Scharfe Kritik an Minister Foodwatch: Kinder vor gefährlichen Energy Drinks schützen

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Energy Drinks stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Foto:ImagoEnergy Drinks stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Foto:Imago

Osnabrück. Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft Bundesernährungsminister Christian Schmidt vor, die Warnungen von Gesundheitsexperten vor den Risiken der Wachmacher von Red Bull & Co. insbesondere für Kinder zu ignorieren.

Schmidt habe in einem Zeitungsinterview effektive Regulierungsmaßnahmen für den Verkauf der sogenannten Energy Drinks abgelehnt, kritisierten die Verbraucherschützer. Dies stehe im Widerspruch zu dem im europäischen und deutschen Lebensmittelrecht verankerten Gebot des vorsorgenden Gesundheitsschutzes.

Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatten erst im Oktober 2014 eine Studie zu den Gesundheitsrisiken durch Energy Drinks veröffentlicht und ein Verkaufsverbot an Kinder und Jugendliche ausdrücklich empfohlen. Nach Angaben von Foodwatch werden Energy Drinks mit Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen, Nierenversagen und sogar Todesfällen in Verbindung gebracht. Dies gelte insbesondere für die kleinen, erheblich konzentrierteren Energy Shots, so die Verbraucherschützer. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das dem Schmidt-Ministerium unterstellt sei, stufe Energy Shots seit Langem als „nicht sicher“ ein. Es habe sich bereits 2009 für einen Vermarktungsstopp ausgesprochen. Mit dieser Einschätzung dürften Energy Shots eigentlich überhaupt nicht mehr verkauft werden, betonen die Verbraucherschützer.

Regulierungsforderungen soll Schmidt aber nach Angaben von Foodwatch ausdrücklich abgelehnt haben. Es gebe „vorerst keine Gründe für ein Abgabeverbot“ an Kinder, zitiert Foodwatch aus einem Interview des Bundesernährungsministers mit „bild.de.

„Ein Minister, der sich um das Lebensmittelrecht nicht schert, Expertenwarnungen ignoriert und Kinder unnötigen Risiken aussetzt - das ist ein hoch problematisches Amtsverständnis“, so Oliver Huizinga, Experte für Lebensmittelkennzeichnung bei Foodwatch. „Wir erwarten, dass der zuständige Minister das Vorsorgegebot des Lebensmittelrechts durchsetzt: Energy Drinks sollten erst ab 18 abgegeben werden. Und wenn die Fachleute des Ministers die hoch konzentrierten Energy Shots als nicht sicher einstufen, gibt es nur einen Schluss: Herr Schmidt muss sie vom Markt nehmen.“

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Verdruckste Warnhinweise im Kleingedruckten seien jedenfalls kein geeignetes Mittel, denn vor allem Kinder würden sich davon kaum beeindrucken lassen. Bundesernährungsminister Schmidt hatte seine Zurückhaltung unter anderem mit dem seit Dezember EU-weit auf Energy Drinks vorgeschriebenen Warnhinweis begründet. Er lautet: „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und Schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen.“ Foodwatch kritisiert: Dies sei eine kleine Warnung auf der Rückseite, die zudem an der wissenschaftlichen Einschätzung vorbei gehe. Nach Ansicht vieler Experten sei nämlich nicht nur der erhöhte Koffeingehalt der „Energy Shots“ problematisch. Auch mögliche Wechselwirkungen mit Alkohol sowie der Konsum im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten würden als kritisch angesehen.

Einer Studie der EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) zufolge konsumiert fast jeder dritte Erwachsene Energydrinks. Durch den süßen Geschmack und das gezielte Marketing sind die Produkte - anders als etwa der ebenfalls stark koffeinhaltige Kaffee - gerade bei Kindern und Jugendlichen beliebt: 68 Prozent der Teenager greifen zu den Getränken. Davon sind laut EFSA 12 Prozent „high cronic consumers“ (Konsum mindestens viermal wöchentlich) sowie 12 Prozent „high acute consumers“ (mehr als ein Liter pro Konsum).


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