Tot- und Fehlgeburt in Deutschland Fünf Fakten zur stillen Geburt

Wie hier im „Garten der Sternenkinder“, dem Teil des Friedhofs des Alten St.-Matthäus-Kirchhofs in Berlin, können verstorbene Säuglinge beerdigt werden. Foto: dpaWie hier im „Garten der Sternenkinder“, dem Teil des Friedhofs des Alten St.-Matthäus-Kirchhofs in Berlin, können verstorbene Säuglinge beerdigt werden. Foto: dpa

Osnabrück. Wenn ein Kind tot geboren wird, sprechen Mediziner auch von einer stillen Geburt, weil das Kind keine Geräusche, wie Schreien oder Weinen, von sich gibt. Wir geben einen Überblick zum Thema.

Wo liegt der Unterschied zwischen Tot- und Fehlgeburten?

Kinder, die mit einem Gewicht von mindestens von 500 Gramm geboren werden, gelten in Deutschland als Totgeburten. Alle Säuglinge, die unter 500 Gramm wiegen und tot zur Welt kommen, werden als Fehlgeburten bezeichnet. Als Begriff für verstorbene Säuglinge hat sich zudem die Bezeichnung „Sternenkind“ etabliert. Die Weltgesundheitsorganisation hat eine andere Definition. Sie zählt Babys, die in oder nach der 28. Schwangerschaftswoche tot zur Welt kommen, als Totgeburten.

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Wie viele Kinder kommen jährlich tot zur Welt?

Im Jahr 2013 kamen in Deutschland 2556 Kinder tot zur Welt. Dabei handelt es sich aber nur, um Kinder mit einem Mindestgewicht von 500 Gramm. Säuglinge, die unter diese Grenze fallen, werden nicht erfasst. Experten schätzen, dass zwischen 0,2 und 0,3 Prozent aller Kinder in Deutschland tot zur Welt kommen. Vor allem zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern unterscheiden sich diese Zahlen sehr. So werden laut einem Forscherteam der Universität Exeter beispielsweise in Pakistan und Nigeria mehr als 40 von 1000 Kindern tot geboren. Darüber hinaus erklärten die Forscher im Fachjournal „BMC Medicine“, dass das Risiko für Fehlgeburten bei männlichen Säuglingen rund zehn Prozent höher sei. In Zukunft wollen die Wissenschaftler herausfinden, was der Grund für die erhöhte Sterblichkeitsrate von Jungen ist.

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Können Betroffene ihre Kinder beim Standesamt eintragen lassen?

Bis zum Mai 2013 wurden nur tot geborene Kinder mit einem Mindestgewicht von 500 Gramm beim Standesamt erfasst. Eine Änderung des Personenstandrechts macht nun die Eintragung aller Totgeburten unabhängig vom Gewicht möglich. Sie erhalten einen Namen und das Geschlecht, der Geburtstag sowie Geburtsort werden erfasst. Für Totgeburten gilt in Deutschland eine Bestattungspflicht. Aber auch Kinder, die weniger als 500 Gramm wiegen, können beerdigt werden.

Wo erhalten Betroffene Hilfe?

Vereine, Organisationen und Elterninitiativen bieten Betroffenen Hilfe an. Eltern, Angehörige und Freunde können sich unter anderem an die „Leere Wiege Hannover e.V.“,(Weiterlesen: Früh verwaiste Eltern: „Ein blinder Fleck in der Diagnostik“: das Interview mit Hebamme Heidi Blohmann)„Initiativ Regenbogen“,(Weiterlesen: Früh verwaiste Eltern: „Ein blinder Fleck in der Diagnostik“: das Interview mit Hebamme Heidi Blohmann)„Frauenworte e.V.“ oder „Pro Familia“ wenden.

Ab wann dürfen Frauen wieder schwanger werden?

Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, sollte aufgrund der Narbenbildung mindestens ein Jahr mit einer erneuten Schwangerschaft warten. Anders sieht es aus, wenn das tote Baby natürlich geboren wurde. Dabei empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation eine sechsmonatige Pause. Hebamme Heidi Blohmann aus Hannover rät hier zu einer persönlichen Entscheidung. „Wenn die Frau sich bereit für eine erneute Schwangerschaft fühlt, dann kann sie es gerne probieren.“ Entscheidend sei das innere Bauchgefühl, dann klappe es auch am besten mit einer Folgeschwangerschaft.


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