Studien warnen Glaubenskrieg um Milch: Macht sie krank oder gesund?

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Wissenschaftler erregen Aufsehen mit verschiedenen Studie zur Wirkung von Kuhmilch auf den Menschen. Foto: Colourbox.deWissenschaftler erregen Aufsehen mit verschiedenen Studie zur Wirkung von Kuhmilch auf den Menschen. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Milch galt lange als Gesundmacher. Seit einigen Jahren aber ist ein Glaubenskrieg um das Getränk entbrannt. Zwei aktuelle schwedische Studien sind Wasser auf die Mühlen derer, die vor gesundheitlichen Schäden durch einen hohen Milchkonsum warnen.

Die eine Studie weist auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und der Entstehung von Brust-, Eierstock- und Lungenkrebs hin. Die andere stellt in Zweifel, dass Milch besonders gut für die Knochen sei.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung will an ihrer Empfehlung, täglich Milch zu konsumieren, zwar festhalten. DEG-Sprecherin Antje Gahl betont jedoch im Gespräch mit unserer Redaktion: „Das heißt nicht, dass diese Ergebnisse nicht beachtet werden. Sie müssen ernst genommen und kritisch bewertet werden.“

Ein Viertel Liter täglich

Auch das Bundesverbraucherministerium sieht nach Angaben seines Pressesprechers Christian Fronczak keine Veranlassung, an der Empfehlung des DEG, die mengenmäßig täglich circa ein Viertel Liter Milch (oder Joghurt, Kefir, Buttermilch) und ein bis zwei Scheiben Käse beinhalte, etwas zu ändern. „In den schwedischen Studien ging es um deutlich größere Mengen“, betont Fronczak. Er weist gleichzeitig aber auch auf das Ergebnis einer Expertenkonferenz zum Thema hin, bei der man zu dem Schluss gekommen sei, dass das Thema Krebs im Zusammenhang mit Milch weitere Aufmerksamkeit und Forschung erfordere. Auch für Milch gelte der Grundsatz: „Die Dosis macht es“, betont Fronczak. „Wie bei allen Lebensmitteln ist ein sehr hoher Konsum zu meiden.“

Braucht es andere Empfehlungen?

Der Verband der deutschen Milchbranche (MIV) warnt unterdessen dringend „vor übereilten Schlussfolgerungen auf der Basis ungesicherter Erkenntnisse“. Auch die Autoren der beiden Studien selbst hatten allerdings darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse erst in unabhängigen Studien repliziert werden müssten, bevor Ernährungsempfehlungen geändert würden.

Der Gütersloher Hautarzt und Lehrbeauftragte für Umweltmedizin an der Universität Osnabrück Bodo Melnik dagegen fordert in einem Gespräch mit unserer Redaktion, „den Konsum von Frischmilch zu überdenken und zu drosseln“. Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entbehrten einer wissenschaftlich gesicherten Grundlage.

Wachstum fördern

Tatsächlich wiesen Kulturen ohne Milchkonsum eine deutlich niedrigere Häufigkeit der Osteoporose auf, betont Melnik. Auch bei Tieren werde diese Erkrankung nicht beobachtet. Zudem hätten mehrere Untersuchungen Anhaltspunkte für einen möglichen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Krebserkrankungen erbracht. Milch sei kein herkömmliches Nahrungsmittel, wie von der DGE angenommen, betont der Mediziner. Sie sei ein biologisches Signalsystem zwischen Mutter und Neugeborenem beziehungsweise laktierender (Milch gebender Kuh) und dem Menschen als Signalempfänger. „Ihre primäre Aufgabe ist es, Wachstum und Programmierung des Neugeborenen während der zeitlich begrenzten Stillzeit zu fördern.“

In späteren Lebensphasen werde Milchkonsum aber zum Problem, weil er Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Krebs und Alzheimer Vorschub leiste. Seine kritischen Vorstellungen zur Milch sieht Melnik nun nicht nur durch die Studien der Wissenschaftler in Lund und Uppsala verdichtet, sondern auch durch eine Untersuchung an der Universität Nebraska-Lincoln aus dem August dieses Jahres. (Mehr zu der US-Studie im Artikel unten auf der Seite.)

Risiko Krebs

Das schwedische Forscherteam an der Universität in Lund hatte herausgefunden, dass Menschen, die unter Laktose-Intoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) leiden und Milchprodukte deshalb meiden, seltener an den drei Krebsformen Brust-, Eierstock- und Lungenkrebs erkranken. Dies müsse allerdings nicht automatisch bedeuten, dass ein erhöhter Konsum von Milch und Milchprodukten das Risiko für die genannten Krebsformen erhöhe, betonten die Autoren der Studie. Auch andere, statistisch nicht erfasste Faktoren könnten von großer Bedeutung sein.

An der Universität Uppsala hatte wenige Tage zuvor bereits eine andere Untersuchung zu möglichen Folgen von Milchkonsum für die Knochendichte für Schlagzeilen gesorgt: Die Wissenschaftler hatten die Daten von insgesamt 61433 Frauen und 45339 Männern ausgewertet und festgestellt, dass Menschen, die viel Milch tranken, kein geringeres Risiko für Knochenbrüche hatten. Für Milchtrinkerinnen war das Risiko einer Hüftfraktur sogar erhöht. Zusätzlich hatten die Teilnehmer, die viel Milch konsumierten, ein gesteigertes Risiko, früher zu sterben. Der Untersuchung zufolge erhöhte sich mit jedem täglichen Glas Milch (rund 200 Milliliter) das relative Risiko eines vorzeitigen Todes für Frauen um 15 Prozent und für Männer um drei Prozent. Im Schnitt nahmen die Männer circa 290 Milliliter Milch pro Tag zu sich, die Frauen 240 Milliliter. In Deutschland liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch pro Tag bei rund 250 Millilitern. also einem Viertelliter Milch..

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