Alnatura und Rapunzel Rückrufe von Bio-Nahrungsmitteln häufen sich

Alnatura hat zuletzt wiederholt Lebensmittel zurückgerufen. Foto: obs/AlnaturaAlnatura hat zuletzt wiederholt Lebensmittel zurückgerufen. Foto: obs/Alnatura

Osnabrück. Zum wiederholten Mal hat der Bionahrung-Händler Alnatura Produkte zurückgerufen. Diesmal fanden sich Salmonellen in einem Glas Tahin, einem Sesammus. Aber auch andere Hersteller von Bionahrung sind betroffen. Sind Bio-Produkte mit höherem Risiko behaftet als herkömmliche Lebensmittel? Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt Entwarnung.

Bereits zum wiederholten Mal in wenigen Monaten ruft das Bio-Handelsunternehmen Alnatura Produkte zurück. Ende November war ein Vier-Korn-Brei für Säuglinge und Kleinkinder wegen Spuren von Tropanalkaloiden zurückbeordert worden, im Dezember ein Hirsebrei mit Reis aus demselben Grund . Jetzt gab es in einem Glas Tahin, einem Sesammus, von Alnatura einen Salmonellen-Fund . Alnatura rief auch das Tahin zurück.

Dass die Rückrufe so kurz hintereinander stattfanden, fällt auch Kunden auf. "Liebes Alnatura-Team, leider haben sich die Rückrufaktionen bei Euch in letzter Zeit ganz schön gehäuft... woran kann das liegen?", schreibt eine Kundin als Kommentar auf den jüngsten Rückruf. Auch andere Kunden äußern Zweifel, ob sie dem Unternehmen noch vertrauen können, wenn so oft etwas zurückgerufen werde. Alnatura-Presseprecherin Stefanie Neumann erklärt: "Das ist ein ganz dummer Zufall." Die Fälle stünden in keinem sachlichen Zusammenhang. "Im Grunde ist es eher ein Zeichen für Qualität, wenn Alnatura Produkte zurückruft", findet sie. Das unterstreicht auch Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): "Es kann sein, dass Hersteller mit höherer Rückrufrate einfach häufiger oder besser kontrollieren."

Ursache für Salmonellenfunde noch unklar

Im Fall der Salmonellen sei noch nicht erklärbar, wieso sie im Sesammus auftreten konnten, sagte Neumann weiter. Eine mögliche Ursache sei der Kot freifliegender Vögeln auf dem Feld. Da das Tahin im Produktionsprozess aber mehrfach auf über 90 Grad erhitzt werde, hätten die Keime eigentlich vollständig abgetötet sein müssen. "Unser Qualitätsmanagement arbeitet gemeinsam mit Laboren und den Behörden unter Hochdruck daran, die Ursache zu finden", so Neumann.

Kein höheres Risiko bei Bio-Lebensmitteln

Wer wegen der vermehrten Rückrufe meint, dass Bio-Lebensmittel mit höherem Risiko behaftet seien, irre sich, stellt BfR-Fachmann Thier-Kundke klar. Generell sei es ein weit verbreiteter Irrtum, dass Bio-Lebensmittel gesünder seien als andere. Sie würden nur nach bestimmten Regeln produziert. Jeder Lebensmittelhersteller, egal ob Bio oder nicht, müsse sicher herstellen. "Und Fehler passieren können bei jedem."

"Wenn sich Salmonellen in Produkten finden, wie zuletzt im Tahin, ist das unabhängig von Bio-Produkten", erklärt Joyce Moewius vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Das könne in anderen Lebensmitteln ganz genauso vorkommen.

Anders gelagert seien die zurückliegenden Fälle der Tropanalkaloid-Nachweise: "Da liegt der Fall besonders." Laut BfR sind Tropanalkaloide "natürliche Inhaltsstoffe bestimmter Pflanzen" wie Tollkirsche oder Stechapfel. Sie beeinflussen bereits in niedriger Dosierung die Herzfrequenz und das zentrale Nervensystem. Wenn das Getreide mit diesen Pflanzen verunreinigt werde, können Tropanalkaloide auch in getreidebasierten Lebensmitteln vorkommen. "Diese Stoffe hat es schon immer im Getreide gegeben, aber jetzt können wir sie nachweisen", erläutert Alnatura-Sprecherin Neumann. Jetzt werde man die Bauern im Produktionsprozess noch besser schulen.

Salmonellen auch bei Rapunzel

Kürzlich waren auch in einem Tahin-Glas von Rapunzel Naturkost Salmonellen gefunden worden. Rapunzel rief das Tahin zurück und meldete: „Da eine vergleichbare Situation bis dato noch nie eingetroffen ist, betreiben wir zusammen mit den zuständigen Lebensmittel-Behörden und externen Experten intensiv Ursachenforschung und analysieren derzeit genau den gesamten Produktionsprozess des Tahin.“ Wieso kurz nach Alnatura nun auch Rapunzel im gleichen Produkt Salmonellen hat, ist Sprecherin Gila Kriegisch unklar. „Die Lieferanten auf dem Bio-Lebensmittelmarkt sind begrenzt“, mutmaßt sie über eine mögliche Ursache.


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