zuletzt aktualisiert vor

Nicht mehr ohne TÜV Ab 1. April 2015: Strengere Regeln für Kurzzeitkennzeichen

Von Waltraud Messmann

Das Kurzzeitkennzeichen für Überführungs- oder Probefahrten bekamen bisher auch Fahrzeuge ohne gültige Kfz-Hauptuntersuchung - das ändert sich ab dem 1.April. Foto: dpaDas Kurzzeitkennzeichen für Überführungs- oder Probefahrten bekamen bisher auch Fahrzeuge ohne gültige Kfz-Hauptuntersuchung - das ändert sich ab dem 1.April. Foto: dpa

Osnabrück. Vom 1. April 2015 an ist es vorbei mit Probe- und Überführungsfahrten ohne TÜV: Die Regeln für die Vergabe von Kurzzeitkennzeichen werden ab dem 1. April verschärft.

Eine Ausnahme gibt es jedoch: Fahrten zur nächstgelegenen Werkstatt oder Untersuchungsstelle sind auch weiterhin ohne TÜV erlaubt. Allerdings nur dann, wenn das Fahrzeug verkehrssicher ist.

Bisher ließen sich mit den Kurzzeitkennzeichen fast alle Autos bequem nach Hause transportieren. Für knapp 100 Euro gab es fünf Tage Versicherungsschutz und damit die Erlaubnis zum Fahren. Bedingung: Das Auto musste verkehrssicher sein und durfte nur auf Probe-, Überführungs- und Einstellungsfahrten bewegt werden. Es genügte eine schriftliche Bestätigung des Antragstellers über die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs, um die schwarz-weiß-gelben Nummernschilder für Probe- oder Überführungsfahrten zu erhalten. Es war faktisch möglich, mehrere Fahrzeuge hintereinander mit demselben Kurzzeitkennzeichen zu versehen, da das Kennzeichen ohne Konkretisierung auf ein bestimmtes Fahrzeug ausgegeben wird.

Lesen Sie hier: Eine Gegenüberstellung des ADAC der neuen und der alten Regeln

Das öffnete dem Missbrauch Tür und Tor: So sollen zum Beispiel österreichische Autohändler, die deutschen Kurzzeitkennzeichen genutzt haben, um Fahrzeuge in den Osten zu verkaufen. Grenznahe Zulassungsstellen sollen mehr als 1.000 Kurzzeitkennzeichen pro Tag ausgegeben haben.

Die Kennzeichen würden weiterverkauft, verkehrsunsichere Fahrzeuge seien auf den Straßen unterwegs – ohne dass man den fahrenden Schrotthaufen einem Halter zuordnen könne, lautete die Kritik an der jetzt auslaufenden Regelung für Kurzzeitkennzeichen . Die betreffenden Fahrzeuge seien in keinem Fahrzeugregister gespeichert worden. Durch Weiterverkauf der Kennzeichen sei die Feststellung des jeweiligen Halters anhand eines Registereintrags bisher nicht möglich gewesen. Mit der Neuregelung der Vergabe von Kurzzeitkennzeichen ab dem 1. April möchte das Bundesverkehrsministerium das ändern.

Vor allem für Old- und Youngtimerfans ist die Neuregelung aber ärgerlich: Ab dem 1.April dürfen sie ihre Lieberhaberstücke ohne gültige HU nicht mehr ohne weiteres zum Restaurieren nach Hause fahren. Ihnen bleibt wohl nur, sie auf einen Trailer zu verladen. Und das kann teuer werden.Betroffen sind von der neuen Regelung auch Gebrauchtwagenkäufer, die ein Auto mit abgelaufenem TÜV kaufen wollen: Probefahren ist nicht mehr erlaubt.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Wann bekomme ich ab dem 1.April 2015 ein Kurzzeitkennzeichen?

Kurzzeitkennzeichen werden ab dem 1. April 2015 zugeteilt, wenn

-das Fahrzeug den Zulassungsbehörden bekannt ist,

-eine gültige Hauptuntersuchung (HU)/Sicherheitsprüfung (SP) nachgewiesen wird ,

-das Fahrzeug im Fahrzeugschein konkret bezeichnet wird.

Gibt es Ausnahmen von dieser Regel?

Fahrten ohne Hauptuntersuchung sind nach der neuen Regelung in folgenden Fällen möglich:

-bis zu einer Prüfstelle im Zulassungsbezirk, der das Kennzeichen ausgestellt hat. Ebenso Rückfahrten.

-zur unmittelbaren Reparatur festgestellter erheblicher oder geringer Mängel in einer nächstgelegenen Werkstatt im Zulassungsbezirk, der das Kennzeichen ausgestellt hat oder in einem angrenzenden Bezirk und zurück. Dies gilt nicht für Fahrzeuge, die bei der Überprüfung als verkehrsunsicher eingestuft wurden. Damit soll verhindert werden, dass Fahrzeuge am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, die die Verkehrssicherheit in erheblichem Maße beeinträchtigen.

Und was ist mit der Versicherungspflicht?

Sie bleibt unangetastet. Eine gültige Kfz-Haftpflichtversicherung reicht dem Gesetzgeber aus. Diese kann der Antragsteller beim Kfz-Versicherer seiner Wahl abschließen. Er erhält den Nachweis in Form einer elektronischen Kurzeitkennzeichen-Versicherungsbestätigung.

Gelten für Händlerkennzeichen (rote 06er-Schilder) die neuen Beschränkungen ebenfalls?

Nein. Kraftfahrzeughersteller, Kraftfahrzeugteilehersteller, Kraftfahrzeugwerkstätten und Kraftfahrzeughändler, denen ein rotes Kennzeichen (sog. Händlerkennzeichen) zugeteilt werden kann, unterliegen aber erhöhten Anforderungen insbesondere hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit


2 Kommentare