Nehmen Umweltreize wahr Können Pflanzen Schmerzen empfinden?

Von Eva Voß

Tut das dem Buchsbaum weh? Foto: ImagoTut das dem Buchsbaum weh? Foto: Imago

Osnabrück. Spätestens seitdem die vegane, also rein pflanzliche, Ernährung, immer mehr Anhänger findet, fragen sich viele, ob auch Pflanzen, genau wie Menschen und Tiere, Schmerzen empfinden können. Leidet also der Rasen wenn er gemäht oder der Baum, wenn er beschnitten wird?

„Nein, Pflanzen empfinden keinen Schmerz, sie nehmen ihre Umwelt allerdings sehr genau wahr“, erklärt Karl-Josef Dietz. Er ist Präsident der Deutschen Botanischen Gesellschaft und zugleich Professor für Biochemie und Physiologie der Pflanzen an der Universität Bielefeld.

„Um zu erklären, warum das so ist, müssen wir uns zunächst fragen, warum Tiere und Menschen Schmerzen empfinden und wie das funktioniert“, so Dietz weiter. Bei Tieren gebe es Schmerzsensoren auf der Oberfläche der Haut oder in der Haut. Und diese würden dann Informationen an das Nervensystem füttern. „Dort wird dann der Schmerz wahrgenommen oder die Information verrechnet und eine Reaktion ausgelöst“, erklärt der Wissenschaftler. Bei Tieren sei das Schmerzempfinden also an das Nervensystem gekoppelt. Pflanzen können laut Dietz zwar auf der kleinsten Ebene des Organismus, den Zellen, tatsächlich ähnliche Reize wahrnehmen – doch gebe es kein nachgeschaltetes Nervensystem, das ein solches Empfinden in Schmerz umwandeln könnte.

Mehr Wissenswertes zum Thema Garten finden Sie hier

Ob es kalt oder warm, hell oder dunkel, nass oder trocken ist, registrieren Pflanzen allerdings sehr genau und reagieren auch darauf. Dietz: „Wenn etwa ein Blatt beschnitten wird, setzt das eine bestimmte Kaskade von Ereignissen in Gang, um die Folgen der Verwundung zu überwinden und zu entgegnen.“

Wird zum Beispiel an einem Baum ein Ast abgesägt, registriert er das sehr schnell und bildet nach einiger Zeit an dieser Stelle eine Schicht, die die „Wunde“ verschließt. Laut Dietz ist das eine Möglichkeit für die Pflanze auf einen lokal einwirkenden Stress zu reagieren: „Das macht ja auch Sinn. Ein Teil der Pflanze nimmt den Stress wahr, und die ganze Pflanze beginnt mit einem Programm, um sich an diesen möglicherweise bedrohlichen Umweltfaktor anzupassen.“

Die Ausrede, dass die Hecke leidet, wenn man sie beschneidet, zieht beim nächsten Mal also nicht mehr.