Innovative Start-ups machen es möglich Wie sich mit Tweets und Posts Geld verdienen lässt

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Osnabrück. Wer im Internet einkauft, zahlt oft per Kreditkarte, Paypal oder Bank. Doch neben Dollar und Euro können wir nun auch per Tweet oder Post bezahlen. Kreative Start-ups verändern den Markt.

Ob Schuhe oder Smartphone, Bücher oder Küchenutensilien – im Internet, dem Land der unbegrenzten Einkaufsmöglichkeiten, kann ein kaufwilliger Kunde alles erstehen, was das Herz begehrt. Dafür muss er weder das Haus verlassen noch Bargeld zücken. Vielmehr zahlt er bequem per Kreditkarte, Bankeinzug oder Paypal. Doch eine neue Währung kommt nun neben Euro oder Dollar hinzu: der Tweet oder Post. Soziale Netzwerke und kreative Start-ups machen es möglich.

„Pay with a Tweet“ als alternativer Bezahldienst

Das Hamburger Unternehmen „Pay with a Tweet“ (zu deutsch: Bezahl mit einem Tweet) hat das alternative Bezahlmodell bereits vor fünf Jahren auf den Markt gebracht. Die beiden Gründer Leif Abraham und Christian Behrendt entwickelten das Tool, um damit ein Buch zu vermarkten. Doch danach blieb „Pay with a Tweet“ im Entwicklungsstadium stecken. Vor einem Jahr erwachte das deutsch-amerikanische Start-up mit Sitz in Hamburg durch eine Investition von Hanse Ventures aus dem Schönheitsschlaf und will nun durchstarten.

Rabatt oder Gutschein für einen Tweet

Doch wie funktioniert das System? Im Prinzip entscheiden die Nutzer: Entweder kaufen sie ein Produkt regulär im Online-Shop und zahlen den normalen Preis. Wenn sie jedoch darüber twittern oder einen Post bei Facebook absetzen, auch „Social Currency“ genannt, erhalten sie einen Gutschein für den Online-Shop, einen Rabatt oder sogar das ganze Produkt. Wie viel der Kunde für seine öffentliche Nennung erhält, bleibt den Unternehmen überlassen. Die Hälfte aller „Pay with a Tweet“-Kunden seien Online-Shops, sagt Geschäftsführer Aaron Keilhau. Auch für Verlage, Autoren oder Musiker sei der Service sehr interessant. Eine Band zeigt mit ihrem neuen Album warum. Die Musikgruppe verschenkte einen Musiktitel für einen Tweet. 30000 Shares und 90000 Seitenaufrufe ihrer Homepage folgten. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie ein Schneeballsystem. Eine für Unternehmen geniale Strategie, um im Netz bekannter zu werden und mehr Absatz zu generieren.

Kennzeichnungspflicht, sonst Schleichwerbung

Doch wie sind diese Posts einzustufen? Wenn Freunde oder Verwandte einen tollen Song oder einen Tipp für ein gutes Restaurant teilten, kamen Nutzer bislang nicht auf die Idee, dass es aus einem finanziellen Vorteil geschieht. Handelt es sich bei diesen Posts nun um Schleichwerbung oder ist es ein Geschäftsmodell, von dem viele Seiten profitieren?

Um Schleichwerbung handelt es sich nicht, wenn die Beiträge klar gekennzeichnet sind, sagt Nina Diercks, Rechtsanwältin und Gründerin des „Social Media Recht Blogs“. Facebook-Freunde oder Follower, die sich von diesen Beiträgen gestört fühlen, können deshalb auch nicht dagegen vorgehen. „Als Spam gelten nur direkte Nachrichten, wie etwa die klassische E-Mail oder oder Twitter-Direct-Messages“, sagt Diercks. So sei die Idee der Start-ups mit Advertorials in Printprodukten zu vergleichen.

