Suche an Personen Rauschgifthund mag Festivalbesucher

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Osnabrück. Dieser Hund will tatsächlich nur spielen! Obwohl der belgische Schäferhund Jessy keine bösen Hintergedanken hat, jedenfalls so weit man das beurteilen kann, dürfte ihn der ein oder andere Festivalbesucher in unguter Erinnerung behalten haben.

Dabei sieht Jessy aus, als könne sie kein Wässerchen trüben. Sie ist darauf trainiert, Rauschgift jeglicher Art aufzuspüren , das Leute mit sich herumtragen: ob am Körper oder in einem Koffer. Der Besitzer muss lediglich an ihr vorbeigehen, das reicht für die trainierte Schnauze, um den Geruch zu erkennen.

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Hundeführer Horst Wegbünder mischt sich mit dem Hund beispielsweise unter Festivalbesucher , die auf der Anreise sind. „Wenn Jessy auf die Leute zukommt, bleiben sie in der Regel stehen und lassen sich beschnüffeln“, sagt Wegbünder. „Sie hat ja einen gewissen Charme.“ Wenn sie etwas wittert, bleibt sie an dem Delinquenten stehen und guckt den Hundeführer an.

Dass Jessy so freundlich ist, liegt auch daran, dass sie im Unterschied zu anderen Polizeihunden keine Grundausbildung zum Schutzhund hat. „Sonst wäre sie misstrauischer und aggressiver“, erklärt Wegbünder. Ein sanftes Auftreten ist ihm wichtig. Deshalb ist er bei Einsätzen oft in Zivil unterwegs. Selten stupst Jessy die Verdächtigen noch mit der Schnauze an. Das soll sie eigentlich nicht. Das will Wegbünder dem Tier abtrainieren. „Der Hund soll die Menschen nicht belästigen.“ Das Problem: „Man kriegt das Anstupsen schwer aus ihr raus.“

Lieblingsspielzeug als Belohnung

„Die meisten Leute, die wir erwischen, geben den Besitz von Rauschgift direkt zu“, sagt Wegbünder. Andernfalls hat der Polizist das Recht, sie zu durchsuchen. „Schlägt der Hund an, besteht ein begründeter Anfangsverdacht“, erklärt der Polizist. „Das ist vergleichbar mit einem Alkoholtest. Wenn ich einen Autofahrer anhalte, der eine Fahne hat, besteht ebenfalls der begründete Verdacht, dass er getrunken hat, und ich veranlasse einen Bluttest.“

Trainiert wird Jessy spielerisch. Wenn sie Drogen gefunden hat, bekommt sie ihr Lieblingsspielzeug und Wegbünder drückt auf einen Klicker. „Auf das Geräusch ist sie konditioniert.“ Wenn sie das Klicken hört, ist für Jessy der Einsatz erfolgreich beendet.

Jessy ist eine Besonderheit. Im Polizeideutsch heißt die Stellenbeschreibung RSH-SaP. Die Buchstabenkombination steht für „Rauschgiftspürhund- Suche an Personen“. Davon gibt es im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück, die bis hin nach Aurich und Emden zuständig ist, nur zwei: einen in Aurich und Jessy in Nordhorn. Die Hündin ist seit März im Einsatz. Sie ist ein Malinois, eine Spielart des belgischen kurzes Fell. Die Hunde gelten als zweckorientiert und gebrauchsfähig. Damit sind sie ideal für den Polizeidienst, erklärt Horst Wegbünder.

Einführung umstritten

Die Einführung der RSH-SaP war nicht ganz unumstritten. Zwar hatte die holländische Polizei die speziell ausgebildeten Tiere schon länger im Einsatz, in Niedersachsen wusste man aber so recht nichts mit ihnen anzufangen. Es gab rechtliche Bedenken und taktische. Zunächst sollten die Tiere mit der besonders feinen Schnauze bei Fußballspielen eingesetzt werden. Dort sollten sie allerdings keine Drogen aufspüren, sondern Pyrotechnik, die Fans ins Stadion schmuggeln wollten. Das Prozedere dauerte aber zu lange und war nicht effektiv. Schließlich entschloss sich die Polizei, die Hundeausschließlich bei der Rauschgiftsuche an Personen einzusetzen.

Nach wie vor sind Polizeihunde die einzige effektive Möglichkeit, versteckte Drogen aufzuspüren. Aber auch die Hundeschnauze hat ihre Grenzen. „Wenn Drogen luftdicht verpackt sind, wir es schwierig“, sagt Wegbünder. „Es kommt ja kein Drogenbesitzer und sagt zu uns, der Hund war zu doof und hat was übersehen.“ Der Beamte geht aber von einer sehr hohen Trefferquote aus. „Aber 100 Prozent wird sie sicher nicht betragen.“ Die meisten Leute, die Drogen konsumieren oder mit ihnen handeln, haben den Geruch an den Händen. Bisweilen macht Jessy auch auf Leute aufmerksam, bei denen keine Drogen gefunden werden. „Mann kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass sie zuvor etwas konsumiert haben“, sagt Wegbünder.

Unterwegs mit dem Zug

Schwerkriminelle gehen Jessy bei den Festival-Einsätzen eher nicht ins Netz, räumt Wegbünder ein. „Die meisten haben Rauschgift nur für den Eigenbedarf dabei.“ Ein Verfahren wird zwar eingeleitet, aber in der Regel wieder eingestellt, wenn es sich um Kleinstmengen handelt. Der Polizist legt Wert auf die Feststellung, dass sie den Musikfans nicht auf dem Festivalgelände nachstellen, sondern nur im Vorfeld.

Wegbünder ist mit Jessy auch in Zügen unterwegs, die zwischen den Niederlanden und Niedersachsen verkehren. Dort findet das Tier zumeist Cannabis, aber auch härtere Sachen. Jessy wird außerdem bei Wohnungs- und Fahrzeugdurchsuchungen eingesetzt.

Insgesamt gibt es zehn Rauschgifthunde bei der Polizeidirektion, bis auf die RSH-SaP sind sie auch zum Schutzhund ausgebildet und suchen daher in der Regel nur Wohnungen und Fahrzeuge nach Drogen ab .An Personen werden sie nicht eingesetzt. „Die Gefahr ist zu groß, dass sie bei einem falschen Schritt des Drogenbesitzers den Beamten beschützen wollen und aggressiv werden“, erklärt Wegbünder.

Enges Verhältnis zwischen Hund und Polizist

Das Verhältnis zwischen Hundeführer und Tier ist eng. Die Hunde leben bei den Beamten. In der Regel ist ein Hund zehn Jahre im Einsatz, dann wird er ausgemustert. „Die körperlichen Fähigkeiten lassen nach“, so Wegbünder. Die meisten der Tiere bleiben auch nach der Pensionierung bei den Beamten, die sie fast ihr ganzes Leben kennen. Viele Hundeführer haben zwei Tiere zu Hause; einen aktiven und einen, der bereits in Rente ist. Auch bei Wegbünder leben zwei Hunde, Jessy im Zwinger und eine andere Hündin in der Wohnung. „Das ist aber nicht so ideal. Bei Wohnungsdurchsuchungen sollen die Hunde auf Betten und Sofas springen. Das dürfen sie zu Hause natürlich nicht. Da kommen die Tiere schnell durcheinander.“


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