Rückenprobleme statt Rumpfstärkung? „Plank Challenge“: Fitness-Experten warnen vor Facebook-Event

Stärkt die Körpermitte: die Fitness-Übung „Plank“. Aber was passiert, wenn man im Training übertreibt? Foto: Colourbox.deStärkt die Körpermitte: die Fitness-Übung „Plank“. Aber was passiert, wenn man im Training übertreibt? Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Hunderttausende mit guten Vorsätzen: Das Facebook-Fitnessevent „Plank Challenge“ wird eine Massenveranstaltung. Doch Sportexperten warnen: Bei Untrainierten könnten nach 30 Tagen Rückenprobleme auftreten – und nicht die gewünschte Rumpfstärkung.

Am 1. Februar fällt der Startschuss: Die „Plank Challenge“ beginnt, eine 30-tägige Fitness-Übung. Mittlerweile haben knapp 450.000 Facebook-Nutzer ihre Teilnahme an dem virtuellen Trainingsevent zugesagt. Die Idee: Täglich steigern sie die Dauer, in der sie die Übung halten müssen. Am ersten Tag 20 Sekunden, nach 14 Tagen 90 Sekunden, am Ende sollen es viereinhalb Minuten sein. „Plank“ bedeutet aus dem Englischen übersetzt „Brett“. Der Trainierende stützt sich auf die Unterarme, streckt die Beine, spannt den Po an, zieht den Bauch ein und setzt die Füße wie bei Liegestütze auf den Boden. Die Übung wird mit der Zeit anstrengender. Der Körper wird hart wie ein Brett.

„Positiver Nebeneffekt“

Der Aufruf zur „Plank Challenge“ auf Facebook stammt von Sportstudenten aus Wien. Mit der riesigen Resonanz hätten sie nicht gerechnet, wie Daniel Malik unserer Redaktion berichtet. Mit dem Trainingsevent habe er vor allem sich selbst motivieren wollen. Nach einer Rückenverletzung sei es für ihn wichtig gewesen, die Körperpartie zu stärken. Dass nun nicht nur seine Wiener Studienkollegen mitmachen, sondern möglicherweise Hundertausende andere Menschen sei „etwas Wunderbares – vor allem, wenn es so einen positiven Nebeneffekt hat“, sagt er.

Eine Osnabrückerin Teilnehmerin sieht das Ganze als Experiment: „Ich glaube nicht, dass ich dadurch wirklich einen messbaren Fitnesserfolg erreiche. Insgeheim hoffe ich aber, meinen inneren Schweinehund etwas leichter zu besiegen, wenn auch viele meiner Freunde dabei sind“, sagt sie. Auch für eine andere Teilnehmerin steht der Gemeinschaftsgedanke im Vordergrund: „Ich habe gesehen, dass einige meiner Freunde schon teilnehmen, mit denen ich ein virtuelles Sportunternehmen lustig fand“, erzählt sie.

Auf Dauer überfordert

Grundsätzlich sei die Plank-Übung eine gute Sache, bestätigt Marco Körner, Personaltrainer und Fitnesscoach in Osnabrück. Sie stärke die gesamte Körpermitte. Rumpf- und Bauchmuskulatur würden besonders beansprucht. In Trainingsplänen spiele „die Plank“ oftmals eine wichtige Rolle. Allerdings werde sie dort durch weitere Übungen ergänzt und nicht zeitlich ausgereizt. „Die Plank allein sagt nichts über die allgemeine körperliche Fitness aus“, sagt Körner. Untrainierte, die sich der harten Facebook-Challenge stellen, könnte die schnelle Steigerung der Übungsdauer überfordern. Wenn ihnen dann die Kraft ausgeht, nähmen sie Ausweichhaltungen ein – und tun ihrem Körper mehr Schaden als Gutes, so der Fitnesscoach.

Schädliche Haltung

Ingo Froböse befürchtet Ähnliches. Der Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln betrachtet das Facebook-Event mit Sorge, wie er selbst sagt: „Bei der Challenge geht die Zeitdauer auf Kosten der Bewegungsqualität.“ Wer die Übung nicht mehr halten könne, lasse automatisch das Becken sinken. Das Hohlkreuz sei für die Wirbelsäule eine schädliche Haltung. Statt einer Stabilisierung der Rumpfmuskulatur handele man sich im schlimmsten Fall Rückenprobleme ein – das Gegenteil des gewünschten Effekts.

Die 30-tägige „Plank Challenge“ sieht jeden sechsten Tag einen übungsfreien Tag vor. Viel zu wenig, um effektiv zu sein, sagt Froböse. Zur Regeneration nach anstrengenden Trainingsreizen brauche die Muskulatur mindestens 48 Stunden. „Anfänger können die Challenge so gar nicht ordentlich durchhalten“, ist der Sportwissenschaftler überzeugt.

„Was passiert an Tag 31?“

Wer Motivation aus Verabredungen zum Sport ziehe, sei anstelle der Plank Challenge mit einem Trainingspartner gut beraten, schlägt Fitnesscoach Körner vor. Den meisten Sportlern helfe diese Verbindlichkeit. Wer sich dann realistische Ziele steckt und sie am besten schriftlich fixiert, könne persönliche Erfolgserlebnisse feiern. Auch Froböse glaubt nicht, dass die Plank Challenge ihre Teilnehmer langfristig zum Sport motiviere. „Motivation muss immer aus mir selbst kommen“, sagt er. Die Plank Challenge ende nach 30 Tagen. „Was passiert dann an Tag 31?“


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