Studie aus Bremen Handystrahlung fördert Krebswachstum bei Mäusen

Von Eckhard Stengel

Handy-Strahlung kann zumindest bei Mäusen das Krebswachstum fördern. Foto: dpaHandy-Strahlung kann zumindest bei Mäusen das Krebswachstum fördern. Foto: dpa

Bremen. Handy-Strahlung kann zumindest bei Mäusen das Krebswachstum fördern, teils auch bei Feldstärken unterhalb der bestehenden Grenzwerte. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag veröffentlichte Studie der privaten Elitehochschule „Jacobs University Bremen“ (JUB) im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz.

Wie der Studienleiter Professor Alexander Lerchl unserer Zeitung erläuterte, hatte sein Team einer Gruppe von Mäusen ein krebserregendes Mittel gespritzt. Eine weitere Gruppe wurde zusätzlich lebenslang elektromagnetischen Feldern ausgesetzt, wie sie auch Mobiltelefone erzeugen. Dabei, so der Biologieprofessor, habe sich gezeigt, dass bei den Tieren mit der zusätzlichen Strahlenbelastung doppelt so häufig Tumore an Leber und Lunge auftraten wie bei den Tieren, die nur das krebserregende Mittel bekommen hatten. Auch Lymphknoten-Erkrankungen seien häufiger aufgetreten.

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Normalerweise, so Lerchl, könnten Mäuse etwa zwei Jahre alt werden. Bei den bestrahlten Tieren sei die Überlebenskurve bereits bei weniger als einem Jahr heruntergegangen. Nach Ansicht Lerchls ist dieses Ergebnis aber kein Beleg dafür, dass Mobilfunkfelder für sich genommen Krebs erzeugen könnten. Das Fraunhofer-Institut in Hannover habe dies bereits getestet und keinen solchen Zusammenhang feststellen können. Aber, so Lerchl: „Unsere Studie zeigt, dass Mobilfunkfelder die Ausbreitung vorhandener Tumore verstärken.“ Für die einzelnen Verbraucher sieht der als mobilfunkfreundlich geltende Professor bisher keinen Handlungsbedarf. Denn seine Versuchsanordnung sei ein Worst-Case-Szenario gewesen, also sehr extrem: Die Mäuse seien bereits seit der Schwangerschaft ihr Leben lang rund um die Uhr bestrahlt worden und hätten zusätzlich das krebserregende Mittel bekommen. Dennoch empfiehlt Lerchl weitere Forschungsprojekte, „um die Ursachen der neuen Befunde abzuklären“.


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