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10.01.2015, 09:30 Uhr KOLUMNE

Nehmt die Kinder mit aufs Klo!

Von Corinna Berghahn

Corinna Berghahn fordert in der Elternkolumne: Nehmt die Kinder mit aufs Klo! Allerdings zum Lernen, nicht zum Putzen. Foto: ColourboxCorinna Berghahn fordert in der Elternkolumne: Nehmt die Kinder mit aufs Klo! Allerdings zum Lernen, nicht zum Putzen. Foto: Colourbox

Osnabrück. Das stille Örtchen ist nicht mehr still, wenn das kleine Kind mitkommt. Doch das muss nicht schlimm sein, wenn gewisse Regeln eingehalten werden… Die Elternkolumne:

Lieber Daniel,

Du bist im Sinne des Kindes also ein schmutziger Vater. Das verstehe ich: Als Eltern wirft man eine Menge angelernter Anstandssitten über Bord – zum Wohle des Kindes natürlich. Und damit zu Deiner Frage: Ab welchem Alter sollten Kinder das Bad verlassen, wenn man aufs Klo geht?

Für die Antwort auf diese Frage gibt es ein davor und danach: Vor der Geburt meines Kindes war ich allein auf der Toilette, Partner und Freunde hatten dort nichts verloren. Einmal brachte ich sogar eine meiner damals kleinen Nichten zum Weinen, weil ich ihr vehement verwehrte, mich auf die Toilette zu begleiten.

Dann kam unser Kind – und es kam, anders als der Partner, mit auf die Toilette. Zuerst, weil wir es als junge und unsichere Eltern nicht eine Sekunde allein lassen wollten – oder es in panisches Gebrüll ausbrach, wenn wir es dann doch einmal taten. Das mag für einige befremdlich klingen, ist aber egal, denn es fühlte sich richtig an. Zudem kann ein entspannter Umgang der Eltern mit natürlichen Körperfunktionen so falsch nicht sein…

Als die Brüll-Phase vorbei war, begann schnell die Vorbild-Phase: Das Kind wollte eben sehen, wie diverse Geschäfte auch ohne Windel erledigt werden können. Und das durfte es auch, denn wie sollte es das denn sonst lernen? Mit Videos? Davon gibt es zwar genug, wie dieses bizarre Beispiel aus Japan unterhalb der Kolumne zeigt, jedoch machen sie mir eher Angst…

„Mama, Du hast ja gepupst!“

Außerdem: Die ersten und wichtigsten Vorbilder der Kinder sind ihre eigenen Eltern. Selbst wenn das auf öffentlichen Toiletten zu peinlichen Szenen führen kann, wie einem lauten „Mama, Du hast ja gepupst!“-Ausruf des Kindes… Diese Situationen muss man dann eben aussitzen und sie später mit anderen Eltern teilen.

Aber es gibt Grenzen: Fremde Kinder - Sorry liebe Nichte – sollten immer draußen bleiben. Und das eigene Kind darf mit, muss aber nicht. Irgendwann mit zwei, drei Jahren will es das nämlich gar nicht mehr, denn es hat genug gesehen. Damit ist dieser Erziehungsauftrag erledigt und es wird wieder still auf dem Örtchen.

Herzliche Grüße!

Deine Corinna

P.S.: Apropos Erziehung: Kannst Du „Nein“ sagen und Deinem Kind etwas verbieten, oder blutet Dir dann Dein Vaterherz?

Vater, Mutter, Kind: Über die Elternkolumne

Im deutschen Kinderzimmer herrscht Verunsicherung. Eltern aus unserer Redaktion schaffen Abhilfe! Corinna Berghahn ist seit drei Jahren Mutter, Daniel Benedict vor mehr als einem Jahr Vater geworden. Im wöchentlichen Wechsel widerlegen sie hier Mythen und Legenden der Elternschaft. Dies sind unsere lustigsten Texte:

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