Ein Bild von Corinna Berghahn
29.11.2014, 17:30 Uhr KOLUMNE

Vater, Mutter, Kind: eine Elternkolumne – Die erste Nacht

Von Corinna Berghahn

Es schläft so leise. Oder was ist los? Hilfe!? Symbolbild: ColourboxEs schläft so leise. Oder was ist los? Hilfe!? Symbolbild: Colourbox

Osnabrück. Im deutschen Kinderzimmer herrscht Verunsicherung. Eltern aus unserer Redaktion schaffen Abhilfe! Corinna Berghahn ist seit drei Jahren Mutter, Daniel Benedict vor mehr als einem Jahr Vater geworden. Im wöchentlichen Wechsel widerlegen sie ab sofort Mythen und Legenden der Elternschaft. Heute: die erste Nacht Zuhause - und die Angst um das Kind.

Hochschrecken um 1 Uhr. „Atmet es noch?“, fragt mein Mann. Wir sitzen beide kerzengerade im Bett und lauschen und lauschen gen Beistellbettchen. Wir hören: Nichts. Außer unserem panischen Herzschlag. Denn das Kind atmet so flach, dass wir erst beruhigt sind, als wir vorsichtig einen Finger an seine Nase legen und einen leichten Atemhauch spüren. Wir legen uns wieder hin. Und lauschen weiter. Irgendwann schlummern wir darüber ein. Und werden geweckt durch das Kind, das dieses Mal seltsam laut atmet. „Ist das normal?“, frage ich meinen Mann. Wieder sitzen wir kerzengrade im Bett. Das Kind hingegen schnorchelt weiter.

Wir hingegen sind gleichzeitig müde und ängstlich, an tiefen Schlaf ist nicht zu denken. Fast euphorisch reagieren wir erst, als das Kind uns im Laufe der Nacht wieder weckt, um einfach nur gestillt zu werden. Darauf sind wir eingestellt, dafür gibt es Absprachen. Nicht jedoch auf die Frage nach dem Atmen.

Das alles ist mehr als drei Jahre her, trotzdem kann ich mich noch gut an diese erste Nacht mit Kind in unserer Wohnung erinnern. Vielleicht, weil ich dort zum ersten Mal spürte, wieviel Angst ich um einen Menschen haben kann, den ich eigentlich noch gar nicht richtig kenne. Und welch Unmenge an Geschichten ich stattdessen von im Schlaf verstorbenen Babys kenne, die mir alle in diesen nächtlichen Stunden plötzlich wieder einfielen.

Wir waren doch gut vorbereitet...

Dabei waren wir gut vorbereitet: Beistellbettchen im Zimmer der Eltern, keine Stofftiere, kein Nestchen, nicht zu warm, Schlafsack. Und die Absprache, wer sich um was in der Nacht kümmert: Mama stillt, Papa wechselt Windel.

In meiner jüngsten Jugend war das noch ganz anders: Ich lag auf dem Bauch – dazu wurde eben geraten –, gerne mit im Bett meiner Eltern und wenn nicht, dann mit dem Bettchen neben der Heizung. Trotzdem noch dick eingepackt, damit ich auf keinen Fall friere. Damals rauchte mein Vater auch noch Pfeife in der Wohnung.

Überhaupt war in den 80er Jahren alles sorgloser: Mir fällt dazu immer eine Szene aus der Serie „Ich heirate eine Familie“ ein, in der Freundin Bille Familienmutti Angie besucht, um das neue Kind zu bestaunen. Schick mit Fluppe in der Hand beugt sich Bille gen Stubenwagen und haucht das Kind an. Damals hat diese kleine Szene keinen Zuschauer gestört, heute würde es Shit-Storms und Petitionen regnen.

Von Genuss keine Spur

Bei uns war vor drei Jahren jedoch alles so, um die erste Nacht mit Kind zuhause zu genießen. Um das Kind an uns und sein Zuhause zu gewöhnen – und uns an das Kind. Doch von Genuss keine Spur. Am ersten Morgen mit Kind in der Wohnung sahen wir aus, als hätten wir die Nacht durchgefeiert. Was passte. Denn auch wenn wir nicht gefeiert hatten, war der Anlass für die Müdigkeit wenigstens ein fröhlicher. Selbst wenn die Angst, dass das kleine Wesen neben uns stirbt, mit dem Baby und ohne zu fragen ebenfalls bei uns eingezogen war. Und leider auch erst mit dem ersten Geburtstag wieder aus unserer Dreier-WG auszog.

Schade nur, dass jedes Lebensalter seine eigenen Ängste zu haben scheint. Aber dazu ein anderes Mal.

Nun zu Dir, lieber Daniel: Wovor hast Du Angst, seitdem Du Vater bist?

Die Antwort von Daniel Benedict steht auf Weitere Elternkolumnen finden Sie auf www.noz.de/familie ...


Der Artikel zur Kolumne