbsleben Fuß fassen und finanziell abgesichert sein, bevor man überhaupt über eine Familiengründung nachdenken könne“, schreiben die Wissenschaftler.

Die familienunfreundlichsten Branchen

So nannten bei der Studie, bei der eine Mehrfachnennung möglich war, rund 25 Prozent der Befragten berufliche und finanzielle Gründe als Ursache ihrer Kinderlosigkeit. Dass es mit dem Schwangerwerden nicht geklappt hat, hingegen nur 13 Prozent. Selbst wenn die Karriere schließlich in Schwung kommt, befürchten viele Nachteile am Arbeitsplatz, wenn sie nun ein Kind bekämen. Allerdings sind von diesen beruflichen Zwängen längst nicht nur Akademikerinnen betroffen. Entscheidender als der Bildungsgrad sind demnach die Arbeitsbedingungen. Erhebungen aus Schweden haben ergeben, dass Ärztinnen und Lehrerinnen seltener kinderlos bleiben als Angestellte in Restaurants und Hotels. Ähnlich sieht es in Deutschland aus. „Besonders wenige Kinder haben Frauen, die im Journalismus oder im höheren Management arbeiten, in Bereichen also, die den Arbeitnehmern eine hohe zeitliche Flexibilität und Mobilität abfordern“, heißt es in der Studie. Zudem sei in Deutschland anders als in Frankreich oder Schweden immer noch die Annahme verbreitet, dass es den Kindern schade, wenn die Mutter erwerbstätig ist.

Kinder nicht mehr selbstverständlich

Die Soziologin Marina Rupp nennt schließlich auch die Entscheidung für Kinder selbst als Grund für eine Kinderlosigkeit. In Zeiten von aktiver Familienplanung und Verhütung müssen sich Paare nämlich aktiv für ein Kind entscheiden: „Damit hat sich die Logik der Entscheidung quasi verkehrt: Aus der Selbstverständlichkeit, Kinder zu bekommen, ist eine Entscheidung von außergewöhnlicher Tragweite und Bedeutung geworden“, schreibt die Wissenschaftlerin in ihrem Aufsatz „Kinderlosigkeit in stabilen Ehen“ . Während früher also einfach Kinder in die Welt gesetzt wurden, ohne sich darüber groß weitere Gedanken und Sorgen zu machen, schieben heute viele Paare den Wunsch auf. So lange, bis es biologisch schließlich zu spät ist.


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