Allensbach-Studie Umfrage: Mehr als 70 Prozent der Eltern vertrauen Lehrern

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Osnabrück. Über alle sozialen Schichten hinweg genießen Lehrer mit mehr als 70 Prozent in Erziehungs- und Bildungsfragen das größte Vertrauen. Das geht aus einer Umfrage unter Eltern von Schulkindern hervor, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone-Stiftung Deutschland durchgeführt hat.

Dafür wurden im September des vergangenen Jahres 1126 Eltern von Schulkindern, die eine allgemeinbildende Schule besuchen, befragt. Die Studie mit dem Titel „Was Eltern wollen“ fokussiert auf ihre Bildungs- und Erziehungsziele. Ein Großteil der Eltern (52 Prozent) aus sozial schwachen Schichten hält für seine Kinder einen mittleren Schulabschluss für ausreichend. Eltern aus höheren sozialen Schichten sind da ambitionierter: 90 Prozent sehen ihren Sprössling mit der Hochschulreife in der Tasche. Mehr als 70 Prozent dieser Eltern finden auch, dass ihr Kind in der Schule gut zurechtkommt. Aber nur 40 Prozent der Eltern aus sozial schwachen Schichten sind dieser Ansicht. (Weiterlesen; Helikopter-Eltern im Kino: „Frau Müller muss weg!“ im Kino)

Es zeigte sich, dass unabhängig von ihrer Schichtenzugehörigkeit soziale Kompetenzen an der Spitze der Erziehungsziele der Eltern stehen: Die Eltern möchten ihren Kindern vor allem Höflichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Aufrichtigkeit vermitteln. Auch Durchhaltevermögen, Hilfsbereitschaft und Selbstbewusstsein sind ihnen wichtig. Für die Vermittlung dieser Werte setzten Eltern vor allem auf das eigene Verhalten als Vorbild für die Kinder. (Weiterlesen: Sieben Vorschläge, damit Ihr Kind kein Ichling wird)

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Von der Bildung erhoffen sich die Eltern aus sozial schwachen Schichten zwar eine Verbesserung der Lebensumstände für ihre Kinder: Ein Großteil von ihnen denkt aber, dass ein mittlerer Schulabschluss dafür ausreichend ist. Aus den Ergebnissen der Umfrage geht auch hervor, dass bessergestellte Eltern ihre Kinder grundsätzlich häufiger ermutigen, ihren individuellen Begabungen und Neigungen zu folgen. Sie führen sie auch stärker an kulturelle, musikalische und sportliche Angebote heran. Die Befragung der Eltern legt überdies nahe, dass Kinder aus sozial schwachen Schichten weniger Freunde und Hobbys haben als ihre Alterskameraden aus höheren Schichten.

Dass der soziale Hintergrund in Deutschland nach wie vor maßgeblich die Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen beeinflusst, ist durch verschiedene Studien bereits mehrfach belegt. Für diese Ungleichheit werden unterschiedliche Faktoren verantwortlich gemacht.

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Unsicherheit in sozial schwachen Schichten

Die Ergebnisse der Allensbach-Studie lassen vermuten, dass auch eine größere Unsicherheit der Eltern aus sozial schwachen Schichten dazu beitragen könnte: Über die Hälfte dieser Befragten (54 Prozent) gab an, sich in Bildungsfragen unsicher zu fühlen. Und etwa jeder Zweite von ihnen (49 Prozent) glaubt nicht, dass die eigene Unterstützung für die Kinder ausreicht. Bei Eltern aus höheren sozialen Schichten bezweifelt das dagegen nur jeder Fünfte (19 Prozent). Eltern aus sozial schwachen Schichten klagen auch doppelt so häufig darüber, dass es nur unzureichende Informationsangebote zu Bildung und Erziehung gibt. (Weiterlesen: Erziehung in Kitas: Schaffen wir eine Ego-Generation?)

Zwei Drittel aller Eltern (62 Prozent) möchten, dass Informationsangebote an Schulen ausgebaut werden. Mehr externe Beratungsstellen wünschen sich 26 Prozent der Eltern, ebenfalls vermehrt aus sozial schwächeren Schichten (36 Prozent).

Schulen und Lehrer nicht alleine lassen

Die Lehrer genießen aber über alle sozialen Schichten hinweg das größte Vertrauen. Die überwiegende Mehrheit aller Eltern (70 Prozent) setzt bei Fragen zu Erziehung und Bildung auf sie. Die meisten Eltern, die sich an Lehrerinnen und Lehrer wenden, finden, dass sie dort auch gute Ratschläge bekommen (64 Prozent). Dementsprechend wünscht sich die große Mehrheit der Eltern einen Ausbau der Informationsangebote an den Schulen. Dies gilt nicht nur für die aus sozial schwachen Schichten (71 Prozent), sondern auch für die sozial bessergestellten Eltern (58 Prozent).

„Schulen und Lehrer dürfen mit dieser Aufgabe aber nicht alleingelassen werden“, so Professor Sabine Walper vom Deutschen Jugendinstitut, die die Umfrage wissenschaftlich begleitet hat. „Es bedarf einer Koordination familien- und bildungspolitischer Initiativen, um die Zusammenarbeit von Elternhaus und Schulen weiter zu fördern.“


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