Heimische Sträucher beliebt Wie wird der Garten tiergerecht?

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Meppen. Der Frühling hält Einzug. Die ersten Arbeiten im Garten beginnen. Möchte man sie mit tierischem Leben füllen, sind heimische Blüten- und Fruchtsträucher unschlagbare Helfer.

Bis zu 60 Vogelarten fressen zum Beispiel an der Eberesche (Vogelbeere), aber auch Weißdorn und Holunder sind sehr beliebt. „Unzählige Insekten, Schmetterlingsraupen, Schwebfliegen, Hummeln, Wildbienen, Prachtkäfer und Nachtfalter stellen sich ein“, so die Meppener Diplombiologin Jutta Over. Diese Sträucher hätten „ganz besondere Blühaspekte, tragen leuchtende Früchte und haben teilweise eine schöne Herbstfärbung, sodass man alle Jahreszeiten daran erleben kann“. Dazu lieferten einige der Sträucher Früchte, die auch für den Menschen essbar sind.

Die meisten Wildsträucher sind anspruchslos

Die meisten Wildsträucher seien anspruchslos und ließen sich immer wieder zurückschneiden, damit sie dicht werden und nicht zu viel Platz wegnehmen. „Allerdings sollte man sie nicht als gerade Hecke schneiden, denn dann kommen sie nicht zur Blüte“, rät Over , Geschäftsführerin der Nabu -Regionalgeschäftsstelle Emsland/Grafschaft Bentheim. Besser sei es, „immer wieder mal einzelne Äste abzuschneiden und vielleicht alle fünf bis acht Jahre den Strauch auf den Stock zu setzen, also 30 bis 50 Zentimeter über dem Boden ganz abzuschneiden.

Wer Insekten (und damit auch allen insektenfressenden Vögeln) eine Nahrungsquelle bieten möchte, sollte auf nektarreiche Blüten achten. Viele heimische, aber auch eingebürgerte Stauden hätten einen hohen Zierwert und seien gleichzeitig wertvoll für Bienen und Schmetterlinge. Ein Paradebeispiel sei der Oregano oder Dost: Blüht er im Juli, wimmele es auf den rosa Blüten geradezu von Bienen und Schmetterlingen.

Wasserdost zieht die Insekten magisch an

Auch der bis zu zwei Meter hohe Wasserdost ziehe die Insekten magisch an. Für Insekten wertlos seien gefüllte Blüten, da die Staubgefäße, die eigentlich Pollen liefern sollen, in diesen Blüten zu Blütenblättern umgezüchtet wurden. Das bedeutet, dass die leuchtende farbige Blüte zwar die Insekten anlocke, diese aber dann hungrig weiterfliegen müssten und nur Energie verschwendet hätten. Daher sollte man Tagetes, Begonien, Tausendschön und viele andere Zierpflanzen nur (oder zumindest überwiegend) in der ungefüllten Form pflanzen.

Abgeblühte Stauden

Es empfiehlt sich, abgeblühte Stauden noch eine Weile stehen zu lassen, denn die Samen werden gern von Vögeln (zum Beispiel dem Distelfink) gepickt. In den hohlen Stängeln überwinterten Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegen.

Viele insektenfressende Vogelarten ziehen im Winter bekanntlich in den Süden, weil das Angebot an Insekten und Spinnentieren bei uns in der kalten Jahreszeit sehr begrenzt ist. Einige unserer beliebtesten Gartenvögel (Rotkehlchen, Zaunkönig und Heckenbraunelle) sind ebenfalls Insektenfresser, aber sie bleiben im Winter bei uns. Sie haben es besonders schwer, Nahrung zu finden. Futterhäuschen, die mit Körnermischungen bestückt sind, helfen nicht weiter. Diese Vögel suchen im Winter ihre Nahrung in Gebüschen, in Laub- und Reisighaufen, unter Brombeerranken oder in dicht gewachsenen Kletterpflanzen. „Wenn Sie solche Bereiche in Ihrem Garten schaffen, werden die Vögel es Ihnen danken“, betont Over im Gespräch mit unserer Redaktion .

Sofortbiotop

Als „Sofortbiotop“ gelten Reisighaufen. „Kaum hat man sie aufgeschichtet, kommt schon der Zaunkönig und inspiziert seine neue Fluchtburg. Auch das Rotkehlchen und die Heckenbraunelle nisten gern darin“, berichtet Over. Ist der Reisighaufen vielleicht noch mit dornigen Zweigen von Heckenrose oder Weißdorn ummantelt, biete er für die Buschbrüter den perfekten Schutz gegen Nesträuber. Auch Igel, Erdkröte und Spitzmaus, alle nützliche Insektenvertilger, finden in einem Reisighaufen Unterschlupf.

Wer den Anblick des Reisighaufens nicht mag, kann ihn beranken lassen. Hier bieten sich an sonnigen Standorten Buschbohnen, Wicken, Kapuzinerkresse oder Kürbis an. Im Schatten ranken Hopfen, Geißblatt oder Clematis über das Reisig.

Im Garten geschlossene Kreisläufe schaffen

Insgesamt hält es Jutta Over für sinnvoll, im Garten geschlossene Kreisläufe zu schaffen und Grünabfälle auf dem eigenen Grundstück wiederzuverwenden. Probleme könne lediglich der Rasenschnitt geben, wenn man ihn immer wieder auf die Beete oder unter die Sträucher kippe. Rasenschnitt gilt als extrem stickstoffhaltig und trägt so zur Überdüngung des Bodens und zum vermehrten Aufkommen unerwünschter Kräuter wie Brennnesseln oder Melden bei. Rasenschnitt sollte deshalb, gemischt mit anderen Materialien, kompostiert oder über die Biotonne entsorgt werden.

Laub hingegen kann einfach unter den Sträuchern liegen bleiben. Dort wird es von unzähligen Kleintieren wieder in wertvollen Humusboden umgewandelt. „Sie werden sehen, dass die Sträucher dann besser gedeihen. Außerdem ist so ein laubbedecktes Beet der beste Standort für Frühjahrsblüher“, sagt die Meppener Diplombiologin . Sie empfiehlt, Buschwindröschen, Schneeglöckchen, Waldhyazinthen, Märzbecher, Puschkinien, Lungenkraut und Haselwurz unter die Sträucher zu pflanzen und im Herbst mit Laub bedeckt zu lassen. Der Lohn sei im Frühling ein „herrlicher Blütenteppich“.

Ist der Übergang zwischen Gehölzen und Rasen etwas weicher gestaltet, kann das Laub nicht auf den Rasen wehen: Ein Wildstaudensaum oder ein Blumenwiesensaum schaffen eine optisch interessante Abgrenzung und verhinderten die Laubverwehung. Auch auf Staudenbeeten sei Laub ein guter Schutz vor Kahlfrösten.


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