Plattform „Rank a Brand“ Wie man im Internet nachhaltige Unternehmen findet

Der Outdoor-Spezialist Vaude ist ein positives Beispiel für nachhaltige Produktion von Textilien. Foto: dpaDer Outdoor-Spezialist Vaude ist ein positives Beispiel für nachhaltige Produktion von Textilien. Foto: dpa

Osnabrück. Immer mehr Menschen möchten wissen, wie etwa ihre Kleidung hergestellt wurde. Die Internetplattform „Rank a Brand“ bewertet Unternehmen und gibt Orientierung.

Wer Lebensmittel oder Blumen einkaufen geht, kann am Fairtrade-Siegel gut erkennen, ob ein Produkt „fair“ oder konventionell hergestellt wurde. Verbrauchern, denen faire Produktionsbedingungen wichtig sind, wird es so leicht gemacht. Was aber ist mit Telekommunikationsunternehmen, Textilherstellern und Stromerzeugern? Die Betreiber der Internetplattform „Rank a Brand“ (dt.: Bewerte eine Marke) haben es sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen anhand ihrer Bemühungen für Klima- und Umweltschutz sowie für faire Arbeitsbedingungen zu bewerten, um Käufern eine Orientierung zu geben. (Weiterlesen: Greenpeace: H&M, Zara und Primark produzieren sauber)

„Die Kriterien zu unseren Bewertungsfragen entwickeln wir selbst“, sagt Mario Dziamski, Gründer von „Rank a Brand“ Deutschland. Auf ihrer Homepage können Interessierte alle Details zu den Bewertungskriterien einsehen. „Grundsätzlich haben wir drei Themenschwerpunkte: Klimaschutz, Umweltschutz sowie faire Arbeitsbedingungen in der Produktion.“ Je nach Branche unterscheiden sich allerdings die Themen sowie die Gewichtung der jeweiligen Schwerpunkte, so Dziamski. Bei den Rankings zu Modemarken, Lebensmitteln, Reiseanbietern und Unterhaltungselektronik lägen die Schwerpunkte etwa bei den Umweltthemen sowie Arbeitsbedingungen. Bei Rankings für Webunternehmen wie Google oder Facebook und Telekommunikationsdienstleistern wie Vodafone oder Telekom hätten hingegen die Bewertungsfragen zum Klimaschutz das größte Gewicht.

Nicht alle Unternehmen begeistert

Bewertet werden die Unternehmen von ehrenamtliche Helfern, sogenannten Volunteers. Dies seien meist Studenten, aber auch Berufstätige, Rentner oder Menschen, die sich beruflich neu orientieren wollen. „Aktuell sind rund 35 Volunteers aktiv. Die meisten kommen aus den Niederlanden oder Deutschland, denn in diesen Ländern ist Rank a Brand aktiv“, so Dziamski. Koordiniert sowie verifiziert würden die erstellten Rankings durch zwei festangestellte Mitarbeiter. (Weiterlesen: Adidas verzichtet nach Protesten auf Giftstoffe)

Die Ergebnisse der Rankings sind sehr unterschiedlich: „In jeder Branche kann man Marken finden, die preislich im Premiumsegment sind, sich jedoch in puncto Maßnahmen und Resultate für mehr Nachhaltigkeit nicht von Anbietern günstigerer Markenhersteller unterscheiden“, erklärt Dziamski. Letztlich überzeugten aber vor allem die Unternehmen, die Nachhaltigkeit in das Zentrum ihrer unternehmerischen Tätigkeit rücken. Positive Beispiele seien demnach: Neumarkter Lammsbräu oder Lebensbaum im Lebensmittelbereich, Fairphone bei Unterhaltungselektronik oder Freitag, Vaude, hessnatur oder Ethletic bei Bekleidung. Beachtenswert seien zudem Unternehmen wie die Rewe Gruppe, Kering (Markeneigner von Puma, Gucci und Stella McCartney), H&M Group (Markeneigner von H&M, Cheap Monday und COS), Timberland oder G-Star, welche in ihren jeweiligen Branchen mitunter große Marktanteile aufweisen und durch eine klar erkennbare strategische Neuausrichtung hin zu mehr Nachhaltigkeit die gesamte Branche beeinflussen.

Lernende Organisation

Das Prinzip legt nahe, dass nicht alle Unternehmen restlos begeistert sind: „Die Unternehmen werden über unsere Rankings immer in Kenntnis gesetzt. Die Reaktionen sind recht unterschiedlich, jedoch klar überwiegend konstruktiv. Bis dato hat jedenfalls noch kein Unternehmen ernsthaft versucht, dass wir deren Ranking offline nehmen“, so Dziamski. Zudem würden immer mehr Unternehmen auf die Bewertungen reagieren. Am engagiertesten werde der Dialog allerdings seitens Unternehmen geführt, die sich des Themas Nachhaltigkeit ernsthaft angenommen hätten. „Solche Unternehmen informieren uns mitunter auch direkt, wenn neue Berichte oder Informationen zur Nachhaltigkeit veröffentlicht wurden und somit vielleicht Relevanz für unser Ranking aufweisen.“

Darüber hinaus würden die Volunteers den Unternehmen auch Hinweise geben, was sie besser machen können. Das bezieht sich sowohl auf Maßnahmen, die sie umsetzen könnten, sowie auf eine bessere Berichterstattung zur Nachhaltigkeitsleistung. „Wir begreifen uns aber ebenfalls als eine lernende Organisation, die sich selbst ständig weiterentwickelt“, sagt Dziamski.


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