GradeView bietet Notenvergleich Wie gut bin ich im Vergleich zu anderen Studenten?

Von Benjamin Beutler


Osnabrück. Wie gut bin ich im Vergleich mit anderen Studenten? Wie kann ich meine Noten und Creditpoints verwalten? Eine Möglichkeit ist die Homepage gradeview.de, auf der Studenten neben dem Vergleich und der Verwaltung ihrer Noten und Punkte auch individuelle Jobangebote bekommen.

GradeView ist ein kostenloses Programm, dessen Macher ihren Sitz in Passau haben. Jeder Student kann unter gradeview.de oder der entsprechenden App sein Studium planen, seine Noten und Credit Points verwalten und sich anonym an der eigenen Hochschule, im eigenen Bundesland oder bundesweit mit anderen Studenten vergleichen.

Monatlich rund 4000 zusätzliche Nutzer

Die erste Version der Seite ging im Februar 2013 online. Mittlerweile hat die Plattform knapp über 25.000 Nutzer, die meisten kommen aus Bayern. In Niedersachsen nutzen etwa 1800 Studenten das Angebot, 375 davon studieren in Osnabrück. „Aktuell kommen bundesweit monatlich rund 4000 Nutzer hinzu, Tendenz steigend“, sagt Geschäftsführer Max Weber unserer Redaktion. Der 24-Jährige hat GradeView mit Jonas Menk (25) ins Leben gerufen. Die beiden Geschäftsführer haben es von einem Zwei-Mann-Betrieb zu einem mittlerweile Acht-Mann-Kleinunternehmen geschafft.

Die Idee zu GradeView kam Weber während seines BWL-Studiums. Er habe gesehen, dass viele seiner Kommilitonen ihre Noten in Excel verwalteten. „Außerdem war es in der Grundschule schon so, dass man sich nicht nur für seine eigenen Noten interessiert“, sagt Weber. Beide Aspekte kombiniert hätten ihn auf die Idee gebracht, ein Tool zu entwickeln, mit dem man die eigenen Noten verwalten könne und man zusätzlich sehe, wie man im Vergleich zu anderen Studenten dastehe.

„Leistungen vergleichen – das wäre nichts für mich“

Den Reiz, die eigenen Leistungen in den Vergleich anderer Studenten zu stellen, verspüren nicht alle Studenten. Unabhängig voneinander befragt, reagierten drei Studierende auf Nachfrage unserer Redaktion ähnlich auf das Angebot von GradeView. „Ich kenne die Seite nicht, aber das wäre auch nichts für mich, weil ich nichts davon halte, sich mit anderen zu vergleichen“, sagt Sibel Sümer. Die 24-Jährige studiert im sechsten Semester Germanistik und Turkologie an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Ihrer Meinung nach würde der Vergleich den Konkurrenzgedanken im negativen Sinne fördern – man könne keinen vernünftigen Durchschnitt aus den reinen Daten auf GradeView ziehen, „jeder arbeitet anders, jeder investiert anders, manche sind begabt, andere weniger“, sagt Sümer.

Ähnlich sieht es Raoul Nikulla, der im dritten Semester Medienproduktion an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe studiert. „Die Noten und Credits werden auch in meinem Account an der Hochschule übersichtlich angezeigt, dafür bräuchte ich keine zweite Homepage.“ Man solle in erster Linie selbst mit seinen Noten zufrieden sein, ergänzt der 24-Jährige. Ihm gefalle aber die schöne und übersichtliche Optik der Seite.

Carolin Schneider macht die Notenvergabe im Studium von den unterschiedlichen Kriterien der Fächer und den Dozenten abhängig. Auch sie ist der Meinung, dass die Vergleiche nicht aussagekräftig seien. Die 21-Jährige studiert Anglistik und Geschichte auf Lehramt in Osnabrück. Die Uni habe ein eigenes Programm, in dem die Noten aufgelistet werden und wo man Notendurchschnitte einsehen könne, „das finde ich sinnvoller, weil nur Noten aus einem Kurs mit denselben Bedingungen verglichen werden.“ (Niedersachsens Unis boomen: Die meisten Zuwächse an Studenten ››)

Datenschutz wird groß geschrieben

Neben der Verwaltung der Noten und Punkte verspricht GradeView auch individuelle Jobangebote. „Unternehmen hinterlegen Stellenangebote mit den vorausgesetzten Kriterien, wie Studienrichtung, Region, Studienfortschritt, Note und Praxis- bzw. Auslandserfahrung,“ sagt Max Weber. Zusätzlich könnten Studierende in den passenden Jobangeboten nach Branche filtern, ergänzt der Geschäftsführer.

Daten der Nutzer würden dabei nicht weitergegeben, Studierende bekämen lediglich die passenden Stellen angezeigt, für die sie die Kriterien erfüllen. „Wir verzichten weitestgehend auf die Erhebung personenbezogener Daten, wie Name und Adresse und nutzen stets eine Verschlüsselung“, versichert Weber. Datenschutz würde bei GradeView großgeschrieben. Weder Studierende noch Unternehmen könnten die Daten einzelner Studenten einsehen. So ist zumindest die Angst des gläsernen Studenten eingedämmt.

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