Entsorgung alter Geräte Wohin mit meinem Elektroschrott?

Von dpa

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Die Bundesregierung hat die Reform des Elektrogerätegesetzes beschlossen. Sie will die Rohstoffschätze aus ausrangiertem Elektromüll sammeln. Foto: dpaDie Bundesregierung hat die Reform des Elektrogerätegesetzes beschlossen. Sie will die Rohstoffschätze aus ausrangiertem Elektromüll sammeln. Foto: dpa

Berlin. Der Handel stöhnt. Geht es nach der Bundesregierung, werden größere Geschäfte bald zur Abladestelle für Elektromüll. Zum Beispiel für ausgediente Handys, Wasserkocher, Toaster, Staubsauger oder Fernseher. Ab wann gilt die neue Rücknahmepflicht, wo können die alten Geräte zurückgegeben werden und wie sieht das beim Online-Handel aus? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch den Entwurf von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) für eine Reform des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes. Kleine Händler um die Ecke werden vor Mehrbelastungen und Entsorgungsverpflichtungen geschützt.

Warum gibt es eine Reform des Gesetzes?

Damit wird vor allem eine neue EU-Richtlinie umgesetzt. Bis 2016 sollen mindestens 45 Prozent des anfallenden Elektromülls erfasst und wenn möglich wiederverwertet werden, bis 2019 soll die Quote auf 65 Prozent steigen. Bisher werden viele Elektrogeräte, auch wenn es gar nicht erlaubt ist, in der normalen Hausmülltonne entsorgt. Die Bundesregierung verfolgt mit der Novelle drei Ziele: erstens mehr sammeln, zweitens wertvolle Metalle wie seltene Erden wiederverwerten und Schadstoffe umweltgerecht entsorgen sowie drittens den illegalen, gesundheitsgefährdenden Schrottexport nach Afrika eindämmen.

Wo können Verbraucher ihre Alt-Geräte zurückgeben?

Wer eine Verkaufsfläche für Elektro- und Elektronikgeräte von mehr als 400 Quadratmetern hat, muss zum Beispiel den alten Fernseher oder Staubsauger beim Kauf eines gleichwertigen neuen Geräts kostenlos zurücknehmen. Das betrifft etwa Ketten wie Saturn oder Media Markt. Nicht aber den Supermarkt, der nur in einem Regal ein paar Geräte zum Kauf anbietet. Und jetzt kommt der Zollstock ins Spiel: Wenn ein Gerät eine Kantenlänge von bis zu 25 Zentimetern hat, müssen die Geschäfte mit über 400 Quadratmeter Elektroverkaufsfläche das Gerät auch ohne Neukauf zurücknehmen, egal wo es gekauft worden ist. Das gilt etwa für Handys und Ladegeräte, aber auch viele Toaster erfüllen das Kriterium. Kassenbons für die Altgeräte braucht man nicht vorzeigen.

Und was ist mit dem Online-Handel?

Der Rücknahmezwang bei Neukauf soll auch hier gelten. Amazon nimmt derzeit einen Pauschalpreis von 15 Euro in Deutschland, wenn zum Beispiel bei der Lieferung der neuen Waschmaschine die alte mitgenommen werden soll. Das wäre künftig kostenlos. Hendricks‘ Ministerium empfiehlt Rücknahmekooperationen mit dem stationären Handel oder Partnerschaften mit Sozialeinrichtungen wie der Caritas, die mit der Verwertung Geld verdienen könnten. Alte Handys und andere Kleingeräte können jetzt schon zum Beispiel auch über das „Electroreturn“-Angebot der Post kostenlos eingesandt werden - das Recyclingunternehmen Alba profitiert von den Wertstoffen. Seit 2012 sollen rund 98 000 ausgediente Geräte hierüber eingegangen sein.

Wie viel Elektromüll fällt überhaupt in Deutschland an?

Nach Schätzungen jährlich rund 23 Kilogramm pro Kopf. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden in Deutschland zuletzt knapp 780 000 Tonnen Elektroaltgeräte im Jahr gesammelt, davon 723 000 Tonnen aus privaten Haushalten. Bisher seien 8,8 Kilogramm pro Einwohner im Jahr gesammelt worden. Dieser Wert soll deutlich gesteigert werden - durch mehr Zwang für den Handel statt freiwilliger Rücknahme. Zudem soll besser über die nächstgelegene der rund 1500 kommunalen Sammelstellen informiert werden, bei denen die Bürger Altgeräte umsonst entsorgen können.

Was macht der Händler mit dem Schrott?

Entweder er verwertet die alten Elektrogeräte selbst oder übergibt sie den Herstellern oder den Entsorgungsunternehmen. Im Prinzip soll es wie beim „Grünen Punkt“ eine stärkere Produktverantwortung der Hersteller für verkaufte Geräte geben. Kommunale wie private Entsorger haben großes Interesse an mehr Elektromüll, denn in Zeiten knapper werdender Rohstoffe lässt sich damit gutes Geld verdienen.

Wie reagiert der Handel auf die neue Rücknahmepflicht?

Die Online-Händler befürchten eine Flut an Paketen mit Elektromüll. „Händler sind keine Entsorgungsunternehmen“, kritisiert Christoph Wenk-Fischer vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. Der Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, Kai Falk, betont: „Wir finden es gut, dass die kleinen Geschäfte nicht verpflichtet werden, das wäre eine große Belastung“. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter moniert hingegen, dass dadurch weiter viel im normalen Müll landen werde. Und Hendricks setze nicht beim eigentlichen Problem an, der oft kurzen Lebensdauer. „Geräte müssen reparierbar sein, also beispielsweise verschraubt und nicht verklebt werden“, so Hofreiter.

Ab wann gilt die neue Rücknahmepflicht?

Wenn Bundestag und Bundesrat zustimmen, soll das Gesetz bis Jahresende in Kraft treten. Hendricks will als Nächstes bundesweit eine Wertstofftonne auf den Weg bringen – über diese könnten einfacher als bisher gerade kleine Elektrogeräte eingesammelt werden. Dann bräuchte der Bürger für die Entsorgung auch keinen Zollstock.


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