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Eine Sache der Einstellung OECD-Studie 2015: Leistungsschwache Schüler häufiger männlich

Sind Mädchen die besseren Schüler? Foto:dpaSind Mädchen die besseren Schüler? Foto:dpa

Berlin. Deutschland gehört zu den Ländern mit dem größten Geschlechtergefälle in der OECD, wenn Mädchen und Jungen ihre Einstellung der Mathematik gegenüber angeben. Das geht aus dem OECD-Bericht zur Chancengleichheit von Jungen und Mädchen hervor. Ein weiteres Ergebnis: Leistungsschwache Schüler sind im OECD-Vergleich insgesamt häufiger männlich als weiblich. So hätten im Jahr 2012 14 Prozent der Jungen und 9 Prozent der Mädchen das Basiswissen in den drei Kernfächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften verfehlt, teilten die Autoren der Studie mit.

Gefragt, ob sie mathematische Aufgaben schnell begreifen, antworteten Jungen in Deutschland der Studie nach wesentlich häufiger mit Ja als Mädchen. Andersherum stimmten Mädchen eher der Aussage zu: „Ich bin einfach nicht gut in Mathe“ – und das auch dann, wenn sie im PISA-Test genauso erfolgreich abschneiden wie ihre männlichen Alterskameraden, berichten die Verfasser der Studie.

Im OECD-Schnitt könne sich weniger als eines von 20 Mädchen im Alter von 15 Jahren vorstellen, später in einem sogenannten MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu arbeiten. Bei den Jungen seien es immerhin 4 von 20. Dieses Ergebnis sei erstaunlich, weil beide Geschlechter im PISA-Test Naturwissenschaften ähnliche Leistungen zeigten, betonten die Experten.

Sie weisen auch darauf hin, dass dies Ergebnis besonders problematisch sei, weil es gerade die MINT-Berufe seien, die zu den bestbezahlten Karrieren führten. Gleichzeitig sei der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen in kaum einem OECD-Land so groß wie in Deutschland, heißt es.

Die Ergebnisse des PISA-Tests scheinen die Fächervorlieben der Geschlechter auf den ersten Blick zu bestätigen: In vielen Teilnehmerländern schneiden Jungen bei den mathematischen Aufgaben besser ab, während die Mädchen ihre Altersgenossen beim Lesen in allen Ländern hinter sich lassen.

Bei genauerer Betrachtung fällt nach Angaben der Autoren der Studie allerdings auf, dass Mädchen in besonders leistungsstarken Volkswirtschaften in Mathematik mit den Jungen gleichauf seien und weit bessere Ergebnisse erzielten, als die Jungen in den meisten anderen Ländern. Das Leseverständnis der Jungen in diesen zumeist asiatischen Ländern sei außerdem höher als das der Mädchen in schwächeren Teilnehmerstaaten. Die Autoren der Studie folgern daraus, dass die Geschlechterdifferenzen nicht Ausdruck eines angeborenen (Un)vermögens sondern vielmehr einer erworbenen Haltung gegenüber der Materie, der Schule, beziehungsweise dem Lernen ganz allgemein sei.

„Wir haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Unterschiede in der Bildung von Mädchen und Jungen, Männern und Frauen enorm verringert. Aber wir dürfen nicht aufhören, unsere Kinder dazu zu motivieren, ihr ganzes Potenzial auszuschöpfen“, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei der Vorstellung des Berichts. „Die gute Nachricht ist, dass wir dazu weder langwierige noch teure Bildungsreformen brauchen – es reicht, wenn Eltern, Lehrer und Arbeitgeber an einem Strang ziehen.“

Gerade die Eltern tragen nach Erkenntnissen de rStudie oft bewusst oder unbewusst dazu bei, dass das Interesse für Mathe und Naturwissenschaften bei den Geschlechtern so unterschiedlich ausgeprägt ist: So können sich in Chile, Ungarn und Portugal etwa 50 Prozent der Eltern vorstellen, dass ihr Sohn später einen MINT-Beruf ergreifen wird, für ihre genauso leistungsstarken Töchter können das nur 20 Prozent. In Korea gibt es hingegen kaum geschlechterspezifische Unterschiede bei den Berufserwartungen der Eltern.

Für die Jungen schlägt sich das Geschlechtergefälle dahingehend nieder, dass ihnen mit größerer Wahrscheinlichkeit als Mädchen in allen PISA-Bereichen die grundlegenden Kompetenzen fehlen: Von der Gesamtheit der besonders leistungsschwachen Schüler in Lesen, Mathe und Naturwissenschaften sind 60 Prozent Jungen. Ihr Risiko, die Schule abzubrechen, ist dementsprechend höher als das von Mädchen.


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