Nur Nachtaktive werden munter Bei Sonnenfinsternis wollen viele Tiere nur noch schlafen

Eine Möwe fliegt an der grellen, partiell durch den Mond verdunkelten Sonne vorbei.  Foto: dpaEine Möwe fliegt an der grellen, partiell durch den Mond verdunkelten Sonne vorbei. Foto: dpa

dpa/wam Berlin. Pferde werden unruhig, Hühner ziehen sich dagegen auf ihre Stange zurück: Tiere reagieren auf eine Sonnenfinsternis ganz unterschiedlich. Während bei den einen die Nervosität steigt, wollen die anderen einfach nur schlafen.

„Tiere haben unterschiedliche Strategien, wie sie mit der plötzlichen Dunkelheit umgehen“, sagt Klaus Reiter, der an der Technischen Universität München lehrt. Er hat das Verhalten von Nutztieren bei der totalen Sonnenfinsternis 1999 untersucht.

Zwar geht der Professor davon aus, dass die Reaktionen bei der Sonnenfinsternis am 20. März - bei der die Sonnenscheibe in Mitteleuropa bis zu etwa 85 Prozent bedeckt sein wird - geringer ausfallen als 1999. Trotzdem: „Die Sonnenfinsternis signalisiert den Tieren eine beginnende Nacht und wirkt sich kurzfristig auf ihren Rhythmus aus.“

Die von ihm beobachteten Pferden standen bei der plötzlichen Dunkelheit unter Stress, berichtet Reiter. „Manche von ihnen sind auf der Weide herumgerannt, andere waren ganz ruhig, zeigten aber erhöhte Herzfrequenzwerte.“ Auch Enten wurden nervös und suchten nach Schutz. Sie flogen zur Mitte ihres Teiches und sammelten sich dort. Andere Tiere dachten dagegen, es sei Schlafenszeit: „Die Vögel wurden ganz ruhig und stellten alle Laute ein“, erinnert sich Reiter.

Nachtaktive Tiere können dagegen munter werden. Wolfgang Fiedler vom Max-Planck Max-Planck berichtet von Fledermäusen, die bei einer Sonnenfinsternis in Mexiko plötzlich losflogen, um nach Nahrung zu suchen. Auf Hunde und Katzen werde das Himmelsspektakel keinen Effekt haben, sagt Tiermedizinerin Franziska Kuhne von der Universität Gießen. „Es mag für die Tiere etwas irritierend sein, aber ohne Konsequenzen.“ Einziger Stressfaktor könne der Mensch sein, der sich plötzlich aufgeregt verhält, weil er die Sonnenfinsternis beobachten will.

Haustierbesitzer können also beruhigt sein. Und auch um die anderen Tiere muss sich niemand Sorgen machen: „Sobald es wieder hell wird, passen sich die Tiere ihrem normalen Tagesrhythmus an“, sagt Reiter.

Eine Expertin, die das Verhalten von Wildtieren während einer totalen Sonnenfinsternis in Simbawe (Afrika) beobachtet hatte, berichtete in einem Interview von einem dramatischen Effekt: „Kurz nach drei Uhr nachmittags verdunkelte sich der Himmel. Die Tiere reagierten, als sei urplötzlich die Dämmerung eingebrochen: Zikaden und Vögel verstummten; stattdessen schwirrten Mücken durch die Luft. Schmetterlinge falteten ihre Flügel zusammen und setzten sich zur Nachtruhe. Die Nilpferde reckten wie auf Kommando ihre Köpfe aus dem Wasser und begannen, ihre behäbigen Leiber an Land zu wuchten, um grasen zu gehen.“ Auch das Ende der Finsternis habe große Verwirrung ausgelöst: „Die Schmetterlinge entfalteten ihre Flügel auch dann nicht wieder, als die Sonne zum Vorschein kam. Und die Nilpferde waren am Morgen nach dem Ereignis noch nicht an ihren üblichen Platz im Wasser zurückgekehrt.“ .


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