Aus der Forschung Katzen sind genetisch noch ziemlich wild

Aus Spiel wird manchmal schnell Ernst: Katzen können auch grausam und unberechenbar sein.Foto: ImagoAus Spiel wird manchmal schnell Ernst: Katzen können auch grausam und unberechenbar sein.Foto: Imago

Bremen.Über 5,5 Millionen Bundesbürger hierzulande haben eine Katze. Und das, obwohl die Stubentiger durchaus grausam und unberechenbar sein können, wenn sie beispielsweise mitten aus dem Schmusen heraus die Krallen ausfahren oder mit ihren gefangenen Mäusen spielen, bis sie tot sind. Amerikanische Wissenschaftler haben nun herausgefunden, woran das liegt. Nämlich am Erbgut, das sich immer noch nah an der Wildkatze bewegt.

Ein Forscherteam der Washington University in St. Louis entzifferte zunächst das Erbmaterial verschiedener Hauskatzenrassen und verglich es dann mit den genetischen Informationen von zwei Wildkatzen-Arten sowie vier anderen Säugetieren: Mensch, Hund, Tiger und Kuh. Im Ergebnis zeigte sich erstens, dass sich die Gene der Hauskatzen viel weniger von denen der Wildkatzen unterscheiden, als es bei Hund und Wolf der Fall ist.

Und zweitens, dass die Hauskatze, gerade was die Leistungsfähigkeit ihrer Sinne angeht, immer noch auf das Leben in freier Wildbahn ausgerichtet ist. So ist ihr Gehör besser als das von jedem anderen fleischfressenden Säugetier. „Sie haben den größten Hörbereich und können dadurch sowohl die Ultraschallkommunikation ihrer Beute als auch deren Bewegungen wahrnehmen“, erklärt Studienleiter Wesley Warren. Die Augen der Katze sind ebenfalls überragend, sodass sie noch in großer Entfernung und auch im Dunkeln viel erkennen kann.

Der Geruchssinn ist zwar schlechter als beim Hund, doch sie ist ja kein Fährtenleser, sondern ein Lauerjäger, der im Versteck beobachtet, was die potenzielle Beute tut.

Bleibt die Frage, warum die Katze ihrem wilden Ursprung näher ist als der Hund. Warrens Erklärung: Der Mensch hat sich einfach lange nicht sonderlich um sie gekümmert. Die ersten Katzen zogen zwar schon vor 9000 Jahren in seine Nähe und sogar in seine Häuser. „Doch man begrüßte sie in erster Linie als Jäger, die Mäuse und Ratten in Schach hielten und dadurch die Getreidevorräte schützten“, sagt Warren. Es kam zu einem Pakt: Der Zweibeiner bot dem schnurrenden Vierbeiner Futter als Belohnung, um ihn zum Bleiben zu bewegen, und der lernte wiederum, dass es sich lohnt, wenn man dem Hausherrn seine Jagdtrophäen präsentierte, was ja heute nicht mehr so gern gesehen ist. Aber sonst wurden von der Katze kaum noch Anpassungsleistungen gefordert, sie konnte weitgehend so bleiben, wie es ihrer wilden Natur entsprach. Ihre Domestikation begann erst vor ungefähr vor 150 Jahren, als sie immer mehr zum beliebten Schmusetier wurde. Da hatte der Hund schon mehrere Tausend Jahre Drill, Zucht und Auslese hinter sich, in deren Folge er immer mehr seinen Wolfscharakter verloren hat und zum Partner – und manchmal ja auch zum folgsamen Deppen des Menschen geworden ist. Dieses Schicksal blieb der Katze bisher weitgehend erspart.