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25.04.2015, 07:03 Uhr KOLUMNE

Abstauber der Emanzipation: Sind Väter die besseren Mütter?

Von Daniel Benedict

Sind Väter die besseren Mütter? Foto: dabSind Väter die besseren Mütter? Foto: dab

Berlin. Werden Väter von Frauen bevormundet? Sind sie in Wahrheit die besseren Mütter? Unser Elternkolumnist spricht Tacheles!

In der letzten Woche hat Corinna Berghahn unseren Kolumnisten gefragt: Du warst ein Jahr raus aus der Arbeit, um Dich ums Kind zu kümmern. Wurdest Du als Mann und Vater in der Zeit ernst genommen? Oder gab es gerne einmal ungefragt Ratschläge von Fremden, wenn das Kind weinte? Dies ist die Antwort:

Liebe Corinna!

Es stimmt. Ich wurde als Mann und Vater diskriminiert. Und zwar genau ein einziges Mal. Auf dem Markt hat eine wirre Megäre sich von meinem Kinderwagen bedrängt gefühlt und verkündet: Männer können keine Wagen schieben. Das war schon in der Steinzeit so. Ich wollte pro forma aufbrausen, aber eine gütige Seniorin hat mir den Arm getätschelt und meiner Feindin einen Vogel gezeigt. Alle haben die Frau verrückt gehalten.

Ansonsten höre ich nur Lob und Jubel. Auf dem Spielplatz gelte ich als Genie der Vertrauensbildung, seit sich ein sehr scheues Kind auf meinen Schoß gesetzt hat. Wegen meines Handys vermute ich. Beim Spielen beantworte ich gerne Dienstmails. Unsere Tagesmutter hat schon in der Eingewöhnung meine Engelsgeduld bewundert. Logisch. Jahre im Büro haben mich stumpf werden lassen.

In Wahrheit bin ich ein Abstauber der Genderdebatte. Weil ich mich überhaupt auf Spielplätzen und beim Babybaden blicken lasse, heiße ich allerorten „der anwesende Vater“. Ganz normale Sachen gelten bei mir als höchst erstaunlich und wunderbar, weil ein Mann sie tut. Anders als meine Partnerin stehe ich zum Beispiel aufs Tragetuch; eine Freundin von mir kann diesen spektakulären Fall von verkehrter Welt kaum glauben. Sie selbst hat ihrer Freundin geheiratet und zwei Kinder mit ihr – und findet mein Rollenverhalten unerhört modern!

Die Erwartung an Väter ist so lächerlich gering, dass ich nur gewinnen kann. Selbst du überschätzt meinen Einsatz für die Familie. In Wahrheit habe ich gar kein Jahr ausgesetzt, sondern auf 25 Prozent reduziert und heimlich viel mehr gearbeitet. Ausgesetzt hat meine Freundin, aber an mir loben alle den heroischen Verzicht. Dass Männer nicht in Vollzeit arbeiten wollen, ist bis heute unvorstellbar. Ich erzähle manchmal zum Spaß, dass ich mein erstes Kind gestillt habe und das nächste auch austragen will. Die Reaktionen sind nicht halb so aufgeregt wie die auf mein Teilzeit-Modell.

Soweit, liebe Corinna, ich muss schließen. Ich einer halben Stunde geht’s ja schon wieder zum Schwangeren-Yoga.

Viele Grüße!

Daniel

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