Erhöhte Gefahr um Weihnachten Versicherung greift bei Feuer nicht immer

Von Wolfgang Büser

Schön, aber gefährlich: Ein (trockener) Adventskranz kann schnell Feuer fangen. Foto: ImagoSchön, aber gefährlich: Ein (trockener) Adventskranz kann schnell Feuer fangen. Foto: Imago

Kamen. Alle Jahre wieder schlagen die Versicherer Alarm. In der Adventszeit weist deren Verband stets darauf hin, wie gefährlich Kerzen an Kränzen und Tannenbäumen werden können. Die Zahlen sprechen für sich: Im Dezember brennt es häufiger als in den anderen Monaten des Jahres. Doch wann darf die Versicherung die Zahlung verweigern?

Die Hausrat- und Wohngebäudeversicherer verzeichnen konstant im Dezember rund 40 Prozent mehr Feuerschäden als im Frühjahr und im Herbst. 2013 wurden rund 11000 Advents- und Weihnachtsbrände registriert. Die Versicherungen zahlten knapp 29 Millionen.

Brände, für die die Versicherer nicht leisten, sind nicht zählbar. Aber es gibt eine Reihe interessanter Gerichtsverhandlungen, in denen darüber verhandelt wurde, ob die Regulierung zu Recht verweigert wurde oder nicht.

Teppich beschädigt

So hatte ein Mann am Silvesternachmittag „zwei Sektchen“ getrunken und anschließend seinen Partykeller für die am Abend anstehende Feier vorbereitet. Dazu schob er zwei wertvolle Teppiche an die Seite und zündete gleichzeitig Kerzen auf einem Ständer an – in unmittelbarer Nähe zu den zusammengerollten Teppichen. Er stolperte, eine Kerze fiel auf einen Teppich und beschädigte den schwer.

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Nun verlangte er von seiner Hausratversicherung, dass die den Teppich ersetze. Die weigerte sich und behielt vor dem Oberlandesgericht Köln die Oberhand; der Versicherer musste nicht zahlen (Az. 9 U 113/09). Allerdings: Der Fall passierte vor dem 1. Januar 2008, weswegen der Mann komplett leer ausging. Mittlerweile dürfen Versicherungen nur in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherten entsprechenden Verhältnis kürzen.

Frage der Fahrlässigkeit

In einem Fall vor dem Bundesgerichtshof (BGH) hatte eine Mieterin vermutlich einen Brand verursacht, weil sie wohl Kerzen an einem Adventskranz nicht gelöscht hatte, bevor sie ins Bett ging. Sie bestritt das. Jedenfalls verlangte die Wohngebäudeversicherung des Vermieters, die den Schaden regulierte, Regress von der Bewohnerin. Es ging um 25750 Euro.

Der BGH urteilte, dass die Versicherung nur dann Schadenersatz gegen die Mieterin – beziehungsweise gegen deren Privathaftpflichtversicherung – durchsetzen könne, wenn die beweisen kann, dass die Dame „grob“ fahrlässig gehandelt habe. Einfach fahrlässiges Handeln reiche nicht aus (Az. VIII ZR 67/06).

Kinder und Feuer

In einem anderen Fall wedelten vierjährige Zwillinge unmittelbar am Weihnachtsbaum mit Wunderkerzen herum, sodass der Baum Feuer fing und das ganze Haus ab-brannte. Die Feuerversicherung des Hausbesitzers warf den Eltern der Kinder (als Mieter) vor, die Aufsichtspflicht verletzt zu haben, und verlangte Schadenersatz von den Eltern. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main wies die Forderung ab. Eine Aufsichtspflicht könne den Eltern nicht angelastet werden, weil sie nicht damit rechnen mussten, dass die Aktion derart verheerende Folgen haben würde. Das gelte zumal dann, wenn der Baum – hier am 2. Weihnachtsfeiertag – noch nicht ausgetrocknet war. Damit lag eine grobe Fahrlässigkeit nicht vor. Dass die private Haftpflichtversicherung der Eltern Gebäudeschäden mit umfasste, führte auch zu keinem anderen Ergebnis. Diese muss nicht anstelle ihrer Versicherten die Feuerversicherung entschädigen (OLG Frankfurt am Main, 3 U 104/05).

Unzulänglichkeit

Eine Mieterin ging zur Toilette, während ein Adventskranz mit brennenden Kerzen auf ihrem Tisch stand. Im Anschluss daran schellte es an der Tür, und sie öffnete einem Gast. Dabei fiel die Wohnungstür zu. Die Kerzen verursachten in der Zeit, in der sie versuchte, wieder ins Innere zu gelangen, einen Wohnungsbrand, den die Wohngebäudeversicherung des Vermieters regulierte – und Schadenersatz von der Frau verlangte. Vergeblich, so das Landgericht Nürnberg-Fürth. Diese „menschliche Unzulänglichkeit“ entspreche lediglich „leichter Fahrlässigkeit“ (Az. 7 5 4333/01).

Nicht im Raum

Ein Mann und seine Freundin beendeten ein Frühstück statt am Frühstückstisch, auf dem der Adventskranz mit angezündeten Kerzen stand, im Bett. Sie bemerkten nicht, dass in der Küche ein Feuer ausbrach, das später die halbe Wohnungseinrichtung zerstören sollte. Die Hausratversicherung weigerte sich, den Schaden (32000 Euro) zu regulieren. Ihr Argument: Das Paar habe den Vorfall grob fahrlässig verursacht. Das Oberlandesgericht Düsseldorf widersprach dem: „Vergesslichkeit aufgrund körperlicher Reize unter Partnern ist ein entschuldbares Fehlverhalten“ (Az. 4 U 182/98).

Falsche Jahreszeit

Eine Hausratversicherung muss den Schaden nach einem Wohnungsbrand nicht übernehmen, wenn der Versicherte im Sommer den Adventskranz aus der vergangenen Weihnachtszeit „befeuert“, die Kerzen beim Verlassen des Zimmers zwar löscht, die ausgetrockneten Zweige aber dennoch Feuer fangen. Die Richter des Oberlandesgerichts Oldenburg werteten das Verhalten als grob fahrlässig (Az. 2 0 300/00).

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft gibt weitere Tipps.

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