Stiftung Patientenschutz: „Wehret den Anfängen“ Datenschützer warnen vor Generali-App: „hochgefährlich“

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Der gläserne Patient: Die Generali-Versicherung plant, Kunden mit einer ermäßigten Krankenversicherung zu belohnen, wenn sie per App belegen, dass sie Sport treiben. Foto: ImagoDer gläserne Patient: Die Generali-Versicherung plant, Kunden mit einer ermäßigten Krankenversicherung zu belohnen, wenn sie per App belegen, dass sie Sport treiben. Foto: Imago

Osnabrück. Daten- und Patientenschützer kritisieren die Pläne der Generali-Versicherung, Fitnessdaten ihrer Kunden zu sammeln. „Wehret den Anfängen“, warnte Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz, im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Traum vom gläsernen Patienten sei hochgefährlich.

Das Bundesamt für Versicherungswesen forderte Brysch auf, „der Generali schnell auf die Finger zu klopfen“. Die Krankenkasse sei kein Partner des Patienten, sondern eine Versicherung mit glasklaren Wirtschaftsinteressen. Das geplante Gesundheitsprogramm der Generali mit dem Namen Vitality sieht vor, den Versicherten mit Gutscheinen, Geschenken und Rabatten für mittels einer App überprüftes und gesundes Verhalten zu belohnen.

„Ich halte von solchen Modellen gar nichts“, kritisierte Peter Schaar, ehemaliger Bundesdatenschutzbeauftragter und Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID), die Pläne der Versicherung gegenüber unserer Zeitung. „So wird die Überwachungsspirale nur weiter gedreht.“ Es gehe dabei doch um viel mehr als Bewegung und gesunde Ernährung. Beiläufig erfahre das Unternehmen sensible Gesundheitsdaten. „Und wer sich verweigert und seine Privatsphäre bewahrt, muss mehr zahlen“, kritisierte Schaar.

Finanzielle Strafe für weniger Aktive

Auch der Vorsitzende des Telematikausschusses der Bundesärztekammer, Franz- Joseph Bartmann, warnte: „Sobald die einen Rabatt für gesundheitsbewusstes Verhalten bekommen, werden andere, die weniger gesundheitsbewusst leben oder bloß nicht bereit sind, sich an dieser Offenlegung zu beteiligen, finanziell bestraft.“ So brächten solche Offerten letztlich die gesamte Versicherungswirtschaft in Schieflage. „Wir müssen in Zukunft schon sehr genau darauf achten, dass die Krankenversicherungen wie auch sogenannte Online-Gesundheitsanbieter nicht unter dem Deckmantel von Gesundheitsförderung und Wellness Daten missbrauchen“, so Bartmann. Auch der Sprecher der DAK Gesundheit, Rüdiger Scharf, betonte: „Der Umgang mit Versichertendaten ist hochsensibel. Die technischen Möglichkeiten dürfen nicht dazu führen, dass wir einen gläsernen Patienten bekommen.“

Schritte zähle, Vorsorge planen

Wer sich für eine Lebens- oder Krankenversicherung der Generali nach dem neuen Modell entscheidet, soll der Versicherung regelmäßig Daten zu seinem Lebensstil übermitteln. So werden über die App dann Vorsorgetermine dokumentiert, Schritte gezählt oder sportliche Aktivitäten erfasst. Auch gesunde Ernährung soll zu dem Paket gehören. Dafür müssen sich die Resultate im von der Versicherung gesetzten Rahmen bewegen. Ziel des Projekts sei es, die Kunden dabei zu unterstützen, sich selbst und aktiv um ihre Gesundheit zu kümmern, so eine Sprecherin des Unternehmens.

In einem ersten Schritt sollen Versicherte mit gesundheitsbewusstem Lebenswandel Gutscheine für Reisen und fürs Fitnessstudio bekommen, im nächsten Schritt seien dann Rabatte bei den Versicherungsprämien möglich, erläuterte die Sprecherin. Es sei „auch nichts Schlimmes“, wenn Versicherte nicht an dem neuen Modell teilnehmen wollten. Die neuen Angebote sollen den Angaben nach in den nächsten zwölf bis 18 Monaten auch in Deutschland erhältlich sein. Auf eine konkrete Produktausgestaltung habe man sich aber noch nicht festgelegt, hieß es bei der Generali. Angesprochen auf die Kritik an den Plänen, führte die Sprecherin an, dass Krankenkassen ja auch Bonusleistungen für die regelmäßige Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen oder an Fitnesskursen anböten.

App mit Coaching-Funktion

Tatsächlich hat auch die DAK Gesundheit für ihre Versicherten bereits seit Frühjahr 2013 eine Fitness-App im Programm. Anders als bei der von der Generali geplanten App erhalte die DAK aber keine Gesundheitsdaten der Versicherten, betonte DAK-Sprecher Scharf. „Unsere App unterstützt die Versicherten lediglich nur über eine Art Coaching-Funktion bei einem gesundheitsbewussten Verhalten und belohnt dieses mit Bonuspunkten.“ Die Daten über Laufstrecken etc. verblieben datenschutzrechtlich sicher auf dem Smartphone des Versicherten. Nach Scharfs Angaben nutzen bereits einige Tausend Versicherte die DAK- App.

Auch bei Kfz-Versicherungen gibt es übrigens bereits Modelle, die Datenweitergabe belohnen. So bietet die Sparkasse im Rahmen des Pilotprojekts S-Drive eine vergünstigte Kfz-Versicherung an, wenn Autofahrer sich durch eine im Fahrzeug platzierte Blackbox kontinuierlich überwachen lassen.


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