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Fastenzeit 2017 40 Tage, 40 Nächte: Wie wir in der Fastenzeit verzichten

Von dpa

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Viele Menschen fasten in der Zeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Doch der Grund dafür ist nicht immer religiös. Foto: dpaViele Menschen fasten in der Zeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Doch der Grund dafür ist nicht immer religiös. Foto: dpa

Stuttgart/Offenbach. Mit dem Aschermittwoch am 1. März 2017 beginnt für viele Menschen auch die 40 Tage lange Fastenzeit bis Ostern. Die Fastenzeit wird dabei von jedem ganz anders genutzt: Ob wegen eines religiösen Hintergrund, eines ausgeprägten Gesundheitsbewusstseins oder einfach, um mitzumachen. Der Versuch einer Typologie, wie die Menschen die Zeit bis Ostern angehen.

Mit festem Verzichts-Vorsatz gehen ab Aschermittwoch wieder viele Menschen in die Fastenzeit bis Ostern. Im vergangenen Jahr war es bei einer Umfrage jeder Zehnte in Deutschland. Noch einmal so viele spielten zumindest mit dem Gedanken, Liebgewonnenes für 40 Tage und 40 Nächte einfach mal liegen zu lassen. Dabei kann es ums Fleisch gehen, um Schokolade oder ums Smartphone. Auch die Jugend ist der Tradition gar nicht so abgeneigt - jedoch mit ganz unterschiedlicher Motivation. Eine Typologie:

Der Religiöse ist der Klassiker. „Solche Unterbrechungszeiten gibt es ja in allen Religionen“, sagt Michael Krämer, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Ziel sei es, etwas sein zu lassen, was einem am Herzen liege. „Was trägt mein Leben?“ - sich darüber klar zu werden, stehe für diesen Typ im Mittelpunkt. Der Verzicht auf Fleisch sei da nur der Ursprung, heute gebe es ganz viele Formen. Wichtig sei aber, dass man auf „etwas Liebgewordenes“ verzichte. Das Fasten sei heute immer auch „geistiger Aufbruch“. Und obwohl die Fastenidee schon viel älter ist, gilt Jesus als Vorbild dieses Typs: Schließlich hielt er es laut biblischer Überlieferung einst 40 Tage lang fastend in der Wüste aus. (Weiterlesen: Auf diese Dinge wird in der Fastenzeit verzichtet.)

Der Narzisst will es sich vor allem immer wieder selbst zeigen. Die Fastenzeit ist dafür eine willkommene Gelegenheit. „Für viele geht es darum, sich selbst etwas zu beweisen“, sagt Werner Gross vom Psychologischen Forum Offenbach (PFO). „Ich bin in der Lage, mich gegen die Überflutungen des Alltags wehren zu können“, beschreibt Gross den Narzissten unter den Fasten-Typen. Dieser habe ein Verlangen danach, seine Selbstdisziplin zu prüfen. Er kann auch ohne das alles leben. „Ich schaffe das!“

Der Gesundheitsbewusste ist laut Umfragen unter den Fastenden in der Mehrheit. Jeder zweite gibt an, aus gesundheitlichen Gründen zu verzichten - meist auf Alkohol oder Süßes. Auch die Fastenkurse der Katholischen Kirche in Stuttgart würden zu 50 Prozent aus gesundheitlichen Gründen gebucht, heißt es dort. Die Fastenzeit und das Verzichten auf Kalorienbomben passe ja auch aus anderen Gründen perfekt in die Jahreszeit, sagt Gross. „Um in den Bikini zu passen.“ (Weiterlesen: Was bedeutet die Fastenzeit eigentlich?)

Der Inkonsequente nimmt sich ganz viel vor, ähnlich wie zum Jahreswechsel, schafft es aber bei weitem nicht - und belügt sich bis Ostern selbst. Laut Umfrage ist der Anteil dieses Typs aber angeblich recht klein: Von denen, die schon einmal einen Fasten-Versuch gestartet haben, sind die meisten nach eigenen Worten glatt oder so einigermaßen durchgekommen: 44 Prozent blieben eisern, 42 Prozent wurden zwar schwach, hielten danach aber durch. 14 Prozent brachen ab.

Der Stille sagt nichts. Ist es klug, sein Fasten an die große Glocke zu hängen? „Das kann aber auch schiefgehen. Und dann heißt es: Du bekommst ja nicht mal das hin“, warnt Gross. Es könnte also ratsam sein, in aller Stille zu verzichten. Muss ja keiner wissen. Auf der anderen Seite könne die große Glocke aber auch helfen, so Gross. „Der Vorteil ist: Man bekommt Hilfe durch die soziale Kontrolle.“ Und schaffe es dann vielleicht leichter, die 40 Tage durchzuhalten.

Der Fastenhasser verzichtet auf nix, ist stolz drauf - und erzählt das überall rum. Auch das könne ein Statement unserer Zeit sein, sagen Experten. Psychologe Gross etwa sagt zum Fasten allgemein: „Die Menschen sind heute viel mehr von außen gelenkt. Und von der Frage: Wie wirke ich nach außen?“ Sich zum Fasten zu positionieren - egal ob nun pro oder kontra - sei für immer mehr Menschen auch eine grundsätzliche Entscheidung: „Es geht vielfach auch um die Frage: Lebe ich oder lasse ich mich leben?“ (Weiterlesen: Verzicht auf das Handy? Geht das überhaupt?)

Der Trendsetter verzichtet nie auf Essen, aber auf Handy & Co. Wie weit verbreitet diese wohl modernste Form des Fastens ist, lässt sich aber nicht klären. Vielleicht liegt es nur an den inzwischen weit verbreiteten Flatrates fürs Telefonieren oder fürs Internet-Surfen, aber auch die Deutsche Telekom hat keinerlei Hinweise darauf, dass etwa der Smartphone-Gebrauch in den Wochen vor Ostern zurückgeht. Knappe Antwort aus der Zentrale in Bonn: „Gott sei Dank nein.“


Was ist der Aschermittwoch?

Der Aschermittwoch ist der erste Tag der 40-tägigen Fastenzeit bis Ostern (die Sonntage werden nicht mitgerechnet). 40 Tage deshalb, weil in der Bibel steht, dass Jesus solange in der Wüste gefastet hat. In der Aschermittwochsmesse bekommen katholische Gläubige ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet. Das soll sie an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern: Asche zu Asche, Staub zu Staub.

Nach dem sündigen Karneval sollen sich die Menschen bewusst machen, dass sie im Prinzip jederzeit tot umfallen können und sich dann vor Gott verantworten müssen. Die Karnevalisten treffen sich an Aschermittwoch zum Fischessen. Fisch war früher vielerorts eine typische Fastenspeise, weil er billig zu haben war.

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