Max und Moritz Wilhelm Busch Moritz‘ und das Fetale Alkoholsyndrom


Osnabrück. Max und Moritz sind aus der Kinderliteratur nicht wegzudenken. Der Mediziner Reinhold Feldmann ist sich jedoch sicher, dass der blonde Moritz unter dem Fetalen Alkoholsyndrom leidet. Warum, erklärt er hier:

Wilhelm Buschs Moritz sei vom Aussehen ein ganz typisches FAS-Kind, sagt Feldmann: Schmale Oberlippe, dünne Haare, kurze Nase. „Das Verhalten passt ebenfalls zu dem Krankheitsbild, denn er läuft dem Max immer hinterher und guckt, was der macht.“ Auch FAS-Kinder haben wenige eigene Spielideen und laufen anderen Kindern hinterher – und lassen sich dann auch zu Untaten verleiten, ohne diese zu hinterfragen. Manchmal werden sie von den anderen schlaueren Kindern auch vorgeschickt. „Moritz macht die ganze Zeit gar nichts, Bösewicht ist eigentlich eher der adipöse Max. Am Ende wird Moritz trotzdem mitbestraft.“ Der Doktor der Medizin kümmert sich in der im Münsterland liegenden Tagesklinik Waldstedde um Kinder und Jugendliche, die unter dem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) leiden. Auf der Website www.fetales-alkoholsyndrom.de klärt er über die Krankheit auf. (Weiterlesen: Wenn Mütter ihre Kinder behindert trinken)

Zu Zeiten Wilhelm Buschs wurde viel getrunken

Aufmerksam wurde Feldmann auf diese Ähnlichkeit der fiktionalen Gestalt und seinen Patienten durch Zufall: „Ich hatte angefangen, mich mit FAS bei Kindern zu befassen und dann ist mir zufällig wieder ,Max und Moritz‘ in die Hände gefallen. Beim Lesen dachte ich nur: Da ist ja noch einer!“ Nachweisen kann Feldmann seine Diagnose nicht, denn Moritz ist eine Kunstfigur.

Aber es passt zu Buschs Biographie: „Wilhelm Busch kommt aus dem niedersächsischen Dorf. In seiner Biographie hat er darüber geschrieben, wie die Leute dort tagtäglich Alkohol tranken – meist Korn“, erklärt Feldmann. Also muss er die durch Alkohol geschädigten Kinder sicher auch gesehen haben.

Hinweise auf Moritz helfen dem Doktor der Medizin jedenfalls sehr, die abstrakte Krankheit FAS zu erklären.


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