Neue Kunden werden gewonnen

Mit „Pay with a Tweet“ bieten Aaron Kielhau und sein Team jedoch mehr als klassisches Marketing an. „Unternehmen fragen sich: wie schaffe ich es, dass meine Kunden meine Produkte empfehlen?“, sagt der Geschäftsführer. „Unser Service verschafft ihnen durch die Tweets und Posts echte Markenbotschafter.“ Doch nicht nur authentische Markenbotschafter, sondern auch Neukunden würden gewonnen. „Wenn von 100 potenziellen Kunden eine Person das Produkt kauft, dann kann man sich ausmalen, was bei 100000 Shares passiert“, sagt er. „Und diese Reichweite erhalten unsere Kunden mit einem Tool, das vergleichsweise günstig ist.“ Mehr als 40000 Kampagnen hat „Pay with a Tweet“ bereits initiiert. Erfolgreiche Aktionen könnten zu einer Umsatzsteigerung von mehr als 60 Prozent führen. Bislang gab es hierfür eine kostenlose Version. In dieser wurde der Beitrag automatisch konfiguriert, lediglich das Kommentarfeld konnte individuell gefüllt werden. In Zukunft möchten die Hamburger ein kostenpflichtiges Premiummodell anbieten. Dieses könne mit einer Designfunktion eigens gestaltet werden.

Deutsche Konkurrenz wächst

In Amerika wird dieser Service schon voll angenommen. In Deutschland wächst ihr Markt. Mit dem Start-up „Pay or Share“ (zu deutsch: Bezahle oder teile), das von Max Fielker und Fiona Brandes gegründet wurde, kam Anfang 2015 ein neuer deutscher Konkurrent auf den Markt. Auch „Pay or Share“ operiert von Hamburg aus und kooperiert mit Facebook, LinkedIn, Xing, GooglePlus und Twitter. Dabei agiert das Start-up als Schnittstelle zwischen Unternehmen und den Social-Media-Konzernen. Kunden von „Pay or Share“ erhalten nicht nur Markenbotschafter, sondern erfahren auch mehr über die Nutzer. „Die sozialen Netzwerke übermitteln uns Daten der Nutzer. Dann wissen wir mehr zu ihrem Hintergrund“, sagt Fiona Brandes. Und diese Informationen werden für die Kunden aufbereitet.

Dass soziale Netzwerke diese Informationen verfolgen und weitergeben, ist nichts Neues. Dennoch sind Nutzer sozialer Netzwerke sich oft nicht im Klaren, wie sehr sie im Fokus unternehmerischer Interessen stehen. „Datenschutztechnisch sind soziale Netzwerke immer ein Problem“, sagt Nina Diercks. „Aber in diesem Fall entscheidet jeder Nutzer selbst. Niemand wird gezwungen, über ein Produkt zu posten.“

Amerikaner sind schon einen Schritt weiter

„Der klare Deal mit unseren Daten hat Zukunft“, sagt Florian Dohmann, Informatiker und Kreativkopf aus Berlin. Im vergangenen Jahr sorgte er im Hamburger Stadtteil Eppendorf mit seinem Kunstprojekt „Datenmarkt“ für Aufsehen. Eine Woche lang mieteten sich Dohmann und seine Kollegen Maximilian Hoch und Manuel Urbanke in einer Boutique ein. Statt teurer Handtaschen wurden nun Knödel, H-Milch, Fruchtkonserven und Toastbrot verkauft. Bezahlt wurde jedoch nicht mit Geld, sondern mit Informationen aus dem Facebook-Profil. So kostete eine Packung Knödel fünf Facbook-Nachrichten. „Der Datenmarkt sollte sensibilisieren und zeigen, was mit unseren Daten gemacht wird“, sagt Dohmann. Die Reaktionen der Käufer überraschten ihn: Von 100 Kunden zogen ungefähr nur zwei ihren Einkauf zurück, die restlichen 98 gaben ihre Daten preis.

Für Dohmann sind Start-ups wie „Pay or Share“ oder „Pay with a Tweet“ bereits überholt. „Für unsere Daten erhalten wir die kostenlose Nutzung vieler Portale. Dennoch wissen wir nicht, was mit unseren Informationen passiert.“ Dohmann fordert daher einen klaren Deal. Dies bedeute nicht unbedingt, dass Nutzer für ihre Daten Geld bekommen. Dennoch könnte dies eine Option sein. Amerikanische Unternehmen machen bereits vor, wie das funktioniert. So zahlt das New Yorker Unternehmen „Datacoup“ Usern, die Zugriff zu Facebook-Likes, Tweets oder Zahlungshistorien geben, zwischen fünf und acht Dollar im Monat. Anschließend werden diese Daten analysiert und an Unternehmen weitergegeben. Letztendlich muss jedoch jeder Nutzer selbst entscheiden, was ihm seine Daten wert sind und ob er sich auf den Deal einlässt. Sei es für ein Musikalbum, Bares oder Rabatte.


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