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Kurz getestet FahndungsAPP bedient hemmungslos niedere Instinkte

Von Frank Wiebrock


Osnabrück. Der Mann im Fadenkreuz der FahndungsApp trägt Bart und Kufiya, die typisch arabische Kopfbedeckung. Das Tuch ist ungemustert, der Bart eher kurz, beides deutet auf Saudi-Arabien hin. So sieht er also aus, der Feind, der Verbrecher, der Gesuchte. Die „FahndungApp“ bedient hemmungslos auch niedere Instinkte und rassistische Vorurteile. Dabei wollen die Macher doch nur Gutes. Behaupten sie zumindest.

Nur Gutes? Genau. Vor allem wohl das Geld der App-Käufer. Mit 89 Cent kostet die für iPhone und Android-Smartphones erhältliche App zwar kaum Geld, leistet aber auch kaum etwas. Die Quellen sind nämlich öffentlich. Dass die App dann teilweise einfach die Seiten der Polizeibehörden aufruft, ist sogar für eine 89 Cent- App ziemlich dreist. Als Werbeplattform benutzen die Macher unter anderem Facebook. Verbrechen geht schließlich immer.

Nur offizielle Quellen

Was wird sonst geboten? Die App fasst Fahndungen des Bundeskriminalamts, der Landeskriminalämter, der österreichischen und der Schweizer Polizei sowie von Interpol und des FBI zusammen. Immerhin: „In unserer FahndungsApp finden Sie nur offizielle Quellen“, betonen die Macher. Damit scheint zumindest ausgeschlossen, dass prügelnde Ehepartner oder gewalttätige Eltern die App missbrauchen, um ihre sich in Sicherheit wähnenden Opfer zu finden. Allerdings lässt die angeblich prüfende Redaktion es gelegentlich an Fachwissen fehlen: So scheint der kleine , aber feine Unterschied zwischen Brandstiftung und Brandanschlag noch nicht bis zu den Machern vorgedrungen zu sein.

Je nach dem, was die eignen Freunde und Bekannten so treiben, kann man auch in bestimmten Kategorien stöbern: Und vielleicht ist es ja auch für die eigene Gesundheit zuträglicher, statt nach Mördern oder Terroristen zuerst nach den Betrügern in seinem Umfeld zu fahnden. Fahndungen können aus der App heraus über Twitter und Facebook geteilt werden

Voyeurismus und Sheriff-Mentalität

Der Polizei zu helfen ist das eine, das andere ist die nackte Gier: Zu den beworbenen App-Features gehört auch „Belohnung kassieren.“ Wenn bis zu fünf Millionen Dollar winken sollen, sagt der Freizeit-Ermittler doch nicht „Nein“. Keine Frage: Die Mischung aus Voyeurismus und Sheriff-Mentalität lässt sich gewinnbringend in eine App gießen.

Dafür gibt es überwiegend gute Noten im Appstore. Bis auf wenige Ausnahmen: „Mist. Nur alte und wenig Fälle“ kritisiert einer der Freizeitfahnder, andere freuen sich dagegen, dass sie endlich „Verbrecher, Terroristen und Vermisste auf einen Blick“ finden. Wohin allerdings fehlgeleitete Selbstjustiz, die online angefacht wird, führen kann, haben die Menschen Anfang 2012 in Emden erlebt: Nach dem Mord an einem Mädchen und angeheizt durch einen Facebook-Post hatten zum Mob mutierte Bürger das Polizeirevier belagert und die Herausgabe eines fälschlicherweise verdächtigten Mannes gefordert.

Wetter kann sie

Aber wir wollen nicht unfair sein, die App hat auch ihr Gutes. Zum Beispiel kann man das aktuelle Wetter abfragen. Allerdings können das etliche kostenlose Apps mindestens genauso gut.

Und das zweite Gute: Endlich kann man mal mit ruhigen Gewissen versuchen, eine App zurück zu geben. Für Iphones geht das unter https://reportaproblem.apple .com/: Anmelden, App wählen, auf „Problem melden“ klicken, Problem wählen und begründen, fertig.

Androidnutzer gehen auf https://play.google.com/store?hl=de und wählen unter „Meine Bestellungen“ ebenfalls „Problem melden.“

FahndungsApp 2.0, an IOS 8, iPhone 6 und iPhone 6 Plus angepasst, 89 Cent